Mit Begeisterung trage ich, Obstbäuerin und Mutter von 5 erwachsenen, wunderbaren Kindern, meine zwei CIs.

Ich habe 32 Jahre sehr gut gehört, hatte dann auf meinem rechten Ohr einen massiven Hörsturz, begleitet von komischen Geräuschen. Mein Gehör rechts war also plötzlich weg. Das machte mir zuerst nichts, ich hörte ja mit dem linken Ohr sehr gut und ging nicht zum Arzt. Damals hatte ich mein fünftes Kind auf dem Arm, drei Wochen alt, das vierte Kind war schwer krank und die drei großen Kinder gingen in die 1., 3. Und 5. Klasse des Gymnasiums. Meine Schwiegermutter hatte Krebs.

Das war alles ein bisschen viel für mich und bald merkte ich, dass auch mein linkes Ohr stufenweise nachließ, die Geräusche lauter und vielfältiger wurden – Tinnitus. In den folgenden 15 Jahren neben meinem intensiven Familienleben probierte ich so ziemlich alles aus: Infusionen, HNO-Klinik, Homöopathie, Akupunktur, Bioresonanz, all das hatte mir gut geholfen, damit leben zu können. Verzweifelt war ich nie.

Plötzlich hatte ich das Gefühl, das Leben mit mir wäre mühsam, dieses nicht Verstehen. Alles musste für mich aufgeschrieben werden, dazu die Angst vor fremden Menschen, ich zog mich immer mehr zurück, bis ich nach einer Gesundenuntersuchung bei Univ. Prof. Dr. Walch, CI-Chirurg, in Graz landete.

Von da an ging alles sehr schnell in eine neue, für mich lebensverändernde Richtung. Glauben konnte ich nicht, dass Prof. Walch mir helfen könnte, aber neugierig und hoffnungsvoll war ich, auch wollte ich wieder einmal etwas für mich tun. So implantierte mir Prof. Walch mein erstes CI erfolgreich, ein Jahr später mein zweites.

Mein erstes CI war wohl das Beste, was mir jemals passieren konnte! Von da an ging es rasant aufwärts mit meinem neuen Hören und Verstehen. Einfach unglaublich, ich werde wohl niemals vergessen, als ich das erste Mal meinen Namen rufen hörte, Geräusche in meiner Umgebung registrierte und die Stimmen meiner Enkelkinder hörte. Ich war den Tränen nahe und begann alles aufzuschreiben, unzählige wahre Geschichten. Am Anfang konnte ich meine neuen Höreindrücke oft nicht zuordnen. Meine Familie unterstützte mich aber großartig. Eifrig sagten sie mir täglich Wörter an, damit mein Verstehen besser wird. Am liebsten machte ich mein Hörtraining draußen in der Natur. Bei jeder Gelegenheit, eigentlich ständig, auch jetzt noch, streckte ich meine unsichtbaren Antennen aus, um Neues wahrzunehmen. Es machte mir unheimlich viel Spaß! Wunderbare Menschen durfte ich in der Klinik und im Gehörlosenzentrum in Graz kennenlernen, wo ich jederzeit willkommen bin. Egal, ob es dir gut oder schlecht geht. Ich fühle mich dort immer angenommen und gut aufgehoben, auch jetzt noch, nach fast zwei Jahren. Es tut so gut!

Der Stereoklang der Welt und des Lebens klingt mit zwei CIs schon viel besser, einfach großartig!

Bald wünschte ich mir, mit beiden Ohren hören zu können und dieser Wunsch wurde mir bestens erfüllt. Ein wirklich geduldiger und erfahrener Techniker betreut mich seit meiner ersten OP. Er hat meine beiden CIs schon unzählige Male nachgestellt und jedes Mal ist mein Hören besser, schöner, voller, angenehmer geworden. Danke! Der Stereoklang der Welt und des Lebens klingt mit zwei CIs schon viel besser, einfach großartig. Bei mir gehört das zweite CI einfach dazu. Mein Hören und Verstehen ist sicherlich besser geworden. Das räumliche Hören ist hergestellt, das Richtungshören ist wohl auch sehr wichtig.

Zum Jahreswechsel war ich in der Oper – ein wunderbares Erlebnis. Überhaupt liebe ich Musik, eher ruhige, entspannende Meditationsmusik, das klingt so schön, z.B.: das medizin-psychologische Musikprogramm von „energon“.

Zurzeit übe ich wie ein Weltmeister mit meiner neuen CD – 400 Wörter sind darauf gesprochen. Am Anfang, drei Wochen davor, konnte ich keine zehn Wörter verstehen, etwas über die Hälfte verstehe ich nun schon, es wird bestimmt noch viel besser.

Mit allen Menschen kann ich gut reden, vorausgesetzt, ich kann ihnen ins Gesicht schauen und sie sprechen etwas langsamer und deutlich. Leider sprechen viele Menschen schlampig, dann sage ich ihnen ganz einfach, wie ich es brauche. Ich bin eben ein Mensch mit besonderen Bedürfnissen.

Ohne meine CIs könnte ich nicht auf meine drei lebhaften Buben, meine Enkel, aufpassen. Brennendes Holz liebe ich besonders, das knistert so schön. Regen ist etwas ganz Besonderes – Nieselregen, Platzregen, große Regentropfen. Schwalben, Amseln, Meisen, Spatzen, Krähen. Ich kann sie voneinander unterscheiden! Ich liebe Grillen, die zirpen so schön, und die Frösche in unserem großen Teich – ihr Konzert ist wie Musik in meinen Ohren, da kann ich gar nicht genug davon bekommen vom Hören.

Mein ständiger Begleiter – Tinnitus – wird sich vielleicht noch einmal verabschieden oder etwas nachlassen, aber durch das Hören nehme ich ihn nicht mehr so wahr, überhaupt wenn ich mit etwas sehr beschäftigt bin. Das Telefonieren könnte noch besser werden, auch das Richtungshören. Ich weiß, das alles entwickelt sich noch und ich bin schon neugierig, was noch alles auf mich zukommt.

Vor Kurzem las ich ein Buch, eine wahre Geschichte von Fiona Bollag, „Das Mädchen, das aus der Stille kam“, Verlag Ehrenwirth. Diese junge Frau wurde 1983 taub geboren, doch erkannte das zunächst niemand, wie schwierig es war, Sprache zu erlernen und ihr langer, mühsamer Weg, bis sie endlich ihr erstes CI hatte. Mittlerweile hat sie zwei und es geht ihr gut. Dieses Buch empfehle ich gerne weiter, nicht nur CI-Trägern.