Telefone in der Praxis – ein Testbericht

DI Vít Matějovský wurde 2014 in Prag mit einem MED-EL Cochleaimplantat-System versorgt. Seine Erfahrungen beim Mobil-Telefonieren hat er für andere Nutzer zusammengefasst.

Die Möglichkeit zu telefonieren ist für CI-Nutzer unterschiedlich, auch technische Faktoren haben Einfluss:

• Die Entfernung zum Sendemast des jeweiligen Mobilfunkanbieters und damit die Signalstärke des Telefonsignals

• Unterschiedliche Technologien der Mobilfunk-Netze: 2G, 3G oder 4G Telefonnetz

• Auswirkungen eines Faradayschen Käfigs - Störung und Schwächung des Telefonsignals durch metallische Ummantelungen wie Armierungsstahlgitter in Wänden von Betonhäusern, der Fahrgastraum eines PKWs oder Stahlkonstruktionen in Produktionshallen

• Störungen zwischen Audioprozessor und Sendespule des CI-Systems und dem Handy

Bei der Suche nach einem geeigneten Handy ist es günstig, dieses bei unterschiedlichen Bedingungen auszuprobieren. In den Städten ist meist ein qualitativ gutes 4G-Signal verfügbar. Probleme können auf dem Lande auftreten, wo oft nur ein 2G Signal verfügbar ist.

Ich habe mehrere Handys ausprobiert, Smartphones und konventionelle Geräte. Konventionelle Mobiltelefone unterstützen leider kein 4G Netz, auch LTE genannt. Die Antenne dieser Geräte sendet mit konstanter Stärke. Einige Smartphones reduzieren die Sendestärke der Antenne in Abhängigkeit von der Stärke des Sendersignals des Mobilnetzes.
Beim Telefonieren mit CI ist es günstig, wenn die Antenne mittig oder unten im Telefon liegt - je weiter entfernt vom Implantat, umso besser. Im oberen Teil des Telefons gelegen, kann die Antenne Störungen verursachen.
In den USA müssen Hersteller oder Verkäufer angeben, ob ein Handy für Nutzer von Hörsystemen (Hörgeräte oder Hörimplantate) geeignet ist. Bei der HAC-Angabe wird die Signalqualität für Mikrofon - M und für Induktionsspule – T bewertet; der Maximalwert liegt bei 4. Je höher die Bewertung liegt, umso besser ist das Telefon für CI-Nutzer geeignet.

Brombeeren für das CI

Die Vertretung der Firma BlackBerry in der Tschechischen Republik hat mir für den Test mehrere Telefongeräte geliehen: Mit dem Modell Passport ging es am besten.

Im mittleren Teil des Telefons platziert, reguliert eine Paratek Antenna die Sendestärke: Je stärker der Signal vom Sendemast, umso schwächer sendet das Telefon. Damit werden Störungen des CIs durch das Telefon vermieden. Das Passport bietet sehr guten und sauberen Klang beim Telefonieren am Ohr, wie auch auf ‚Lautsprechen‘.

Die Technologie des Passport mit vier Mikrofonen nimmt störende Umgebungsgeräusche auf und filtert sie aus dem Telefonsignal heraus. Eine individuelle Klanganpassung der tiefen oder hohen Töne kann für CI-Nutzer vorteilhaft sein, je nach Tonhöhen-Wahrnehmung mit CI. Das Gerät beinhaltet auch eine ‚HAC-Funktion‘, speziell für die Nutzung mit Hörhilfen. Beim Testen habe ich mit dieser Funktion meine eigene Stimme im Telefon nur abgeschwächt wahrgenommen – dieser Effekt ist auch für normalhörende Personen deutlich. Vielleicht kann man dadurch störende Rückkoppelung bei Hörgeräten vermeiden – für CI-Nutzer ist die Funktion nicht sinnvoll.

Ich habe ein konventionelles 2G-Mobiltelefon von Nokia und ein Blackberry Smartphone Passport mit dem RONDO- und mit dem OPUS 2-Prozessor getestet.

In Ruhe verglichen

Für beide Sprachprozessoren sind Smartphones am günstigsten, da sie 4G-Netze, LTE, unterstützen.

Beim RONDO ist die Sendespule direkt im Prozessor integriert und kann daher zu Störungen im 2G-Netz führen. Die Sendespule des OPUS 2 liegt weiter entfernt vom Prozessor und vom Telefon: Der OPUS 2 hat bei Mikrofon-Empfang, M-Modus, keine Probleme mit dem älteren, konventionellen System im 2G-Netz.

Beim OPUS 2 musste ich das Telefon nah am Mikrofon des Audioprozessors positionieren und auf die Richtung zum Prozessor achten; beim RONDO war das leichter. Die richtungsabhängige Schallaufnahme beim RONDO könnte hier Einfluss haben. Eine günstige Position für Empfang ließ sich aber mit beiden Prozessoren finden.

Beim Telefonieren über T-Modus kam es bei beiden Telefonen zu störenden Interferenzen, beim Blackberry Passport aber nur in geringem Maß. Induktive Einkopplungen aus elektrischen Leitungen in den Wänden verursachten weitere Störgeräusche. Ich habe den Klang im T-Modus als undeutlicher empfunden. Außerdem konnte ich meine eigene Sprache nicht hören. Das war für mich unangenehm – ich habe automatisch lauter gesprochen. Im MT-Modus war es besser.

Sehr mobile Telefonie

Beim Telefonieren im Auto über die Bluetooth-Freisprechanlage kam es auch beim Wechsel zwischen 2G und 4G Netz zu keinen Störungen. Die Lautstärke der Auto-Lautsprecher ist zweitrangig, wichtig sind deren Klangqualität, sowie die Bass-Einstellung. Fahrgeräusche wie Luftstrom und Rollgeräusche der Reifen können stören - sie hängen von Straßenqualität und Geschwindigkeit ab.

Telefonieren in lauter Umgebung ist schwierig: Die Stimme des Gesprächspartners mischt sich mit den Hintergrundgeräuschen auf beiden Seiten der Telefonverbindung. Aktives CI-Training und eine gute CI-Anpassung können sicher teilweise zur Überwindung der Hintergrundgeräusche beitragen.

Die Schlussfolgerung aus meinen Versuchen

Mit CI sind Smartphones besser geeignet als konventionelle Mobiltelefone – das bestätigen auch die Erfahrungen anderer CI-Nutzer. Bevor man sich für ein Telefongerät entscheidet, soll man es in unterschiedlichen Umgebungen ausprobieren und die HAC-Klassifizierung des gefragten Modells am amerikanischen Markt nachsehen.

Bei Störungen beim Telefonempfang kann man auf ‚Lautsprechen‘ wechseln und das Telefon weiter vom Sprachprozessor entfernen. Dazu ist die Klangqualität bei ‚Lautsprechen‘ wichtig. Die Störschallunterdrückung des BlackBerry Passport habe ich als hilfreich empfunden, auch die unabhängigen Einstellungen für Bässe und Höhen – ich selbst benutze allerdings meist die Herstellereinstellung.

Mit Smartphones sind auch Video-Gespräche möglich; intelligente Tastaturen unterstützen und erleichtern SMS, Emails oder andere non-verbale Kommunikationsarten.