Trip zum größten Inselstaat der Welt

Die für diese Reise ausschlaggebende Mail erhielt ich im August, als ich im Walsertal unterwegs war und mir überlegte, vielleicht im September oder Oktober wieder für einige Tage herzukommen, aber stattdessen war ich dann von Mitte September bis Mitte November in Indonesien.

Lucia, eine Australierin, die mit einem Katalanen verheiratet ist, teilte mir mit, dass sie im September drei Wochen Ferien hätten und nach Bali möchten und es total nett wäre, wenn wir uns treffen könnten. Ich habe ganz kurz überlegt und so wie zu einem Treff ins nächste Kaffeehaus zugesagt.

Mein Mann und ich haben Lucia und Familie vor zehn Jahren in Bali kennengelernt, sie waren damals ein Jahr lang unterwegs mit ihren beiden Vorschulkindern, später haben wir uns noch einmal in Barcelona getroffen, sie lebten damals in Sitges. Mittlerweile hat die Wirtschaftskrise sie nach Australien verschlagen. Toni arbeitet zurzeit vier Monate für eine schottische Firma und organisiert auf der ganzen Welt Radreisen für Extremsportler. Die Kinder sind mittlerweile nette Teenager.

Ich besorgte also ein Visum für zwei Monate, denn ein Visa on arrival gilt nur für vier Wochen, ich wollte aber länger bleiben. Kurz vor meiner Abreise fragten sie noch, ob sie für mich ein Ticket nach Flores mitbuchen sollten, sie waren noch nie dort und wir hätten angeblich damals so davon geschwärmt, was sicher gestimmt hat. Mein Mann und ich waren mindestens sechs Mal in Flores, aber fast immer in Verbindung mit anderen Inseln.

Die ersten Tage in Bali verbrachte ich in Sanur und danach traf ich sie in Jimbaran, im Süden Balis, ein beliebtes Surferparadies. Das Wiedersehen war sehr schön mit Lucia, Toni und den Kindern Tashi und Alex, außerdem Enia, ihrer 18-jährigen Nichte aus Barcelona.

Dann der Flug von Denpasar nach Ende in Westflores mit schöner Sicht auf den Vulkan Rinjani. Bei allen Flügen hatte ich beim Securitycheck immer grünes Licht, mit eingeschaltetem CI Prozessor, ersparte mir also die unangenehme Abklopferei, Schuhe ausziehen und gleichzeitig das Gepäck beobachten.

In Ende wartete ein Fahrer mit Mietauto auf uns, das hatte Toni organisiert, alle anderen Unterkünfte und Strecken suchten wir kurzfristig vor Ort aus. Am Abend waren wir in Moni und am nächsten Morgen erlebten wir den Sonnenaufgang bei den Vulkanseen Kelimutu, dort war ich mit meinem Mann Peter vor 15 Jahren, er ist leider vor vier Jahren gestorben, mit ihm war ich viel und oft und auch lange unterwegs. Damals waren viel weniger Leute auf Reisen und vermutlich war der Eintritt in den Nationalpark auch billiger. Aber der Sonnenaufgang war genauso schön wie diesmal.

In der Umgebung von Moni waren wir zuerst in Nggela, hier werden besonders schöne Ikats gewebt und es gibt noch viele Rumah Adat, das sind traditionelle Häuser, das Haus in Ranggase war sehr beeindruckend. Offiziell sind die Bewohner Christen, hauptsächlich Katholiken, aber ihr Brauchtum ist Animalismus.

Wir waren gemeinsam 12 Tage unterwegs, neu für mich war der Riung Nationalpark, oben im Norden auf kaum vorhandener Straße zu erreichen. Trauminseln mit weißem Sand und auf einer Insel eine dichtbesiedelte Flughundekolonie. Wir waren mit einem Nationalparkführer mit Boot bei vier verschiedenen Inseln und jeweils schnorcheln, einmal war ich sehr lange allein mit dem Guide schnorcheln, das Wasser war relativ seicht, aber ein sehr schönes Riff, ich wunderte mich, warum er mit einem langen Stock schnorchelte, der Grund war, er hatte immer wieder Krämpfe im Bein, hatte sich dann auf seinen Stock gestützt und das Bein immer wieder bewegt, außerdem hatte er eine Wunde auf der Wange, ein armer Kerl, da gibt es keinen Krankenstand.

Um Bajawa sind Manggarari Dörfer, sehr beeindruckend und sauber, alles hat seine Ordnung. Eines war bei dieser Reise sehr auffällig, in den Dörfern oder auch auf der Straße sind immer wieder Leute zu mir gekommen und haben mich berührt, dabei hatten wir doch die hübschen Teenies dabei, die haben dann über mich gelacht. Ich wurde überhaupt überall mit Ehrfurcht behandelt, das war manchmal direkt peinlich und ich kam mir uralt vor. Unsere Quartiere waren meist sehr einfach und Lucia  und Toni hörten manchmal die Ratten im Dachstuhl, für mich war das kein Problem, Geräte ausgeschaltet und es war ruhig, manchmal muss man auch die Vorteile nützen. In der Früh haben sie mich dann immer gefragt, "Lilo, are you online?".

In Ruteng wohnten wir in einem Hotel mit angegliederter katholischer Schule, die Schüler haben dort die Möglichkeit, eine Ausbildung für das Gastgewerbe, Pharmazie oder Krankenpflege zu absolvieren. Wir wurden eingeladen, eine Unterrichtsstunde in Englisch zu halten, ich durfte vorher die Schulglocke läuten, man lernt nie aus. Es war jedenfalls eine sehr lustige Stunde, die Englischlehrerin hatte einen starken Akzent und in solchen Situationen ist es schwierig zu verstehen. Was die Verständigung anbelangt, habe ich keine Probleme, wenn die Leute deutlich sprechen, aber mit Akzent und fehlenden Konsonanten wird es schwierig. Ich musste dann hartnäckig nachfragen und um Wiederholung bitten. Ich kann auch etwas Bahasa-Indonesia, das hat wirklich viel gebracht, denn mit einem kleinen Wortschatz, mehr haben die Einheimischen oft auch nicht, kann man überall durchkommen und lustig ist so eine Unterhaltung außerdem.

Bahasa-Indonesia ist die Staatssprache, Beamte und Schüler sprechen das, aber es gibt viele Menschen, die nie eine Schule besucht haben, in Indonesien gibt es ungefähr 250 Sprachen, damit sind keine Dialekte gemeint. Interessant waren auch die Ausgrabungen von Liang Buang, hier hat man 2003 die ersten Fossilien des Homos florensiensis entdeckt, wirklich eine Sensation. In Westflores sieht man sich die Inseln Rinca oder Komodo mit den Komodowaranen an und schöne Tauchplätze gibt es auch, das hat dazu geführt, dass in Labuan Bajo viele Tauchresorts eröffnet wurden und so ein starker Konkurrenzkampf besteht. Zwischen die alten Häuser wurden neue Häuser reingequetscht, kein schöner Ort.

Von Labuan Bajo flogen wir noch gemeinsam nach Bali und nahmen Abschied voneinander, das Angebot, noch kurz nach Australien mitzukommen, habe ich dankend abgelehnt. Ich wollte noch einige Tage nach Ubud, ein Kulturzentrum mit Museen, Malern, Tanz usw. Meine Enttäuschung war groß, als ich durch die Reisfelder ging, aus Gier hat man hier noch mehr große Hotels gebaut und die Landschaft wird immer mehr zerstört, vor zwei Jahren war ich zuletzt hier. Früher konnte man hier noch Rad fahren, das ist jetzt völlig unmöglich, der Verkehr hat in den letzten Jahren rasant zugenommen und fast jeder besitzt ein Moped.

Nach Ubud flog ich nochmals nach Flores, diesmal nach Maumere in den Osten zu meinen Freunden in das Tauchresort Ankermi, hier waren wir 2001 zum ersten Mal, als da noch ganz einfache Hütten standen. Claudia und Ardjuna leben während der Schulzeit in Bali, Ardjuna besucht dort die internationale Schule, Kermi leitet inzwischen Ankermi, das ein kleines Paradies ist. Es waren Ferien in Bali und hauptsächlich Schweizer Taucher (Bekannte von Claudia und Kermi) und ein Vorarlberger anwesend, alle wesentlich jünger als ich, aber sehr nett und lustig war es auch.

Abends gab es immer gemeinsames Essen und die Unterhaltung drehte sich natürlich sehr oft um die Tauchgänge, wir waren etwa zwölf Personen und da ich in dem Durcheinander nur sehr schwer alles verstehen konnte, mich aber doch in das Gespräch einbringen wollte, habe ich unabsichtlich zur Erheiterung beigetragen, ich verstand Octopus und dachte, ah, da kann ich auch etwas dazu sagen und erzählte, wie ich ganz knapp über einen Octopus geschnorchelt bin und der auf mich wie ein Monster wirkte, alle haben gelacht, ohne mir den Grund zu nennen, später fand ich heraus, sie sprachen über einen Octopushalter, ein Tauchzubehör, und ich über einen echten Octopus, das sind Begebenheiten, die eben immer passieren, aber damit muss man leben und auch über sich selber lachen können.

Mit Claudia und Ardjuna flog ich dann gemeinsam nach Bali und weiter an die Ostküste in das Fischerdorf Lipah, dort gibt es ein wunderschönes intaktes Riff, einmal sah ich dort sogar einen Mantarochen, ein tolles Erlebnis. Unter Wasser fotografierte ich auch, ich war schon immer eine leidenschaftliche Fotografin, wenn ich meine Kamera dabei habe, ist es wie nicht allein unterwegs zu sein. Manchmal habe ich in der Vergangenheit auch Fotos verkauft, jetzt in der Digitalzeit sind aber alle mit Fotos überhäuft. Ich verstehe ja, alles ist dadurch viel einfacher geworden und meine 6x6 Fotos muss ich mühsam scannen, wenn ich davon etwas benötige.

Manchmal hatte ich schon ein mulmiges Gefühl, wenn ich da weit draußen allein schnorchelte, aber wenn keine Jellyfishes unterwegs waren, war es wundervoll. In der Zeit war Vollmond und das Meer zeigte sich nicht immer von der besten Seite. Die Menschen dort sind sehr nett und freundlich, auch das Personal und ich wurden mehrmals zu Fischerfamilien und auch zu den Angestellten nach Hause eingeladen. Die Leute verdienen sehr wenig und leben dementsprechend einfach. Die Arbeit ist dafür gemütlich, lässt also keinen Stress aufkommen.

In der Nacht hatte sich eine Ratte in mein Zimmer eingeschlichen und aus der Medikamententasche die Parkemed-Tabletten geknackt und angefressen, vielleicht hatte sie Schmerzen, wie kann man sonst so etwas freiwillig stehlen? Da wurde sofort eine Rattenfalle aufgestellt, aber das wollte ich nicht so richtig und verschanzte mich unter dem Moskitonetz. Ratten gibt es in Bali überall, sie kommen durch schmale Türöffnungen, die ja meist schon allein durch die hohe Luftfeuchtigkeit entstehen, auch im besten Restaurant machen sie es sich gemütlich.
Nach über zwei Wochen in Lipah fuhr ich zurück nach Denpasar, um noch Einkäufe zu machen und bei Claudia und Ardjuna den Tag vor meinem Abflug zu verbringen, aber der Vulkan Rinjani machte mir da einen Strich durch die Rechnung. Claudia erzählte mir vom Vulkanausbruch und der Flughafen sei gesperrt, so etwas kann vorkommen. Am Flughafen bildeten sich Menschenmassen und die Leute erzählten mir dann, sie stünden schon sieben Stunden da. Zum Glück hatte ich Claudia, dort konnte ich abwarten, sie las die Neuigkeiten immer vom Smartphone. Wir fuhren sogar noch einmal einen Tag nach Osten zum Wasserpalast Ujung.

Mein gebuchter Flug mit Emirates hätte nur einen Zwischenstopp gehabt, aber Direktlüge nach Dubai waren in den nächsten zwei Wochen nicht möglich. Strecken von Singapur hingegen schon, aber die Strecke war hoffnungslos ausgebucht, das war der Stand nach drei Tagen. Ich stand also auch in der Warteschlange am Flughafen und meine Optionen waren entweder zu warten oder mit einem Inlandflug nach Jakarta und von dort weiter, aber es sei alles ausgebucht. Hier musste ich unbedingt bei der Information darauf hinweisen, dass ich nicht alle Lautsprecherdurchsagen verstehen konnte, schon gar nicht in diesem Riesengetümmel, daraufhin war eine Flughafenangestellte so nett und behilflich, den Flug für mich als alleinstehende Reisende zu organisieren. Ich bekam einen Hotelgutschein für Jakarta, später auch für Dubai, hatte aber immer das Glück doch noch mitzukommen, über 35 Stunden war ich unterwegs, aber das war nicht so schlimm, sowohl die Angestellten am Flughafen als auch andere Leute, die wie ich warteten, waren sehr nett zu mir und so ein Gefühl entschädigt die Unbequemlichkeiten. Als ich nach sechs Stunden Warterei vor dem Emirates Schalter nach dem Check in aufgerufen und doch noch mitgenommen wurde, gab es sogar Applaus von den anderen Wartenden, das waren hauptsächlich kleine Gruppen, und die Schalterangestellten.

In Wien hatte ich zwar den schönen Herbst versäumt, aber alles kann man nicht haben. Es wird wieder ein schöner Herbst kommen und ich werde dann den Winter für eine neue Reise aussuchen.