Mit Hörimplantat im Krankenhaus

Nutzer von Hörimplantaten, denen ein Krankenhausaufenthalt bevorsteht, sollten bei dessen Planung einige Extrapunkte berücksichtigen. Patienten mit Hörverlust haben besondere Bedürfnisse, auf die das Pflegepersonal oft nicht eingestellt ist. Daher ist es wichtig, diese speziellen Anforderungen mitzuteilen.

Hörverlust ist unsichtbar

Es ist ratsam, bereits bei den Vorbereitungsgesprächen mit den behandelnden Ärzten auf das Hörimplantat hinzuweisen. Vielen Menschen ist nämlich nicht bewusst, dass CI-Nutzer fast völlig gehörlos sind und ohne ihren Audioprozessor wenig bis gar nichts verstehen. Da Sie im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts mit verschiedenen Abteilungen zu tun haben werden, sollten Sie sich vergewissern, dass diese Stellen über Ihren Hörverlust informiert sind. Leider funktioniert aufgrund des organisatorischen Ablaufs im Klinikalltag – z.B. Dienstwechsel, Nachtdienste – die mündliche Informationsweitergabe nicht immer, und die Missverständnisse nehmen ihren Lauf – denn Hörverlust ist unsichtbar. Bitten Sie daher das Personal gleich bei der Aufnahme, vorne auf die Krankenakte einen deutlichen Hinweis zu schreiben, dass Sie hörbeeinträchtigt sind. Als Service bietet MED-EL auch einen Aufkleber an, den Sie über Ihre MED-EL Niederlassung kostenfrei beziehen können.

Guten Morgen!

Sofern Sie als Patient aufgrund Ihres Gesundheitszustands selbst nicht in der Lage sind, den Audioprozessor anzulegen, bitten Sie das Pflegepersonal, Ihnen dabei zu helfen. Wichtig ist der Hinweis, dass das Pflegepersonal den Prozessor während des Duschens abnimmt.

Untersuchungen

Sind Untersuchungen und Vorgespräche notwendig, teilen Sie bei der Anmeldung unbedingt mit, dass Sie hörbeeinträchtigt sind. Bitten Sie auch um persönliche Abholung. Oft sind die Lautsprecherdurchsagen in den Wartebereichen schwer verständlich, selbst für Personen mit gesundem Gehör. Erinnern Sie den Arzt auch bei der Untersuchung daran, dass Sie ihn nur verstehen, wenn Sie den Audioprozessor tragen. Sollte ein MR oder CT gemacht werden müssen, empfehlen wir, dazu Ihre Patient ID Card und nach Möglichkeit auch das Benutzerhandbuch Ihres Prozessors mitzunehmen. Aus diesen Unterlagen ist für das medizinische Personal klar ersichtlich, welche Vorsichtsmaßnahmen es für die jeweilige Untersuchung treffen muss.

Operationen

Ist während des Krankenhausaufenthalts eine Operation geplant, besprechen Sie nach Möglichkeit mit dem OP-Personal, was währenddessen mit dem Audioprozessor passiert. Im Idealfall legen Sie den Prozessor erst wenige Momente vor der Narkose ab und stellen sicher, dass er während der Operation sicher verwahrt bleibt. Das bedeutet: in einem beschrifteten Etui. Der Prozessor sollte nicht ungeschützt herumliegen, da im Krankenhaus viele Gegenstände aus Metall bestehen, die den magnetischen Teil des Prozessors unbemerkt anziehen können. Das erste, was Sie nach dem Erwachen aus der Narkose im Aufwachraum wieder bekommen sollten, ist der Prozessor. Erinnern Sie gegebenenfalls das Pflegepersonal, dass Sie ohne ihn wenig bis nichts hören.

Sicher ist sicher

Die Herausforderung, den Audioprozessor nicht zu verlieren, besteht während des gesamten Krankenhausaufenthalts. Sie verbringen zwangsweise mehr Zeit im Krankenhausbett, das aus Metall ist und daher auf den Prozessor äußerst anziehend wirkt. Sorgen Sie vor, falls Sie einschlafen. Eine mögliche Lösung für Nutzer einteiliger Audioprozessoren (Rondo, Samba, Amadé) ist das Sports Headband. Die speziell eingenähten Innentaschen dieses Sportstirnbands halten den Audioprozessor in der richtigen Position, und verhindern, dass der Prozessor verrutscht und abhanden kommt . Sie können das Sports Headband online über http://www.medel.com/de/sports-headband/ oder über Ihre MED-EL Niederlassung beziehen.

Vor allem während des Aufbettens sollte der Prozessor sicher aufbewahrt sein. Ein Prozessor im Bett kann durch das Aufschütteln der Decke in hohem Bogen auf den Boden fallen und beschädigt werden. Apropos Aufbewahrung: ein Taschentuch oder eine Serviette gelten in keinem Fall als sichere Aufbewahrungsorte. Zahllose Hörgeräte landeten dadurch schon unfreiwillig im Müll. Am besten verwahren Sie den Prozessor, wenn Sie ihn nicht tragen, in der Nachttischschublade in einem Etui oder im Trockenkit auf. So kann er auch nicht versehentlich zu Boden fallen. Für die klassischen Hinter-dem-Ohr Audioprozessoren bietet MED-EL das sogenannte „Support Kit“ an, ein handliches Täschchen, in dem man den Audioprozessor sowie Ersatzteile (Kabel, Abdeckung, Batterieteile, etc.) sicher verwahren kann. Sie können das „Support Kit“ Täschchen bei Ihrer MED-EL Niederlassung bestellen. Unabhängig vom Krankenhausaufenthalt empfehlen wir, den Prozessor gegen Beschädigung und Verlust versichern zu lassen.

Immer gut hören

Batterien in ausreichender Stückzahl gehören bei einem geplanten Krankenhausaufenthalt so selbstverständlich ins Gepäck wie die Zahnbürste. Sogar noch mehr, denn eine neue Zahnbürste ist in jedem Spital vorrätig, wohingegen Hörgerätebatterien leider oft nur schwer zu beschaffen sind. Wenn Sie vermuten, dass Sie nach einer Operation die Batterien aus gesundheitlichen Gründen nicht selbst tauschen können, zeigen Sie dem Pflegepersonal noch vor dem Eingriff, wie dies funktioniert. Auch in diesem Fall empfiehlt es sich, das Benutzerhandbuch Ihres Prozessors griffbereit zu haben, damit die Pflegenden nachlesen können.

Kommunikation ist lebenswichtig

Zwischen Patient und medizinischem Personal muss eine eindeutige Kommunikation unbedingt gewährleistet sein, damit es nicht zu Missverständnissen und negativen Folgen für Ihre Gesundheit kommt. Teilen Sie daher mit den Ärzten, Schwestern und Pflegern die folgenden Ratschläge für eine gute Kommunikation mit hörbeeinträchtigten Personen:

• Immer ansehen und von vorne sprechen
• Mundbild – das Absehen vom Mund erleichtert das Verstehen. Dazu zählt auch, dass der Mund nicht verdeckt ist (durch Hände, Bettdecke, o.ä.), dass während des Redens nicht gekaut wird und dass das Gesicht auch nachts ausreichend beleuchtet wird.
• Sich Zeit nehmen – beim Sprechen mit dem Patienten keine anderen Tätigkeiten verrichten (z.B. aufbetten). Erstens ist das Mundbild besser sichtbar, zweitens entstehen keine Nebengeräusche.
• Hintergrundlärm und Nebengeräusche minimieren – während des Gesprächs Radio oder Fernseher leise stellen bzw. abschalten.
• Deutlich sprechen – nicht zu schnell, nicht zu laut, nicht übertrieben artikulieren
• Nicht schreien – Schreien vermittelt Aggressivität und ruft Verunsicherung hervor. Außerdem wird das Gesagte dadurch verzerrt und noch schwerer verständlich. Stattdessen: umformulieren!
• Sicherstellen, dass alles richtig verstanden wurde - vor allem bei kritischen Themen hilft es, den Patienten kurz wiederholen zu lassen, was besprochen wurde. So können Missverständnisse ausgeschlossen werden.
• Notlösung: Schreiben - wenn eine eindeutige lautsprachliche Kommunikation nicht sichergestellt ist, empfiehlt es sich, die wichtigsten Punkte aufzuschreiben, um Missverständnissen vorzubeugen.

Wenn alle Gesprächspartner diese Tipps beherzigen, steht einer reibungslosen Kommunikation nichts mehr im Wege.

MED-EL Pflegeflyer

MED-EL hat für Pflegepersonal, das selten Patienten mit Hörbeeinträchtigungen auf der Station betreut, einen Flyer erstellt. Dieser enthält die wichtigsten Tipps, die es bei Patienten mit Hörimplantat zu beachten gilt. Selbstverständlich kann der „Pflegeflyer“ auch für alle anderen Arten von Hörhilfe eingesetzt werden, denn egal ob Hörgerät oder Hörimplantat: die Kommunikation zwischen Arzt, Pflegepersonal und dem hörbeeinträchtigten Patienten ist immer wichtig!

Wenn Sie den „Pflegeflyer“, der alle diese Informationen übersichtlich aufgelistet hat, zu Ihrem Krankenhausaufenthalt mitbringen wollen, kontaktieren Sie bitte Ihre MED-EL Niederlassung. Sie sendet Ihnen gerne gedruckte Exemplare oder ein Pdf zu.