Ich war froh, nichts mehr zu hören!

Meine Hörprobleme waren störend, aber ich kam nach anfänglichen Schwierigkeiten irgendwie damit zurecht. Doch schlagartig auftretende Gleichgewichtsprobleme, die sich erst mit der völligen Ertaubung gaben, waren ein echtes Problem für mich.

Als ich nach einem Unfall das Gehör auf der rechten Seite verlor, stand ich in Arbeit als Kesselschweißer, einem sehr anstrengenden Job. Mein Gleichgewichtssinn war durch die einseitige Ertaubung kaum beeinträchtigt.
Alles war anders, als ich dann meinen ersten Hörsturz auf der linken Seite erlitt. Von da an musste ich mit schwankendem Hörvermögen am besseren Ohr zurechtkommen. Verstärkte Gleichgewichtsprobleme machten mir zusätzlich das Leben schwer. Versuchte ich geradeaus zu gehen, zog es mich immer auf die linke Seite. Jeder vierte Schritt wurde zu einem kleinen Side-Step nach rechts, um diesen Drall auszugleichen. Die Ärzte diagnostizierten Morbus Menière – was das bedeutet, wurde mir zunehmend bewusst.

Mit der Zeit wurden die Phasen der Höreinschränkungen am besseren Ohr länger und verstärkter. In Zeitabständen von wenigen Monaten wechselte ich auf jeweils stärkere Hörgeräte – innerhalb von drei Jahren sollten es sieben Geräte werden! In dieser Zeit verbesserte sich mein Lippenlesen, was mir in Bezug auf meine Hörproblematik sehr half.

Massive Probleme hingegen machten mir die Schwindelanfälle, die sich in dieser Zeit ebenfalls extrem verstärkten. In der Arbeit hatte ich mir in meiner Schweißkoje eine Wand frei gehalten, um für eventuelle Schwindelattacken eine Sicherheitszone zu schaffen. Ich litt unter Überschlagsschwindel. Ich merkte im Vorfeld, wenn eine neuerliche Attacke kam. Das gab mir wenige Sekunden, mich mit dem Rücken an die freie Wand zu lehnen. Im nächsten Moment rutschte ich daran hinunter und gelangte in Sitzposition. Mein Mageninhalt entleerte sich vollständig. Ich verlor die Orientierung und wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Meine Vorsichtsmaßnahmen verhinderten zumindest, dass ich während der Schwindelattacke mit dem Kopf auf eine der eisernen Arbeitsvorrichtungen aufgeschlagen wäre. Ich möchte nicht denken, welche zusätzlichen Probleme das für mich gebracht hätte.

Nach einem solchen Anfall konnte ich nicht weiterarbeiten. Wenn ich nach Hause torkelte, deuteten viele Leute dieses Schwanken als Folge übermäßigen Alkoholkonsums - dabei trank ich in dieser Zeit keinen Tropfen Alkohol und ließ das Rauchen zur Gänze sein. Daheim legte ich mich ins Bett. Bis der von meiner Frau gerufene Hausarzt kam, schlief ich schon einen der Bewusstlosigkeit ähnlichen Schlaf. Wenn ich dann nach zwei bis drei Stunden erwachte, waren alle Beschwerden wie weggeblasen.

Wöchentlich, manchmal auch zwei Mal die Woche, wiederholten sich diese Schwindelanfälle. Die Attacken quälten mich ganze vier Jahre lang. 1980 war endlich meine Hörfähigkeit zu Ende. Ich war wirklich froh, nichts mehr hören zu können, weil damit auch die Menièr´schen Anfälle ihr Ende hatten. Ab diesem Zeitpunkt hatte ich nur noch ganz leichten Tinnitus am linken Ohr, der aber nach der Implantation mit dem Combi40-CI ebenfalls verschwunden ist.