Hören wie im Paradies

Vielversprechende Forschungsergebnisse, innovative Tipps für die klinische Praxis und ein revolutionärer, neuer Audioprozessor für CI-Nutzer – all das war am 61. Österreichischen HNO-Kongress zu sehen.

„Es ist für mich als Sängerin immer ein wunderbares Gefühl, wenn ich weiß: In der Nähe befindet sich ein HNO-Arzt. Wenn ich heute so in die Runde schaue: Ich fühle mich wie im Paradies“, so die Sopranistin bei der Eröffnungszeremonie des HNO-Ärztekongresses am 13. September in der Wiener Hofburg. Unter dem Titel „Innovationen und Positionen“ hat Primar Prof. Dr. Peter Franz für den Fachkongress bis 16. September ein Programm mit einem Schwerpunkt auf dem Thema Hören zusammengestellt. Während Innovationen in der Regel unter ökonomischen Gesichtspunkten auf Einsparungen hin beurteilt werden, bedürften Innovationen in der Medizin oft erhöhte Ressourcen auf klinischer Seite, um Verbesserungen für die Patienten zu erreichen – so der Tenor bei den Eröffnungsreden.

Pyramide der Nachhaltigkeit

MED-EL stellte am Kongress einen neuen Knopf-Prozessor für CI-Systeme vor. Der RONDO2 kommt völlig ohne Batterien aus! Energie entnimmt er einem integrierten Akku, der kabellos über eine handelsübliche Ladestation aufgeladen wird. Batteriewechsel gehören mit dem RONDO2 der Vergangenheit an – eine weltweit einmalige Technologie für CI-Systeme!

RONDO war 2013 der weltweit erste Knopf-Prozessor für CI-Nutzer – diesen Erfahrungsvorsprung nützt MED-EL für seine Nutzer im RONDO2. Dabei ist der Audioprozessor der Mittelteil des nachhaltigen CI-Konzepts: Die Spitze der CI-Versorgung bilden schnelllebige Komfort-Features, welche die Nutzung moderner Unterhaltungselektronik ermöglichen, so MED-EL. Herzstück ist das Implantat, das für zuverlässige Qualität und Leistungsfähigkeit steht.

Die Trilogie guten Hörens

„Richtig scharf wird der Zwiebelsenf, wenn der Zwiebel fein geschnitten ist“, demonstrierten die beiden ORF-Köche Andi und Alex in launigen Worten die Qualitäten von Triformance: „Beim Essen kommt es auf das Detail an – so wie beim Hören.“ Hearing Preservation - schonender Erhalt der vorhandenen Innenohr-Strukturen, CompleteCochlearCoverage - die Nutzung der gesamten neuronalen Struktur und FineHearing - feinste Verarbeitung der Hör-Information – der RONDO2 bietet bewährte Triformance-Signalverarbeitung.

Manche CI-Hersteller propagierten für bilateral taube Menschen immer noch Systeme, die Schall von beiden Seiten auf nur ein Implantat leiten. Dabei zeigten mehrere wissenschaftliche Vorträge österreichischer Kliniker, wie wichtig es für akustische Orientierung und Verstehen in lauter Umgebung ist, mit beiden Seiten zu hören. Triformance ist optimal vorbereitet für bilaterale Hörlösungen. Ebenso sind mit dem aktuellen SYNCHRONY-Implantat problemfreie MR-Untersuchungen möglich – das Fallbeispiel einer österreichischen MED-EL Nutzerin, die sich aufgrund ihrer Tumorerkrankung regelmäßig einer MR-Untersuchung unterziehen muss, zeigte, wie wichtig diese MR-Sicherheit ist.

Frühe Erfassung von Hörproblemen

Hörtests bei Neugeborenen werden mit dem Mutter-Kind-Pass abgesichert, an der Nachsorge bei auffälligen Testergebnissen mangle es aber teilweise, so die Kritik in der Arbeitsgruppe der österreichischen Audiologen.

Prof. Dr. Johannes Fellinger, Primar der Gehörlosenambulanz in Linz, stellte die vernetzte Betreuung betroffener Familien in Oberösterreich vor. Dort gelingt es, auch in der hektischen Zeit der ersten Lebensmonate der Babys Kontakt zu halten, Frühförderung und apparative Unterstützung und damit optimale Entwicklungsmöglichkeiten für die Kinder zu gewährleisten. Eine Erneuerung des österreichweiten Konzepts ist in Ausarbeitung.

Gerade bei Usher kann frühe Diagnose wichtig sein. Mag. Dominique Sturz, die lange Jahre CIA-Vorstandsmitglied war, präsentierte im allgemeinen Otologie-Block die neuesten Erkenntnisse dazu. Zu den weiteren Vortragsthemen zählten Stammzellen und Gentherapie für gutes Hören ebenso wie die Auswirkung des vieldiskutierten HPV-Virus auf Tumore im HNO-Bereich.

Psychosomatik des Hörens

„Ich bin ebenso taub wie blind. Die Taubheit ist ein viel größeres Unglück, weil sie den Verlust des wichtigsten vitalen Sinnes bedeutet, des Hörens jener Stimmen, welche Sprache bringen, die Gedanken anregen und uns in geistiger Gemeinschaft mit der Menschheit halten“, formulierte 1905 die taubblinde US-Schriftstellerin Helen Keller in ihrer Autobiographie.

Prof. DDr.hc.mult. Alfred Pritz, Psychoanalytiker, Mediziner und Jurist, sowie Rektor der Sigmund Freud Privatuniversität Wien, legte am Mittwoch beim Festvortrag den Zusammenhang der menschlichen Befindlichkeit mit dem Hören dar: Von Stress als möglichen Auslöser für Tinnitus und Hörsturz, über den Einfluss des Ertaubens auf die Psyche, bis hin zum ‚Hören mit dem Dritten Ohr‘ – ein Begriff aus der Psychoanalyse, der das bewusste Wahrnehmen bezeichnet, um ‚zu hören, was Worte nicht sagen‘.

Nach einem humorvollen Vortrag von Dr. Roman Szeliga, Mitbegründer der CliniClowns, über gelingende Kommunikation zwischen Arzt und Patient konnten die teilnehmenden HNO-Spezialisten aus ganz Österreich am Freitagabend jene Ausstellung der Firma MED-EL zum Thema Hören besuchen, zu der die CIA-Mitglieder schon im Zuge der letzten CIA-Generalversammlung eingeladen waren: für manche Medizinern ein ungewohnter und erfrischender Zugang zum Thema.