Neue Software optimiert CI-Einstellung

Jen Robinson aus dem Produkt-Marketing bei MED-EL kennte viele Neuerungen bei Maestro7. Mit der neuen Software zur Anpassung von Cochleaimplantaten werden konkrete Verbesserungen für die Nutzer von Hörimplantaten möglich.

Maestro7 soll die individuelle Einstellung von Cochleaimplantaten vereinfachen. Neue Programmteile können den konkreten Hörerfolg einzelner CI-Nutzer verbessern: Mit den Electric Acoustic Evoked Potentials – EAEP - steht ein Werkzeug aus dem wissenschaftlichen Bereich erstmals im klinischen Alltag zur Verfügung. Objektive Einstellung kann bei Kleinkindern oder mental beeinträchtigten Patienten hilfreich sein. Triphasische Stimulationspulse erweitern die Einstellungsmöglichkeiten für Patienten, die starke Stimulationspulse benötigen. Sie stehen MED-EL-Nutzern zur Verfügung, deren Implantat das ermöglicht(1).

Messen in der Hörschnecke

Manche CI-Kandidaten verfügen über Hörreste. Atraumatische Elektroden wie die Flex-Elektroden von MED-EL ermöglichen es, solche Hörerreste bei der Implantation zu erhalten.

Welche Faktoren beim Hörerhalt noch eine Rolle spielen, untersucht Dr. Marek Polak. Der Elektrophysiologe arbeitet seit über 20 Jahren bei MED-EL. „Das Wissen über das kleinste und faszinierendste menschliche Organ, das zehn Millimeter kleine Innenohr, ist in der Wissenschaft immer noch unzureichend. EAEP ermöglicht uns, vieles darüber zu lernen“, freut er sich. Auch der klinische Nutzen sei bedeutend: “EAEP misst über die Elektrode des Implantats die akustisch ausgelösten Potentiale in der Cochlea ebenso wie die elektrisch ausgelösten Potentiale. Es kann als interoperatives Instrument für die Überwachung der Cochleaimplantation oder als Navigationsinstrument während der Operation genützt werden, sowie zur Unterstützung bei der Einstellung des Hörsystems.”

Erste Erfolgsberichte kamen 2016 aus Australien(2): „EAEP ist eine vielversprechende Möglichkeit, den Chirurgen während der Insertion der Elektrode vor möglicher Schädigung der Haarzellen in der Cochlea zu warnen.“ „Chirurgen können das bei Patienten mit gutem Restgehör ebenso nutzen wie bei Patienten mit geringen Hörresten“, ergänzt Polak.

Passgenaue Einstellung für alle

Seit 2004 ermöglichen MED-EL CIs die Stimulation mit dreigeteilten Stimulations-Pulsen - Maestro7 macht das zum Routine-Verfahren. Damit kann die Stimulations-Energie erhöht werden, ohne die Stromstärke der Stimulation zu erhöhen. Das ist vorteilhaft für Nutzer, die besonders starke Stimulation benötigen – zum Beispiel Otosklerose-Patienten. Ergebnisse der Universitätsklinik Frankfurt in Deutschland(3) bestätigen den stabilen Langzeiterfolg dieser Art der Stimulation.

Menschliche Empfindungen sind nur mangelhaft in Zahlen und Daten darstellbar. Das trifft auch auf das Hören zu. Individuelle Feineinstellung von Hörimplantaten bleibt unersetzlich, basierend auf den Rückmeldungen der Nutzer und den Beobachtungen der Eltern oder Fachleute. Das ist die Stärke objektiver Anpass-Methoden.

Zusätzliche Informationen für eine optimierte Einstellung kann der Stapedius-Reflex bieten. Das ist der Schutzreflex eines winzigen Muskels im Mittelohr, der mittels Tympanogramm - Messung ermittelt wird.

Bei Kleinkindern oder Patienten mit mentalen Beeinträchtigungen reichen diese Möglichkeiten manchmal nicht. MED-EL bietet deswegen die ART an – dabei wird die elektrische Antwort am Hörnerv gemessen. Neu ist der automatisierte Messablauf AutoART, die schnellste derartige Messroutine verglichen mit CIs anderer Hersteller. Der neue Algorithmus ARTFit nützt die Messergebnisse für eine Voreinstellung. ARTFit erleichtert damit die Anpassung bei jenen Patienten, bei denen die Zeitspanne einer Kooperation begrenzt ist.

Besondere CIs für besondere Patienten

„AutoART und ARTFit ergänzen unsere Systeme: Die Sicherheits-Optionen der DL-Spule, kinderfreundliche Batterie- und Design-Varianten des aktuellen Audioprozessors Sonnet – damit sind MED-EL CIs besonders geeignet für Kinder. Mit der Möglichkeit zur triphasischen Stimulation ist das MED-EL CI die beste Wahl für Patienten mit Otosklerose”, ist die Produkt-Spezialistin Robinson überzeugt. Sie ergänzt stolz: „Wir sind auch die einzigen, die die Messung koordinierter elektrischer und akustischer Stimulation für den klinischen Alltag anbieten - das erste klinisch verfügbare Instrument, den Hörerhalt bei der Insertion der Elektrode zu überwachen.“



(1) Alle MED-EL Cochleaimplantate außer Combi40+: Pulsar, Sonata und Synchrony

(2) Using the Implant Electode Array to Conduct Real-time Intraoperative Hearing Monitoring During Pediatric Cochlear Implantation: Preliminary Experience; A. N. Acharya, D. Tavora-Vieira, G. P. Rajan; Australia; 37:e148-e153 © 2016, Otology & Neurotolgy

(3) The Underlying Mechanism of Preventing Facial Nerve Stimulation by Triphasic Pulse Stimulation in Cochlear Implant Users Assessed With Objective Measure; A. Bahmer, U. Baumann; © 2016, Otology& Neurotology