Heilen, forschen, gestalten in Wien

Primar Prof. Dr. Peter Franz ist HNO-Primar an der Wiener Rudolfstiftung. Bald wird er übersiedeln – mit ihm das Team der HNO-Abteilung und das Programm für Hörimplantate.

Die historische Wendeltreppe hoch, überraschen die modernen Räume der HNO-Praxis. Dunkle Kanten geben den hellen Möbeln klare Strukturen, Gemälde und Tischteppich sorgen für Farbe. Nur zehn Minuten hat Prof. Dr. Peter Franz von der Wiener Rudolfstiftung, wo er Primar ist, in seine Privatpraxis. Ab Herbst werden die Entfernungen für ihn etwas länger sein, wenn er tagsüber im Donauspital anzutreffen sein wird. Er selbst denkt eher an den Vorteil für die Patienten: „Die U-Bahn-Anbindung ist dort toll.“

Koffer packen im KAV

Flächendeckende Grundversorgung und dazu fachliche Schwerpunkte mit hochspezialisierten Teams dort, wo sie fachlich sinnvoll und für Patienten gut erreichbar sind. In diesem Sinn ordnet der Wiener Krankenanstalten-Verbund KAV derzeit das medizinische Angebot an seinen elf Spitälern neu.

Die Leistungen der HNO-Abteilung an der Rudolfstiftung werden mittelfristig auf das Sozialmedizinische Zentrum Ost - Donauspital und das Kaiser Franz Josef Spital aufgeteilt werden. „Das ärztliche Personal der Rudolfstiftung wird dann in das Donauspital transferiert“, erklärt der Primar. „Von mir abgesehen werden dann dreizehn Fachärzte und sechs Fachausbildungsstellen dort sein.“

Auch am Kaiser Franz Josef Spital wird das ärztliche Team vergrößert werden. An der Rudolfstiftung verbleibt eine Ambulanz zur Behandlung akuter Beschwerden, Montag bis Freitag tagsüber: „Wenn jemand mit Halsweh, Nasenbluten oder Ohrenschmerzen kommt.“ Bei Notfällen in der Nacht oder am Wochenende stehen auch in Zukunft die Notambulanzen am Kaiser-Franz-Josef-Spital oder am AKH Wien zur Verfügung, sowie dann auch am SMZ-Ost.

Wechselnde Orte – unveränderter Einsatz

Prof. Franz begann 1988 an der Wiener Universitätsklinik zu arbeiten und zu forschen - bei Tumoren, Menière und Hörimplantaten. 2009 wechselte er als Primar an die Rudolfstiftung: „Nach dem AKH die größte HNO-Abteilung, die auch einen sehr guten Ruf genießt. An der Rudolfstiftung werden österreichweit die meisten Mittelohr-Operationen durchgeführt.“

Die Aufnahme der Hörimplantation in das Leistungsangebot der Rudolfstiftung, das ist dem Ordinarius für Otologie an der Wiener Sigmund Freud Privatuniversität wenig später gelungen: „Ich habe der Generaldirektion die Notwendigkeit erklärt. Aber das war natürlich auch ein Entgegenkommen der Gemeinde Wien, weil das kostet ja viel Geld.“

Seit August 2016 ist der vielseitige HNO-Spezialist zusätzlich interimistischer Vorstand der HNO-Abteilung am Donauspital. In Zukunft werden alle HNO-Leistung der Rudolfstiftung dorthin übersiedeln: „Ich habe in der Rudolfstiftung ein Implantatbudget für Cochleaimplantate und implantierbare Hörgeräte bekommen und dieses Budget werde ich mitnehmen dürfen.“

„Wissenschaft gehört zu jedem Arzt dazu!“

„Wenn wir Menschenleben retten oder zumindest verlängern“, das ist Prof. Franz als Mediziner besonders wichtig. Doch: „In jedem Arzt sollte auch ein Forscher dabei sein!“ Es sei wichtig, eigene Ergebnisse statistisch zu evaluieren und international zu präsentieren. So hat der renommierte Ohr-Chirurg schon vor Jahren eine Operationsmethode entwickelt und etabliert, mit der sich die Schwindelanfälle im Zuge einer Menièr´schen Erkrankung mildern oder verschwinden. Menière ist eine Erkrankung des Innenohrs, begleitet von Schwindel, Hörverlust bis hin zur Taubheit und Tinnitus (siehe Gehört.Gelesen, Ausgabe 60). Auch aus wissenschaftlicher Hinsicht erscheinen dem HNO-Spezialisten Hörimplantate besonders spannend: „Eine der wenigen Neuerungen in der Otologie und eine tolle Möglichkeit, Erwachsene zu rehabilitieren oder bei Kindern ein Sinnesorgan zu ersetzen.“

Wo wir stehen – wohin wir möchten

Über den aktuellen Stand der medizinischen Wissenschaft tauschen sich die Spezialisten auf Fachkongressen aus. So steht die heurige Jahrestagung der österreichischen HNO-Gesellschaft unter dem Motto ‚Innovationen und Positionen‘. „Wir schauen: Wo stehen wir und wo möchten wir hin.“ Den aktuellen Stand der österreichischen HNO-Heilkunde sieht Kongresspräsident Prof. Franz optimistisch: „Unsere großen HNO-Abteilungen können sich international messen. Österreich hat dabei - auch durch die Firma MED-EL - eine großen otologischen Schwerpunkt.“

Für das Donauspital strebt Prof. Franz eine HNO-Abteilung an, die alle drei Bereiche abdeckt: Hals, Nase, Ohren. Die Schwerpunkte sieht er in Otologie, otologische Chirurgie und Pädaudiologie. Der ärztliche Direktor des Donauspitals, Dr. Lothar Mayerhofer, erklärte dazu in einer Presseaussendung: „Das Donauspital wird künftig einen großen HNO-Schwerpunkt haben, das passt sehr gut zum Schwerpunkt in der Kinderheilkunde, für den das Donauspital bekannt und geschätzt ist.“ Die Kinderanästhesie dort wird die Implantation bei Kleinkindern im Alter unter drei Jahren ermöglichen. Auch mit der nahe gelegenen Schwerhörigenschule hatte Prof. Franz schon Kontakt: „Da hoffen wir auf gutes gegenseitiges Einvernehmen“, besonders bei den kleinen Patienten.