Pionierin in Sachen Magnetresonanz

Die Oberösterreicherin Judith Hansen war eine der ersten NutzerInnen einer Vibrant Soundbridge, die sich einer Magnetresonanzuntersuchung unterzog. Mit welchen Schwierigkeiten die Untersuchung begann und wie komplikationsfrei sie schließlich verlief, erzählt sie bei einer Tasse Kaffee.

Die Anzahl der Magnetresonanzuntersuchungen, kurz MRT, MRI oder MR, ist im Steigen, europaweit innerhalb von fünf Jahren etwa auf das Doppelte. (Siehe Gehört.Gelesen, Ausgabe 56) Immer länger werden die Wartezeiten auf MR-Untersuchungen, wie die Presse berichtet. Für Nutzer von Hörimplantaten kommt hinzu, dass nicht alle Hörimplantate MR-sicher sind. Manche MR-Zentren lehnen die Verantwortung einer Untersuchung an einem Implantat-Nutzer auch generell ab.

Das musste auch Judith Hansen erleben. Die studierte Psychologin mit dem fröhlichen Kurzhaarschnitt wurde 2014 mit einer Vibrant Soundbridge implantiert. Die Oberösterreicherin mit amerikanischen Wurzeln ist bilingual aufgewachsen und arbeitet auch als Dolmetscherin für Englisch - dass sie hörbeeinträchtigt ist, merkt man im Gespräch nicht.

Mehr als ein Jahr nach der Implantation wurde Judith Hansen - in anderem Zusammenhang - zu einer MR-Untersuchung überwiesen. Der Weg zur Untersuchung erwies sich als Hindernislauf: Der lokale MR-Spezialist wies die Patientin ab. Er könne nicht für die Sicherheit der Patientin garantieren und fürchte auch um sein Untersuchungs-Gerät. Beunruhigende Gerüchte wurden ihr von anderen Implantat-Nutzern zugetragen: „Das Gehirn fängt an zu brutzeln!“ Die Akademikerin ließ sich nicht beirren und vereinbarte kurzerhand einen MR-Termin an der Klinik Wels-Grießkirchen, wo auch ihre Implantation durchgeführt worden war.

Auch dort weist beim Zugang zum MR-Bereich ein Schild darauf hin, dass Implantate aus Metall für das Untersuchungsgerät nicht zugelassen sind. Das Team erklärt die Schwierigkeit: „Wir haben schon in der Ausbildung gelernt, dass Nutzer von Implantaten nicht in das MR-Gerät dürfen.“ Gerüchte, die von Vorerfahrungen verschiedener Institute mit unterschiedlichen Implantaten herrühren, kommen hinzu. Doch nach Rücksprache mit dem Implantat-Hersteller MED-EL war rasch klar: In diesem Fall besteht für keine Seite ein Risiko durch die Untersuchung. Das MR wurde unverzüglich in Angriff genommen.

Bedarf versus Möglichkeit

Wie die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung OECD berichtet, werden jährlich fünf Prozent aller Österreicher einer MR-Untersuchung unterzogen. Rein statistisch gesehen benötigt ein Österreicher alle 20 Jahre ein MR. Für Judith Hansen machen Komplikationen nach einer früheren Operation wiederholten MR-Untersuchungen notwendig. „Als ich mich für ein Hörimplantat entschieden habe, war mir klar, dass ich über kurz oder lang weitere MRs benötigen werde.”

MR-Sicherheit ist keine Selbstverständlichkeit für Hörimplantate. Der genaue Implantat-Typ ist ausschlaggebend, ob ein Nutzer sich gefahrlos einer MR-Untersuchung aussetzen darf und welche Einstellung dabei eingesetzt werden kann. Die Vibrant Soundbridge ist das einzige Mittelohrimplantat dieser Art, mit dem MR-Untersuchungen problemlos möglich sind. „Deswegen ist es die perfekte Lösung für mich!“, entschied Judith Hansen. Als sie die Implantation überlegte, wurde die MR-feste Version der Vibrant Soundbridge gerade vorgestellt. So kam es, dass sie als dritte Patienten in Europa den neuen VORP 503 erhielt.

Primar Dr. Thomas Keintzel, Chirurg an der Klinik Wels-Grieskirchen, erzählt von eine Patientin, die sogar ein funktionsfähiges Mittelohrimplantat älterer Bauart durch eine neues Vibrant Soundbridge ersetzen ließ: „Die Patientin benötigt regelmäßige MR-Untersuchungen ihres Knies. Das war mit ihrem bisherigen Implantat aber nicht möglich.“ So ein Implantat-Wechsel sei aber nicht die Regel.

Erfahrungen aus erster Hand

Die schon MR-erfahrene Oberösterreicherin Hansen kam völlig gelassen zu ihrer Untersuchung: „Ich hatte ja schon früher einige MRs, ich wusste, wie das funktioniert.“ So erhielt sie vor der Untersuchung eine Infusion. Dann musste sie ihren Audioprozessor abnehmen. Ohrstöpsel und Kopfhörer sollten die Patientin vor dem Lärm schützen, den so ein MR-Gerät verursacht.

Mit dem Nachthemd der Klinik angetan, wurde sie für 15 Minuten in die enge MR-Röhre geschoben. Die unkomfortable, beengte Lage in der Röhre war sie aber schon gewohnt.

Beim Kaffee erzählt sie anschließend: „Die MRI ist mit meiner Soundbridge genauso abgelaufen, wie eine solche Untersuchung ohne ein Implantat.“ Sie hätte absolut nichts dabei gespürt. „Nach der MR habe ich einfach meinen SAMBA Audio Prozessor wieder aufgesetzt und ich konnte wieder ganz normal hören.“

Vgl. ‚Konsument‘ 4/2016 vom März 2016, sowie Presseaussendungen der österreichischen Wirtschaftskammer vom 24. März 2016 und des Frauen- und Gesundheitsministeriums vom 7. Juli 2016