...wie im Schlaf

Mit Anfang dreißig war Martin Kweton auf Erfolgskurs in der Modebranche, aber mit dem Hören ging es stätig bergab. Mittlerweile ist er in beiden Bereichen bestens unterwegs...

Martin Kweton beschreibt sich selbst als schrägen Vogel. Schon vor fünfzehn Jahren war er bei einer großen Jeansfirma alleinverantwortlich für den Verkauf in Österreich und Osteuropa, als die ersten Hörstörungen bei ihm auftraten. Anfangs wollte er sich diese Probleme nicht eingestehen, doch als sie sich im Job unangenehm auszuwirken begannen, griff er erstmals zu Hörgeräten.

„Ich hab die Hörgeräte vier, fünf Jahre gehabt... und irgendwann war‘s mit diesen Geräten dann auch fertig.“ Sein Hörverlust hatte sich so verstärkt, dass Hörgeräte nicht mehr helfen konnten. Und das just zum ungünstigsten Zeitpunkt, als er sich beruflich selbständig machte. Auch privat traf es sich ungünstig: „Das war genau die Zeit, als mein Sohnemann zu reden angefangen hat. Da hab ich gewusst: Ich muss jetzt etwas machen“, denn „das mag ich nicht versäumen, wenn mein Sohnemann zu quatschen anfängt!“

Zum Glück hat Martin Kweton gerade da erfahren, dass am Klinikum der Kreuzschwestern in Wels die Möglichkeit zu einer helfenden Operation besteht und hat sich an den ihm genannten Spezialisten, Primar Dr. Thomas Keintzel gewandt. „... und der hat dann gsagt ‚ach, das mach ma schon‘, so als wie wenn ich einen Schnupfen hätt‘.“

Da er auf einer Seite noch etwas besser hörte, hat Martin Kweton anfangs zwei unterschiedliche Systeme genutzt: links ein CI und rechts eine Vibrant Soundbridge. Als dann auch auf der rechten Seite das Gehör zunehmend schwächer wurde, bereitete der Arzt ihn darauf vor, dass irgendwann auch dort der Umstieg auf ein CI notwendig sein würde. Als zielstrebiger Erfolgsmensch war der Entschluss für Herrn Kweton klar: „Na, dann mach´ ma‘s doch gleich!“

Erste Erfolge

Der Anfang beim Hören lernen sei schon schwierig gewesen: Geräusche, die noch keinen Sinn ergeben und sich nur wie Rauschen anhören, aber: „Wenn du mit dem Frühstückskaffee auf der Terasse sitzt und plötzlich hörst du das erste Mal wieder die Vögel hinter dir zwitschern, die du vorher nicht mehr gehört hast, da denkst du dir ‚Wow‘!“

Jetzt, nach etwa drei Jahren, war er mit den Erfolgen schon recht zufrieden. Aber dann saß er mit DI Roberto Zobernig, Klinischer Techniker beim CI-Hersteller MED-EL zusammen. „Und der hat mir vom neuen Prozessor erzählt und da speziell von dem neuen Feature: Es gibt da ja zwei Mikrofone drinnen!“ Durch entsprechende Signalbearbeitung kann man mit diesen zwei Mikrofonen richtungssensitiv hören, also den Fokus auf eine Richtung legen. „Und da hab ich g‘sagt, ok, wir probieren das einmal aus!“

Martin Kweton ist mittlerweile mit einer eigenen Fashion-Firma selbständig. Mit Wohnort und Firmensitz in Wien und einem Präsentationsraum in Salzburg ist er entsprechend viel unterwegs. Speziell der Präsentationsraum stellt eine akustische Herausforderung dar: „Ich muss zum Beispiel viel mit Textilien am Boden arbeiten, wo ich sie auflege und mit dem Kunden bespreche. Dabei ist der Kunde zum Teil hinter mir oder seitlich. Da kommen Situationen zustande, da wär‘ der neue Prozessor nicht schlecht.“ Also hat der Fashion-Spezialist den CI-Techniker kurzentschlossen zu sich in den Betrieb eingeladen, um die Probe auf´s Exempel zu machen – und der hat die Herausforderung für den neuen SONNET-Audioprozessor angenommen.

Martin Kewtons Urteil: „Das war wirklich im Showroom für mich sofort drastisch zu bemerken, dass es speziell von hinten für mich besser ist.“ Aber nicht nur in schwierigen Hörsituationen profiliert sich der SONNET: „Ich bin Musikliebhaber - Liebhaber elektronischer Musik. Ich mag Drums und wenn die Musik richtig tief ist.“ Der Klang des neuen SONNET hat überzeugt: „Da ist mehr Bass d‘rin, mehr 3D.“ Technisch lässt sich das durch den ausgeglichenen Frequenzgang der neuartigen Mikrofontechnologie erklären, die auf Wunsch natürlich auch auf weicheren Klang optimiert werden kann.

„Ich sitze extrem viel im Auto“, erklärt der vielbeschäftigte Verkäufer, „da hab‘ ich mir das nach vorne eingestellt“, denn „wenn du alles nach vorne fokusierst, inklusive deiner Ohren, dann bist du auch auf das konzentriert, was du machen sollst im Auto, nämlich autofahren, nicht irgend ´was anderes.“ Aber bei Kundenterminen im Salzburger Präsentationsraum, den er den ‚Showroom‘ nennt, „sind zum Teil dann auch drei oder vier Personen anwesend. Da stelle ich mir den ‚Surround-Effekt‘ ein.“ Bei nur einem Besucher, speziell wenn er Gäste mit undeutlicher Aussprache erwarte, belasse er den Fokus aber nach vorne, denn „mit dem Fokus nach vorne sind Leute, die nuscheln, dann näher.“

Die Prozessoren müssen überall mit

Zum Ausgleich ist der jugendlich wirkende Mittvierziger sportlich aktiv. Bei mehrmals wöchentlich mindestens acht Kilometern laufen kommt er ordentlich ins Schwitzen. „Wenn du die Geräte dann herunter nimmst, musst du sie erst einmal abwischen, die sind echt nass.“ Aber Probleme hatte er damit noch nie.

Letzten Sommer war er sogar zwei Wochen segeln. „Einmal sind wir unvorhergesehen in eine Welle hineingekracht.“ Der Wasserschwall ergoss sich direkt über ihn, aber „ich hab noch gehört, hab die Geräte einfach ´runter genommen, hab sie abgetrocknet, hab mich fritiert, rauf und fertig.“ Zum Nachahmen ist dieses Erlebnis nicht zu empfehlen, aber als ungewollter Test auf Extrembelastung lässt sich gut davon erzählen.

Dass regelmäßige Nachbetreuung für den Hörerfolg notwendig sei, sieht Martin Kweton entspannt: „Im Halbjahres-Rythmus nachjustieren, das gehört einfach irgendwie dazu, damit kann ich leben.“ Denn schließlich: „Wenn ich diese zwei Dinger abnehme und auf den Tisch lege, können sie neben uns eine Atombombe zünden und ich sitz genauso da, weil ich sie einfach nicht hör‘. Ich hab‘ ohne Implantate mittlerweile zu hundert Prozent kein Gehör mehr.“ Der erfolgreiche Geschäftsmann mutmaßt: „Ich wär ohne diese beiden definitiv ein Sozialfall für den österreichischen Staat.“

Martin Kweton nimmt die Audioprozessoren nur zum Schlafen ab, und da nur, wenn er weiß, dass ihn in der Früh jemand wecken wird. „Weil ich sonst den Wecker nicht hör‘. Und ich bin ein Morgenschläfer ohne Ende - ohne Wecker.“