Zur Risikogruppe bei SARS-CoV-19 Infektionen gehören die Nutzer von Cochlea-Implantaten nicht, an COVID-19 erkranken können sie aber ebenso wie alle anderen. Doch was, wenn COVID-19 Verdacht vorliegt?

Freitag, 13. März 2020. Eigentlich hätte es ein entspanntes Schiwochenende werden sollen. Am Vortag hatte die Landesregierung Vorarlberg bekannt gegeben, dass die Schilifte des gesamten Bundeslandes als Corona-Präventionsmaßnahme mit dem Wochenende den Betrieb einstellen würden, gemeinsam mit den Liften in Salzburg und Tirol. Der 19-jährige Emil Valenta und sein Vater wollten diese letzte Schi-Möglichkeit in der Saison 2019/20 in Lech am Arlberg nützen. In der nahen Tiroler Gemeinde St. Anton gab es zwar schon den ersten bestätigten Corona-Fall, doch Emil Valenta schüttelt den Kopf: „Nein, wir haben uns nicht viel gedacht, weil es in Wien ja auch schon einige Fälle gab.“

Über St. Anton wurde im Lauf des Freitags Quarantäne verhängt. Laut Vorarlberger Landessicherheitsrat Christian Gantner sperrten Freitagnachmittag die beiden Verbindungslifte zwischen St. Anton in Tirol und Lech in Vorarlberg: „Ab diesem Zeitpunkt gab es keine technische Verbindung mehr.“

Mit einem Schiführer unterwegs in den Bergen, hatten die beiden Schigäste aus Wien weder Information über die aktuellen Entwicklungen noch viel Kontakt zu anderen Gästen. „Der Guide hat uns gerade die verschiedenen Schneearten erklärt, als das Telefon geläutet hat. Normalerweise hebe ich am Berg nicht ab, aber es hat einfach nicht aufgehört zu läuten.“ Emils besorgte Mutter warnte Sohn und Gatten. „Kurz habe ich schon vor einer Quarantäne in Lech Panik bekommen: Dass wir längere Zeit nicht rauskommen und ich keine Batterien für mein CI bekomme.“ Vater und Sohn entschlossen sich zur Abreise.

Ein erster Verdacht

Während Samstag nachmittags die Schilifte in Lech einen Tag früher als geplant den Betrieb einstellten, griff Emil in Wien schon zum Fieberthermometer. Erste Krankheitssymptome hatte er schon bei der Heimkehr Freitagnacht gespürt. „Ich habe aber gehofft, dass ich mir das nur einbilde“, erklärt er. Doch 38,5 Grad Fieber, gepaart mit einem trockenen Husten, Schnupfen, Hals- und Kopfschmerzen, waren keine Einbildung. Allein in seiner Single-Wohnung griff der CI-Nutzer zum Telefon und wählte die Nummer der Gesundheitsberatung 1450.

Nach knapp eineinhalb langen Stunden in der Warteschleife erfuhr der Kranke, dass ein Test trotz typischer Symptome nur möglich sei, wenn persönlicher Kontakt zu einem nachweislichen Corona-Patienten bestanden habe oder aber der Betroffene kürzlich in einem Quarantäne-Gebiet gewesen sei. Ein Stopp 20 Kilometer südöstlich von Lech, im Tiroler St. Anton, und Emil wäre nun getestet worden. Trotzdem war vorerst Bettruhe angesagt, Besuche zu empfangen nicht ratsam. „Bei mir ist das nicht so schlimm“, gibt sich Emil gelassen. „Ich habe den Fernseher zum Bett gestellt, Serien geschaut und mit der Playstation gespielt.“

Quarantäne über dem Arlberg

Dienstag um 14:14 Uhr gab das Land Vorarlberg endlich bekannt: „Nach einer Häufung von Infektionsfällen in der Arlberggemeinde Lech“, fünf Personen zum damaligen Zeitpunkt, „hat die Landesregierung die Region Arlberg unter vollständige Quarantäne gestellt.“ Ausgehend von der Annahme einer hohen Dunkelziffer nicht-diagnostizierter Infizierter wurde für alle Personen, die sich in den vorangehenden 14 Tagen in der Region aufgehalten hatten, eine verpflichtende, 14-tägige Quarantäne verfügt. Wer direkten Kontakt mit diesen Personen hatte, den bat Landeshauptmann Platter, sich freiwillig in eine zweiwöchige häusliche Isolierung zu begeben.

Nochmals griff der immer noch fiebernde und hustende Emil Valenta zum Telefon und wählte die 1450 – nach zwei Stunden in der Warteschleife fiel er aus der Leitung. Erst beim zweiten Versuch wurde er nach einer kurzen Anamnese und einem weiteren Gespräch mit einer zweiten, medizinischen Fachkraft zum Ärztefunkdienst durchgestellt.

Ausgelassene Abende mit Freunden in der Wiener Lokalszene müssen wohl noch ein wenig warten. ©privat

24/7 für das CI

Innerhalb der nächsten 48 Stunden wollte der Ärztenotdienst zu Emil kommen, um Abstriche zu machen. Der Kranke verlegte sein Bett ins Wohnzimmer und: „Die Audioprozessoren vom CI habe ich beim Schlafen oben gelassen, damit ich die Türglocke höre.“ Die Anspannung sollte aber doch länger dauern, denn Ende März waren viele mit Corona befassten, medizinischen Bereiche an die Grenzen ihrer Belastbarkeit geraten. Das führte nicht nur zu unüblich langen Wartezeiten bei der telefonischen Gesundheitsberatung, sondern auch bei den Testungen. Als acht Tage nach seiner vorzeitigen Abreise vom Arlberg die Sanitäter endlich den Abstrich machten, war Emil schon fieber- und beschwerdefrei. Eine weitere Woche später erfuhr er nach mehrfacher telefonischer Nachfrage das Ergebnis: COVID-19 negativ.

„Positiv getestete Personen werden telefonisch über das Ergebnis informiert, ein schriftlicher Bescheid folgt nach“, so der offizielle Ablauf. Die Betreuung bei COVID-19 Verdacht, wie auch bei Erkrankungen mit leichtem Verlauf, erfolgt routinemäßig per Telefon – Emil Valenta war daher froh, dass er mit seinen CIs gut telefonieren kann. „Bei der 1450, beim Ärztenotdienst und dann bei der Testauswertung – alle haben auch gut verständlich gesprochen.“ Wie er das ohne Hören alles geschafft hätte: „Das weiß ich nicht.“ Mit dem negativen COVID-19 Bescheid darf er jetzt auch ganz offiziell wieder einkaufen gehen, wenn auch seit Anfang April nur mit Mund-Nasen-Schutzmaske. „Aber die Batterien für das CI kann man ja eh auch online bestellen“, lacht er.

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