Global Player in Sachen Hören

Prof. Dr. Wolf-Dieter Baumgartner ist international bekannt als HNO-Chirurg und Spezialist für implantierbare Hörsysteme. Heuer feierte der Präsident des CIA seinen 50. Geburtstag.

Eine nervöse Mama den Tränen nahe; ein verängstigter Volksschüler; vor der Ambulanztür zahlreiche Patienten, die auf ihre Untersuchung warten. Prof. Dr. Wolf-Dieter Baumgartner legt die Untersuchungsgeräte zur Seite und setzt sich auf einen niedrigen Hocker, auf Augenhöhe mit seinem kleinen Patienten. Mit Gesten und Zeichnungen erklärt er ihm, was in den nächsten Tagen auf ihn zukommen wird. Die Diagnose ist unangenehm: Eine weitere Operation ist notwendig. Doch mit jedem Satz des Mediziners werden Mama und Patient gefasster.

Für manche Gespräche braucht es Zeit und Ruhe, auch wenn der Druck im Ambulanzbetrieb hoch sein kann, erklärt der Kliniker: „Wir haben täglich 200 Ambulanzpatienten hier, um die sich sechs bis sieben Kollegen kümmern müssen. Die weltgrößte HNO-Ambulanz ist in Johannesburg und die zweitgrößte sind wir.“

Zeitreise

Schon vor seiner Promotion zum Doktor der Medizin 1991 zum Doktor der Medizin war Prof. Baumgartner in verschiedenen Fachrichtungen als Studienassistent tätig. Die ärztliche Laufbahn begann er an der Kardiologie, doch schon 1997 schloss der Kliniker seine Ausbildung zum HNO-Arzt ab, habilitierte 2001 und wurde Professor für HNO-Heilkunde. Der Alltag an der Klinik ist wesentlicher Teil seiner Arbeit, hinzukommen die Forschung am Bereich Ohrenheilkunde und implantierbare Hörhilfen, sowie die Lehre. Der Allrounder unterstützte bisher mit seinem Wissen nicht nur die Ausbildung junger Kollegen an der medizinischen Universität, sondern auch die Studenten an der Fachhochschule und in der pädagogischen Ausbildung.

Der CI-Spezialist war bis 1999 Vorstandsmitglied der Österreichischen Cochlea Implantat Gesellschaft, dann wurde er Präsident des CIA. Bei der CIA-Generalversammlung 2017 im Herkules-Saal des Gartenpalais Liechtenstein staunte er: „Ich hätte mir damals nicht gedacht, dass der CIA einmal im Palais Liechtenstein landet.“

Von Promis und tatsächlichen VIPs

Prof. Baumgartner hat in seiner Berufslaufbahn mehrfach prominente Patienten behandelt – Künstler, Politiker und Ärztekollegen. Die wohl wichtigste VIP-Patientin war aber Dr. Alexandra Jappel, damals seine Verlobte und mittlerweile Ehefrau. Dr. Jappel ist ebenfalls HNO-Ärztin und war in den letzten Jahren Teil des CI-Teams an der Universitätsklinik im deutschen Heidelberg.

Auch ein exzellenter Chirurg stößt an Grenzen. Bei der Podiumsdiskussion im Rahmen des Ein Fest für die Ohren im Mai 2017 im Gartenpalais Liechtenstein in Wien gestand der CIA-Präsident: „Mir persönlich tut jeder Patient leid, dessen Eltern sich in den 90-er Jahren aktiv gegen ein Cochleaimplantat entschieden haben und der jetzt gerne eines hätte. Dem können wir leider nicht mehr helfen.“ Die Sprachentwicklung der ersten Lebensjahre ist entscheidend für späteres Sprachverstehen – gehörlos geborene Personen können daher nur dann Sprachverstehen entwickeln, wenn sie in früher Kindheit implantiert werden. Später kann der beste Chirurg nicht mehr helfen.

Dienstreisen

„Als Gaststudent verbrachte ich kurze Zeit an der Universität in Tel Aviv. Ich habe diese Zeit in sehr angenehmer Erinnerung, sie bedeutet mir heute noch sehr viel.“ Es folgte ein Aufenthalt in Boston, USA, und zahlreiche Einladungen an Kliniken im In- und Ausland, eine Gastprofessur an der US-amerikanischen Southwestern University of Texas und seit 2012 eine Professur am renommierten Karolinska Institutet in Stockholm. „Ich weiß dadurch, dass die Forschung am AKH Wien eine Spitzenposition einnimmt.“ Dass Prof. Baumgartner nicht nur viel, sondern auch gerne reist, liest man aus den Beiträgen über seine beruflichen Auslandseinsätze heraus, die er regelmäßig für die Gehört.Gelesen verfasst.

Obwohl das AKH sein Engagement an anderen Kliniken unterstützt, sind Einsätze in diesem Umfang nur möglich, weil Prof. Baumgartner auch seinen Erholungsurlaub investiert. Mit Blick auf die hohe Patientenfrequenz am AKH sieht er es locker: „Immer wenn ich woanders hinfliege, ist das wie ein Urlaub für mich.“ Bei so intensiver beruflicher Tätigkeit ist es aber wichtig, manchmal auch bewusst abzuschalten. Wolf-Dieter Baumgartner entspannt je nach Jahreszeit beim Schifahren oder Surfen – oder er geht ins Theater. Dazu mehr in der Gehört.Gelesen, Ausgabe 64.