Seit Sommer 2014 gibt es den SONNET Audioprozessor und seither haben sich auch einige frühere OPUS- oder RONDO-Nutzer von den Vorteilen des SONNET überzeugen lassen und sind umgestiegen. Auslöser für das Upgrade waren die verschiedenen neue Features des SONNET.

Auf den ersten Blick fällt die Farbenvielfalt des SONNET auf und die Möglichkeit, mit einem raschen Griff eine Farbvariation zu kreieren. Mit der neuen Bauform wurde aber auch Spritzwassersfestigkeit erreicht, die bei einem überraschenden Regenguss vor einer ungewollten Hörpause bewahrt. Jetzt habe er keine Angst mehr vor Regen, meint Dr. Max Wudy, der seit Anfang des Jahres beidseits den SONNET nutzt. Auch Frau Felkl schwärmt über die ungewohnten Tragegewohnheiten ihres Gatten mit dem neuen SONNET: „Wenn er Sport macht, lasst er´s drinnen!“ Wilhelm Felkl, der vor rund zehn Jahren implantiert wurde, hat schon mit verschiedenen Vorgängermodellen des Audioprozessors Erfahrung gesammelt, zuletzt mit dem OPUS 2. Seine Frau erklärt: „Beim Sport hat er´s früher immer raus gegeben“, denn da Herr Felkl stark schwitze, hätten die Prozessoren dann immer wieder Funktionsprobleme durch den eintretenden Schweiß gehabt. So sei er beim Sport aber leider immer gehörlos gewesen. Das sei mit dem neuen SONNET jetzt anders geworden.

Mancher Kunde ist vielleicht überrascht über die etwas größere Bauform. Diese ermöglicht nicht nur die erwähnte, verbesserte Abdichtung, sondern auch das zweite Mikrofon für die verschiedenen Möglichkeiten richtungsabhängiger Empfindlichkeiten bei der Schallaufnahme. Im Sprachjargon nennt man das eine optionale Richtcharakteristik. Es bedeutet, dass Schall aus einer Richtung gut aufgenommen und an den Nutzer weitergegeben wird, während Geräusche aus den anderen Richtungen auf Wunsch gedämpft werden können.

Der SONNET bietet die von den früheren Prozessoren gewohnte, richtungsunabhängige Aufnahme ebenso an, wie zwei verschiedene Richtcharakteristiken. Bei der „natürlichen“ Richtwirkung wird die richtungsabhängige Wirkung der Ohrmuschel nachgebildet. In Kombination mit dem Schallschatten, den der menschliche Kopf wirft, wird damit eine Richtungsempfindlichkeit vor allem für hohe Töne erreicht, die dem Empfinden Normalhörender sehr nahe kommt und zum Beispiel für Dr. Wudy eine der wichtigsten Optionen des SONNET darstellt. Er erinnert sich an einen etwas dumpfen ersten Klangeindruck: „Die tiefen Töne überwogen bei gleichzeitigem guten Sprachverständnis“. Auch Arnold Erdsiek aus Deutschland kann sich erinnern, dass der Tieftonbereich anfangs voller und tiefer geklungen hat als vom OPUS 2 gewohnt, aber „daran gewöhnst du dich, und das ist ja auch viel realistischer, naturgetreuer.“ Heute verwendet er diese Einstellung standardmäßig und schätzt sie besonders beim Hören von Musik. So berichtet er von seinen Musical-Besuchen: „Mit dem SONNET in der Einstellung natürliche Richtcharakteristik verstehe ich auch den Text.“ Und auch Dr. Wudy schätzt das etwas bessere Sprachverstehen in lauter Umgebung, auch wenn es „noch nicht ganz optimal“ ist.

Im April dieses Jahres präsentierte Prof. Dr. Dr. Martin Kompis aus der Schweiz die Ergebnisse einer Studie, die diesen Effekt in Zahlen ausdrücken soll. So konnte er signifikante Verbesserung im Sprachverstehen mit dem SONNET gegenüber der richtungsunabhängigen Funktionalität der OPUS 2- und RONDO-Prozessoren nachweisen. Auf ähnliche Ergebnisse kam auch Primar Dr. Thomas Keintzel in Wels bei der Untersuchung der „natürlichen“ Richtwirkung. Seine Testpersonen durften den SONNET auch probeweise im Alltag verwenden und waren damit so zufrieden, dass sie die Leihgeräte meist gar nicht zurückgeben wollten. Eine junge Frau erklärte, den SONNET gäbe sie jetzt nicht mehr her, weil mit seiner richtungsabhängigen Einstellung sei das Verstehen im Unialltag viel einfacher! „Wenn ich im Hörsaal sitze und aktiviere das Programm mit dem adaptiven Mikrofon, kann ich mich besser auf den Professor konzentrieren, da das Papiergeraschel hinter mir gedämpft wird. Nach der Vorlesung drücke ich wieder bei der Fernbedienung, um zu meinem alten Programm zurückzukehren“, erklärt die Studentin Hannah Kleiner. Und auch Arnold Erdsiek kann aus der Sicht eines Erwachsenen bestätigen: „Letztens bei einem Get-Together war es wirklich laut – selbst die gut gehört haben, mussten mit ihrem Ohr in meine Nähe kommen, um zu verstehen. Aber ich habe keine Probleme gehabt, im normalen Abstand gut zu verstehen.“ In so schwierigen Hörsituationen kann der „adaptiv-auto“ Modus des SONNET scheinbar deutlich unterstützen, auch wenn es, wie Dr. Wudy anmerkt, „immer noch nicht ganz optimal“ ist.

Ich habe bei einem Gitarrensolo bemerkt, dass da ein Aspekt dabei war, den ich vorher nie wahrgenommen habe.

Die Wienerin Hannah Kleiner ist heute begeisterte SONNET-Nutzerin. „Ich habe bei einem Gitarrensolo bemerkt, dass da ein Aspekt dabei war, den ich vorher nie wahrgenommen habe“, schwärmt sie und schildert ihre ersten Eindrücke: „Ich hörte die U-Bahn-Fahrgeräusche stärker als vorher – das ist mir am Tag der Anpassung sofort beim Nachhause fahren aufgefallen - aber Durchsagen sind mindestens genauso gut verständlich wie vorher“, und „ich habe bemerkt, dass ich Nebengeräusche höre, die ich vorher nicht wahrgenommen habe. Das war ein bisschen störend.“ Auch wenn der Unterschied zwischen dem SONNET und dem OPUS oder RONDO nicht so groß ist, wie er beim Upgrade vom Tempo+ auf Audioprozessoren mit Feinstrukturkodierung war, so muss man sich an die optional mögliche richtungsabhängige Schallaufnahme und das leicht veränderte Klangbild erst gewöhnen. Aber, wie Frl. Kleiner relativiert: „Ich habe mich sehr schnell daran gewöhnt: Zwei Wochen später war das völlig normal für mich.“

Auch wenn die Studentin die Vorteile des SONNET schätzt, ist sie mit dem Design nicht ganz glücklich, denn „Die SONNET-Kabel sind robuster, aber anscheinend auch länger“ und „das schaut nicht schön aus, wenn das Kabel in einem Bogen weg steht.“ Die Vielfalt der Kabellängen ist noch nicht so groß wie beim OPUS 2 und es gibt im Moment auch noch nicht so viele Trageoptionen, aber diesbezüglich darf man als Nutzer auf die nahe Zukunft hoffen.

Andere Kritikpunkte einiger sehr früher SONNET-Tester – unangenehme Störgeräusche in speziellen Hörsituationen und die Tatsache, dass die Windrauschunterdrückung nur bei Mikrofoneingang aktivierbar war – gehören bereits der Vergangenheit an. Die vermeintlichen Geräusche waren durch ein etwas zu hart eingestelltes Filterprogramm verursacht worden, doch das Problem ist mittlerweile ebenso behoben, wie nun in jedem Programm wahlweise Mikrofon, Induktionsspule oder beides als Eingangsquelle aktiviert werden können.

Hannah Kleiner ist insgesamt recht zufrieden: „Ich höre damit besser als mit dem OPUS 2“ und führt interessante Beispiele an: „Im Stiegenhaus ist der Hall nicht ganz so stark“ und „Wenn im Auto jemand von hinten etwas sagt, während ich vorne sitze, geht das besser als vorher.“ Anders als die junge Wienerin sieht Dr. Wudy in der flexiblen Kontaktmöglichkeit zu Zusatzgeräten einen ganz wesentlichen Vorteil: „Besseres Telefonieren ist möglich, und gute Anbindung an Bluetooth mit externem Gerät.“ Dabei wird auch diese Funktion in Zukunft noch weiter ausgebaut werden, wie MED-EL bereits bei Markteinführung angekündigt hat.

Doch Dr. Wudy hat auch noch ein paar allgemeine Tipps für CI-Nutzer: „Nicht verzweifeln, auch wenn’s manchmal gar nicht geht. Hören ist halt für CI-Träger Arbeit und hat nicht die Leichtigkeit des natürlichen Hörens.“ Mit seinen beidseitigen Cochleaimplantaten übt Dr. Wudy neben seinem Beruf als Mediziner auch eine anstrengende standespolitische Funktion aus, doch „es waren viele Experimente nötig, z. B. Bluetooth Anbindung der Stethoskope und mehrfacher Wechsel der Telefone“, um das zu erreichen.