Vom Hören zum Verstehen

Ambulantes Hörtraining für CI-Träger am LZH Dornbirn

Wie die meisten CI-Träger und ihre Angehörigen wissen, bedeutet die erfolgreiche CI-Operation und die Anpassung des Sprachprozessors noch nicht automatisch problemloses Hören oder gar Erkennen von Geräuschen und Sprachverstehen. Auch in internationalen Fachkreisen ist die Notwendigkeit und Bedeutung begleitender Rehamaßnahmen unbestritten, ja diese gelten inzwischen als wichtiges Qualitätsmerkmal einer CI-Versorgung. Daher hat das LZH-Dornbirn in Zusammenarbeit mit der HNO-Abteilung des Landeskrankenhauses Feldkirch ein Versorgungskonzept erstellt, das seit Jahren erfolgreich umgesetzt wird. Nach umfassender Beratung vor der Operation und der Versorgung mit Implantat und Prozessor, wird am LZH-Dornbirn ambulante Reha für Erwachsene, Jugendliche und Kinder im Alter von 1,5 bis 99 Jahren angeboten. Diese Rehamaßnahmen werde immer an die individuellen Bedürfnisse angepasst, aber im Großen und Ganzen beinhalten sie folgende Punkte:

• Für Erwachsene und Jugendliche werden in der Regel zehn Stunden insgesamt mit einer Hörtrainingsstunde pro Monat (nach individueller Absprache häufiger) angeboten - ergibt eine Begleitung über fast ein Jahr, in dem auf auftretende Probleme jeweils eingegangen und reagiert wird. Für Kinder finden die Stunden wöchentlich über einen wesentlich längeren Zeitraum im Rahmen der audiopädagogischen Früherziehung oder der logopädischen Therapie statt.

• Grundsätzliche Empfehlung bezüglich der Tragedauer (täglich zu allen wachen Stunden, auch wenn man allein ist, lernt das Gehirn!), um die Gewöhnung an und das Kennenlernen von Alltagsgeräuschen (speziell auf den Patienten und seinen Alltag abgestimmt) am besten und schnellsten zu erreichen.

• Ermunterung zum Musikhören (je nach Geschmack) – bei Interesse auch individuelle Musiktherapieeinheiten oder Tomatis-Hörkur ergänzend möglich.

• Hauptziel der Reha ist aber die Stimm- (Männer und Frauenstimmen und die eigene Stimmgebung bezüglich Klangfarbe, Tonhöhe, Melodie und Lautstärke) und Sprachwahrnehmung auf Laut-, Silben-, Wort-, Wortgruppen-, Satz- und Textebene – abgestuft in Wahrnehmen können, Unterscheiden können, Identifizieren / Verstehen können (closed und open set, ohne und mit Störschall) inklusive Telefontraining! Hier ergänzen sich die Hörtrainings- und Beratungsstunden am LZH mit vielen Tipps und Hinweisen zu Übungsmöglichkeiten zu Hause in Eigenregie.

• Laufend dazu Informationen bezüglich anderer Hilfsmittel (FM-Anlagen, Lichtsignalanlagen etc.) und Begleitung bei der Erprobung gehören in Zusammenarbeit mit der LZH-Hörtechnik oder dem eigenen Hörgeräteakustiker zum Standard.

Ergänzt wird die Beratung bei Interesse:

• Verleih von verschiedenen Hörtrainings-CDs (mit Vorlage und Lösungsteil)

• Ermunterung zum Hören von Hörbüchern mit und ohne Druckvorlage (Buch)

• Tipps und Info zu Hör- und Gesprächstaktik (v.a. in Gruppen und unter erschwerten Bedingungen)

• Tipps und Info zu Radio und Fernsehen

Bei Bedarf:

• „CI-Notizbuch“ (= selbst erarbeiteter Notizbogen zum Festhalten von Erfahrungen und Problemen mit dem CI)

• Tipps zum Umgang/Eingewöhnen mit CI (für besonders schwierige „Fälle“)

• Einsatz von Zusatzgeräten (z.B. Zusatzmikrofon)

Begleitend dazu bietet das LZH-Dornbirn ein Reparaturservice für alle aktuellen MED-EL-Prozessoren an. Zeigt sich während des Trainings, dass eine Nacheinstellung oder Veränderung des Fittings notwendig ist, ist durch den interdisziplinären Austausch mit dem LKH-Feldkirch dies auch immer rasch und gezielt möglich.

Meist nehmen die „frischgebackenen“ CI-TrägerInnen anfangs lieber das individuelle Einzeltraining in Anspruch. Danach wird dann auch das Interesse am Austausch mit Gleichbetroffenen größer. Dafür bietet das LZH-Dornbirn dann Gruppenkurse in Form von thematisch aufeinander aufbauenden zehn Abendlektionen oder als unabhängige, aber sich inhaltlich ergänzende fünf Nachmittags-Module an. Dies sind dann Kleingruppen von vier bis maximal acht Hörgeräte- und CI-Trägern. Das Echo ist groß und die durchwegs positiven Rückmeldungen spornen uns im LZH-Logopädieteam immer wieder neu an, unser Bestes zu geben. Ziel ist ja, größtmögliche Hörkomfort und viele Handlungsoptionen im Alltag für die Betroffenen zu erreichen, um eine gute Lebensqualität trotz Hörbeeinträchtigung zu gewährleisten.

Dabei gilt aber immer: „Im Mittelpunkt des Hörtrainings steht der schwerhörige Mensch, nicht der Mensch reduziert auf seine Schwerhörigkeit“ (Petra Speth)