Die Ästhetik guten Hörens

Am AKH Linz - seit 1. Jänner Kepler Universitätsklinikum - treffen wir Frau Jessica Gruber zum Service- und Nachstelltermin. Sie erzählt uns von den vielen Zufällen, die sie zur Bonebridge führten, und von ihren Erfahrungen mit dem Hörsystem.

In Shorts und T-Shirt macht die 22 Jährige einen ungezwungenen und selbstsicheren Eindruck. Trotz sommerlicher Hitze trägt sie ihr asymmetrisch frisiertes Haar offen, rechts fällt es weit über die Wange. Rechts ist ihre Problemseite, denn am rechten Ohr hört sie von Geburt an sehr wenig – nur 20 Prozent, aber das bisschen „das merkst du nicht“, erklärt sie offen. Grund dafür ist eine Dysplasie des äußeren Ohrs, eine Fehlbildung, die hier sowohl den Ohrkanal betrifft, der nicht angelegt ist, wie auch die Ohrmuschel, die im Vergleich zur linken Ohrmuschel ungewöhnlich kleiner ist. Das Innenohr aber ist beidseits vollständig und voll funktionsfähig.

Da Frau Gruber links normal hört, war sie sich im Alltag nennenswerter Hörprobleme nicht bewusst. Nur „in der Disco, wenn wer rechts geredet hat, das hat schon gestört“, weil es rechts eben nicht zu verstehen war. Im Beruf entstanden dann Situationen, in denen das fehlende Hören rechts manchmal etwas probematisch wurde. Zum Beispiel, wenn eine Kollegin mit ihrer Kundschaft in der Kabine links von ihr laut spricht, hört sie nur noch das Gespräch der beiden. „Ich kann mich dann total schwer auf meine Kundschaft konzentrieren“. Aber diese Probleme waren mit etwas Rücksichtnahme bewältigbar.

Dass sie nach der Schule den Beruf der Kosmetikerin erlernt hatte, war eigentlich Zufall – aber „es passt genau“, denn Frau Gruber hat offenbar einen ausgeprägten Sinn für Ästhetik. Ihr Sinn für Ästhetik war es auch, der sie eines Tages ans AKH Linz führte: Die Fehlbildung der Ohrmuschel hatte sie immer schon gestört, und als sie – wieder durch Zufall - von einer angehenden Ärztin im Gespräch erfuhr, dass man „so etwas“ operieren kann, vereinbarte sie einen Termin an der Klinik. „Mir ist es, wenn ich ehrlich bin, eigentlich immer nur ums Optische gegangen.“ Der beratende Oberarzt Dr. Georg Deschka hat dann angeboten, dass man mit Hilfe eines Hörimplantats auch „das mit dem Hören richten kann.“ Ihre erste Reaktion beschreibt sie im Nachhinein: „Da war ich einmal ziemlich überwältigt.“ Nach kurzer Überlegung entschied sich Frau Gruber für die Implantation einer Bonebridge von MED-EL.

Zu Hause waren von der Entscheidung zur Implantation alle begeistert und Frau Gruber erfuhr volle Unterstützung. „Nur die Mama, die macht sich immer Sorgen“, zumal es sich bei einer Implantation ja um einen operativen Eingriff handelt, der wie jede Operation auch mit gewissen Risiken verbunden ist. Und auch der Arbeitgeber war naturgemäß wenig begeistert, da ein längerer Krankenstand und etliche Termine zur Nachbehandlung zu befürchten waren. Doch zum Glück verliefen Behandlung und Wundheilung komplikationslos. „Die Operation war ja wirklich ein Klacks“, hatte sie den Eindruck. Die frisch gebackene Implantat-Nutzerin konnte in Rekordzeit die stationäre Betreuung verlassen und stand schon zwei Wochen nach dem Eingriff wieder im Beruf.

Frau Gruber betont immer wieder, dass ursprüglich bei ihr das optische Erscheinungsbild im Vordergrund stand, denn „das hab´ ich ja nicht gewust, dass das geht, dass ich hören kann.“ Entsprechend hielten sich auch ihre Erwartungen an das Hörimplantat in Grenzen. Umso größer war dann die Freude über den Erfolg, vorwiegend „dass ich Musik noch lauter hören kann“, erzählt sie lachend. „Ich bin recht musikalisch.“ Besonders Musik hören spielt für die junge Frau eine wichtige Rolle. Als sie nach der Erstanpassung des Prozessors heim kam, „bin ich in mein Wohnzimmer, hab´ die Musik voll aufgedreht und hab´ dann ein wenig abgeshaked.“ Bei der Erinnerung stahlt sie: „Das hat mir voll ´taugt, das ist voll super, voll cool!“

Vordergrund.“ Das hat sich rasch gelegt, andere Hörempfindungen brauchen noch: „eine schrille Stimme, die recht laut ist, das tut mir weh in den Ohren.“ Weitere Nachjustierungen werden die Gewöhnung erleichtern. So wie auch das Tragegefühl etwas Gewöhnung bedurfte. Genau dort, wo der Magnet auf der Haut sitzt, war das anfangs mehr als nur ein eigenartiges Gefühl. „Ich hab´ schnell Kopfweh gehabt“, erinnert sich Frau Gruber an die erste Zeit. Aber auch das ist geschafft: „Auch mit Sonnenbrillen, jetzt stört´s überhaupt nicht mehr.“

Gerade eben hat Frau Gruber auch eine kleine Aufregung mit ihrem System erlebt. Letztens nahm sie den Prozessor vor dem Ausgehen ab und legte ihn zu Hause auf ein Kästchen „weil in der Disco nehm´ ich´s nicht mit.“ Vermutlich die Katzen haben ihn dann zu Boden geschmissen. Als Frau Gruber ihn später dort fand, „hab´ ich geglaubt, dass er kaputt ist.“ Deswegen kam sie auch zum Service-Termin – aber zum Glück war nur der Batteriefachdeckel verschoben und die ‚Reparatur‘ mit einem Handgriff erledigt. Jetzt kann sie mit ihrem System wieder Musik in vollen Zügen genießen.

Mittlerweile kennt sie aber auch andere Vorteile des beidseitigen Hörens: „Was noch gut ist, ist die Akustik vom Raum, die Orientierung.“ Wenn früher jemand gesprochen hat, hat sie sich schwer getan festzustellen, aus welcher Richtung gesprochen wird. „Jetzt weiß ich natürlich genau, wer das ist.“

Insgesamt ist sie froh, sich zur Bonebridge entschlossen zu haben und würde diese auch uneingeschränkt weiterempfehlen. Für sie selbst ist jetzt aber die plastische Operation im Gespräch, um mit einer Korrektur der Ohrmuschel auch die Optik ihrem Wunsch gemäß zu verbessern. Wir wünschen ihr für diese letzte Maßnahme viel Erfolg.