Stationär oder ambulant

Nach der Operation beginnt für den CI-Nutzer eine Zeit des „neuen“ Hörens. Die Nachsorge, die aus medizinischer Sicht zur Cochleaimplantation dazugehört, unterstützt die Optimierung des Cochleaimplantats, damit im Laufe des Hör-Lern-Prozesses im Alltag ein gutes Sprachverstehen erreicht werden kann.

Die Klinik, in der die CI-Operation durchgeführt wurde, ist zunächst auch für Kontrollen des Implantats, des Sprachprozessors und des Hörvermögens zuständig.
Die logopädische Nachsorge dabei kann ab der ersten technischen Einstellungen des Sprachprozessors beginnen. Es gibt keinen ‚besten‘ Zeitpunkt für eine CI-Rehabilitation nach der Implantation. Als häufig gewählter Zeitpunkt hat sich die Phase einige Monate nach der ersten Aktivierung des Sprachprozessors bewährt. Das ambulante, teilstationäre oder stationäre ‚Hörtraining‘ hilft dem erwachsenen CI-Träger, das Hören neu zu erlernen und somit einen optimalen Nutzen für das Sprachverstehen mit dem CI zu erlangen.

Das ambulante Hörtraining erfolgt in einer ortsnahen logopädischen Praxis mit CI-Erfahrung. Die implantierende Klinik stellt dazu eine ‚ärztliche Heilmittelverordnung‘ aus, mit der/die LogopädIn mit der deutschen Krankenkasse direkt abrechnen kann. Bis zu drei Mal zehn Übungseinheiten zu je 45-60 Minuten Hörtraining, meist einmal wöchentlich, sind die Regel. Diese Reha-Maßnahme ist für alle CI-Träger geeignet, die diese Übungseinheiten neben ihrem Alltag mit Beruf und Familie einplanen können.

Eine stationäre Rehabilitation bedeutet einen drei bis fünf Wochen dauernden Aufenthalt an einer CI-Reha-Klinik. Sie ist für CI-Träger geeignet, die ein regelmäßiges Hörtraining mit Familie und Beruf nicht vereinbaren können. Aber auch, wer für ein Hörtraining ‚Abstand‘ vom Alltag und dessen Anforderungen braucht, ist mit einer solchen Wahl gut beraten. Von vielen CI-Trägern wird der Vorteil einer stationären Reha-Maßnahme auch in dem intensiven Austausch mit anderen CI-Trägern gesehen. Eine längerfristige Begleitung kann eine stationäre Reha naturgemäß aber nicht bieten.

Die teilstationäre Reha-Maßnahme beinhaltet kurze stationäre Blöcke von jeweils ein bis zwei Tage über einen Zeitraum von etwa 2 Jahren aufgeteilt in speziellen CI-Reha-Zentren. Dadurch werden die Vorteile der stationären Reha mit einer längerfristigen Begleitung kombiniert. Manche CI-Träger empfinden diese Reha allerdings neben ihrem Alltag als zu belastend.

Entsprechend der Deutschen Gesellschaft für Hals- Nasen- Ohrenheilkunde e.V. stellt die Rehabilitation nach erfolgter uni- oder bilateraler Implantation von Cochleaimplantaten einen unverzichtbareren Bestandteil der CI-Versorgung dar. Daher haben Erwachsene CI-Patienten ein Recht auf Rehabilitation. Für die teilstationäre und stationäre Reha-Maßnahme ist in Deutschland trotzdem eine vorherige Genehmigung für die Kostenübernahme durch die für den CI-Träger zuständige Krankenkasse oder Rentenversicherung zu beantragen. Bei Kindern müssen die Eltern vor einer Implantation sogar zustimmen, postoperativ eine ambulante oder teilstationäre Rehabilitation in Anspruch zu nehmen und zu begleiten.

Meine langjährige Tätigkeit als Audiotherapeutin in Bad Grönenbach war und ist eingebunden in ein drei- bis fünfwöchiges Gesamtkonzept. Spezifische Inhalte der CI-Reha in Bad Grönenbach sind neben Hörübungen im Einzel- und Gruppentraining auch das Erlernen von Strategien zur Hörtaktik, technische Beratung für die Nutzung von Zusatztechnik, Beratung durch Vertreter von CI-Selbsthilfegruppen und im Bedarfsfall sogar die Nachjustierung der Prozessor-Einstellung durch eine(n) TechnikerIn des jeweiligen Systemherstellers.

Bei den Hörübungen wird von leicht nach schwer vorgegangen. Dabei wird berücksichtigt, wann der CI-Nutzer hochgradig schwerhörig oder gehörlos wurde, vor oder nach dem Spracherwerb und wie lange demnach seine Ertaubung besteht.
Die Lernstufen des Hörtrainings können mit der Wahrnehmen und Unterscheiden von Geräuschen und Tönen, von Anzahl, Lautstärke und Länge von Tönen beginnen und bis zum Telefonieren, Richtungshören und Musikhören gehen.
Auch der Einsatz von Zusatztechnik und der Umgang damit können geübt werden.

An das neue Hören mit dem CI gewöhnt sich das Hörzentrum im Gehirn nur durch stetiges Üben, das auch nach einer solchen stationären Maßnahme nicht abgeschlossen ist. Den CI-Trägern empfehle ich daher als „vierte“ Reha-Maßnahme das tägliche Üben zu Hause. Das kann im Gespräch mit der Familie geschehen, mit dem Anhören von Nachrichten in Radio und Fernsehen, mit dem Hören und Lesen von möglichst textgetreuen Hörbüchern oder mit Hörtrainings-CDs, wie sie unter anderen auch von den CI-Herstellern angeboten werden.

Diese Reha-Maßnahmen nach einer CI-Versorgung lassen ein gelingendes Hörtraining erwarten, wenn Höraufmerksamkeit und Hörinteresse vorliegen, die eigenen Erwartungen in Bezug auf das Erreichen von Hörzielen überprüft werden, vom „Absehen“ zum „Hören“ umorientiert wird und die CI-Träger soziale Unterstützung im Familien- und Freundeskreis erfahren.

Als ÖsterreicherIn in deutscher Reha-Klinik
Immer wieder finden auch österreichische CI-Nutzer den Weg in die stationäre Reha in Deutschland – eine eventuelle Kostenübernahme durch die Krankenkasse ist mit einer entsprechenden Verordnung vorab zu beantragen.

Martina Pauer schrieb 2010 in der Gehört.Gelesen über ihren Aufenthalt in der ‚Klinik am Stiftsberg‘: „Diese Reha hat mir viele neue Erkenntnisse im Umgang mit dem CI gebracht. Wertvolle Tipps von Trainern aber auch von CI Kollegen stellen eine große Bereicherung dar. Ob ich nun ‚besser verstehe‘ lässt sich nicht so leicht beantworten. Ich denke, es war in so kurzer Zeit auch schwer möglich, hier eine signifikante Steigerung zu erzielen, denn es verlangt vor allem Geduld, Ausdauer und ständiges Üben über einen langen Zeitraum, um entscheidende Verbesserungen zu erzielen. Ich von meiner Seite sehe die Reha in Bad Grönenbach in jedem Fall als Gewinn und kann sie nur wärmstens weiterempfehlen.“ Den kompletten Erfahrungsbericht lesen Sie bitte nach in der Gehört.Gelesen Ausgabe 42 oder online auf www.ci-a.at