MR-Untersuchungen mit Cochlea-Implantat

Ist Ihnen das auch schon passiert, dass Sie vom Arzt zu einer Magnetresonanz-Untersuchung überwiesen wurden, doch am MR-Institut hat man verweigert, Sie zu untersuchen? Eine diskriminierende Erfahrung mancher CI-Nutzer, die aber nicht sein muss!

Buchenholzmöbel vor kalkweißen Wänden, klare Kontraste, gerade Linien – durchbrochen nur vom geschwungenen Anmeldetresen. Der lichtdurchflutete Wartebereich des Röntgeninstituts macht einen einladenden und offenen Eindruck. Martin Hlavnicka ist gekommen, um sich zu einer Magnetresonanz-Untersuchung anzumelden. „Sollten Sie in Ihrem Körper ein Implantat haben, informieren Sie bitte im Vorhinein das Personal“, stand auf der Webseite des Instituts zu lesen. Deswegen hat der CI-Nutzer neben der Verordnung von seinem Orthopäden auch das medizinische Handbuch zu seinem Implantat mitgebracht.

Etwas zögerlich nimmt die Ordinationshilfe die kompakte Broschüre entgegen und wirft kurz einen unschlüssigen Blick darauf. Dann verschwindet sie mit den Unterlagen hinter einer Tür mit der Aufschrift „Untersuchungsraum“. Minuten später ist sie zurück. „Tut uns leid, aber das machen wir nicht. Das ist uns zu riskant.“

Martin Hlavnicka machte ähnliche Erfahrungen bei mehreren Instituten; so wie seine Gattin Hildegard, ebenfalls CI-Nutzerin, und einige ihrer Bekannten mit Hörimplantat. Hörimplantate werden von manchen Röntgeninstituten als „absolute Kontraindikation“, also als zwingendes Hindernis gegen MRs eingestuft. Zusätzlich gibt es bei manchen Instituten – für alle Patienten – lange Wartelisten, während gleichzeitig der Bedarf an dieser bildgebenden Untersuchungsmethode steigt.

Häufigkeit der MR-Untersuchungen steigt

Die Magnetresonanztomographie oder Kernspintomographie, kurz: MRT, MRI oder MR, ist ein diagnostisches Verfahren zur Erzeugung von Schnittbildern des menschlichen Körpers. Im Unterschied zur Computertomographie CT kommt die MR ohne Röntgenstrahlung aus.

Bei der MR-Untersuchung liegt der Patient für etwa 15 bis 40 Minuten bewegungslos in einem starken, röhrenförmigen Magneten. Der erzeugt elektromagnetische Wellen, welche alle Wasserstoffkerne im Magnetfeld in eine Drehbewegung versetzen. Unterstützt durch eine entsprechende Computersteuerung erzeugt das dadurch entstehende Signal Bilder einzelner Schichten des Körpers.

2018 unterzogen sich laut OECD bis zu 14 von 100 Österreichern einer solchen MR-Untersuchung. Auch wenn Ökonomen zu bremsen versuchen, ist die Zahl der Anwendungen – auch international – weiter steigend und wird es vorerst bleiben: Drei von vier Österreichern werden in den nächsten zehn Jahren eine MR-Untersuchung benötigen. Im Unterschied zur Computertomografie CT, die primär Knochenstrukturen darstellt, kann die MR nämlich verschiedene Gewebearten abbilden. Deswegen ist sie für die Beurteilung von Gehirn und Rückenmark, von Gelenken auch mit Knorpel- und Bindegewebsteilen, zur Diagnose bei Erkrankungen des Gallengangs sowie bei Verdacht auf verschiedene Tumorerkrankungen besonders hilfreich.

MR – mit CI und ohne Problem

Bei der MR-Untersuchung werden starke, wechselnde Magnetfelder verwendet – früher meist 1,5 Tesla, heute auch 3,0 Tesla. In solchen Magnetfeldern könnten Metallteile einerseits zu Verletzungen führen, andererseits zu Bildfehlern. Nicht nur Schmuck muss deswegen vor der Untersuchung abgelegt werden, sondern auch Kleidungsstücke mit Metallteilen, Zahnprothesen, Hörgeräte und auch Audioprozessoren von Hörimplantaten.

Die Implantate selbst können nicht einfach abgelegt werden. Daher werden Implantate auf ihre Tauglichkeit für MR-Untersuchungen getestet und jeweils für spezifische MR-Bereiche freigegeben: So sind alle MED-EL Cochlea-Implantate bis 1,5 Tesla kompatibel, ab der Generation SYNCHRONY sogar bis 3,0 Tesla. MED-EL verweist allein für das SYNCHRONY auf über fünf Jahre Erfahrung mit tausenden problemlosen MRs.

Priv.-Doz. Dr. Julia Frühwald-Pallamar hat in ihrer Funktion als ärztliche Leiterin des Instituts Frühwald schon „an die hundert MR-Untersuchungen“ an bis zu 50 Nutzern verschiedener Hörimplantate durchgeführt, ohne ernsthafte Probleme. „Ein Patient hatte sogar schon fünf MRT-Untersuchungen.“

Balance zwischen Patientenservice und Effizienz

„Wir halten uns immer genau an die Herstellerangaben“, erklärt Doz. Frühwald-Pallamar ihre strikte Vorgehensweise: „Bevor ich die Implantat-Karte nicht gesehen habe und die spezifischen Untersuchungsbedingungen dieses Implantats recherchiert habe, kann ich keinen Termin vergeben.“ Diese spezifischen Untersuchungsbedingungen beinhalten technische Vorgaben wie die mögliche Feldstärke oder die zu verwendenden Spulen, aber auch Vorgaben zur möglichen Kopfposition oder zu einem eventuell benötigten Kopfverband. „Gerade bei MED-EL sind diese Infos leicht auffindbar“, bei manchen anderen Herstellern kann die Suche danach länger dauern.

„Wenn ein Institut nicht viel mit Hörimplantat-Patienten zu tun hat, kostet das mehr Zeit.“ Zeit, die nicht extra vergütet wird. „Für Patienten ohne CI bekomme ich die gleiche Vergütung“, zeigt Doz. Frühwald-Pallamar Verständnis für Kollegen, die weniger Erfahrung mit der Untersuchung von Implantat-Nutzern haben und diese ablehnen: „Es kommt dann darauf an, wie serviceorientiert ein Röntgeninstitut den Patienten gegenüber ist.“ Den Patienten rät sie, sich bei der betreuenden CI-Klinik zu erkundigen: „Die Kliniker an der HNO-Abteilung kennen gewöhnlich die Institute in der Umgebung und wissen, wer über geeignete Geräte und Erfahrung verfügt, solche Untersuchungen durchzuführen.“

Beruhigende Sicherheit beim MR

„Einzelne Patienten berichten über unangenehme Geräusche und einen Druck oder Ziehen des Magneten“, erzählt Doz. Frühwald-Pallamar von ihren Erfahrungen mit MR-Untersuchungen bei CI-Nutzern. Durch die magnetische Krafteinwirkung können ungewohnte Empfindungen beim Implantat entstehen, die allerdings nicht ernsthaft zu beunruhigen brauchen: Wenn die jeweiligen MR-Richtlinien für das Implantat eingehalten werden, haben CI-Nutzer weder um sich noch um ihr Implantat zu fürchten.

Die elektromagnetische Einwirkung kann bei CI-Nutzern – auch ohne Audioprozessor – sogar Klangempfindungen erzeugen. Normalhörende Patienten müssen während der Untersuchung im MR-Gerät dafür die lauten Klopfgeräusche ertragen, welche die Geräte während der Untersuchung erzeugen und nur durch Ohrstöpsel oder Kopfhörer gedämpft werden.

Nur leises Klacken zu hören

Auch Veronika Engelmann musste suchen, bis sie ein MR-Institut fand, an dem sie sich gut aufgehoben fühlt: „Dort haben sie mir dann genug Zeit gegeben, mich langsam an das MR-Gerät anzunähern.“ Das Magnetfeld reicht bei MR-Geräten nämlich in den Raum hinein – auch außerhalb der eigentlichen Aufnahmeröhre. Für die meisten Patienten ist das nicht wahrnehmbar: „Mit CI spürt man, wo das Magnetfeld anfängt. Das war spannend zu entdecken! Das hätte ich nicht erwartet.“

„Nicht im Magnetfeld hinsetzen und dann hinlegen!“, so der Praxistipp der Grazerin. Bewegungen zu minimieren reduziere die Einwirkung des Magneten. „Ich bin einfach etwas weiter weg – außerhalb des Magnetfelds – in Rückenlage gegangen und wurde so in die Röhre hineingeschoben.“ In der Röhre dauerte die Untersuchung eine knappe halbe Stunde: „Teilweise habe ich dabei ein leises Klacken gehört, obwohl ich den Prozessor abgelegt hatte. Ich habe schon auch gespürt, dass sich das Implantat gerne bewegen würde – doch mit MED-ELs hohen Sicherheitsstandards für MRs habe ich mir keine Sorgen gemacht.“

„Ohne Bedenken jederzeit wieder!“

Ehepaar Hlavnicka hat mittlerweile ein Röntgeninstitut gefunden, an dem alle nötigen Aufnahmen problemlos durchgeführt werden – ohne jegliche Probleme bei der Untersuchung. Allerdings hat dieses Institut keinen Kassenvertrag: „Wir müssen selbst zahlen“, seufzt Hildegard Schneider-Hlavnicka. Das gehe ins Geld, denn die Krankenkasse erstatte nur einen Teil der Kosten. „Mein Gatte muss wegen seiner chronischen Knieprobleme ja regemäßig zum MR.“ Die Wienerin seufzt: „Wir würden uns wünschen, dass ein MR für uns in Zukunft in jedem Institut funktioniert.“

Veronika Engelmann rät: „Als Patient sollte man auf der Suche nach einem Institut gut informiert sein, weil die Teams an manchen MR-Instituten selbst nicht so viel Erfahrung mit CI-Nutzern haben.“ „Angenehm war die MR-Untersuchung zwar nicht – aber ich werde ohne Bedenken wieder ein MR machen lassen, wenn ich eines brauche“, versichert sie und schmunzelt: „Jetzt weiß ich ja auch schon wo!“


Tipps zur MR-Untersuchung mit Hörimplantat:

  • Die betreuenden HNO-Kliniker wissen meist, welche MR-Institute in der Umgebung Nutzern von Hörimplantaten MR-Untersuchungen bieten. Auch andere Nutzer können bei der Suche helfen.
  • Zur Terminvereinbarung unbedingt mitbringen:
  • Implantat-Karte (bilaterale Nutzer immer beide Karten): Dort sind Hersteller, Typ und Modell genannt.
  • Verfügbare Informationen über MR-Untersuchungen beim verwendeten Implantat: Bei MED-EL Hörimplantate A3-Flyer „MRT-Sicherheitsstatus im Überblick“oder aktuelle Infos auf www.medel.com/important-safety-information
  • Am Tag der Untersuchung nochmals auf das Implantat hinweisen und bitten, dass alle Informationen vorab gegeben werden. Bei der Untersuchung selbst darf der Audioprozessor nicht getragen werden.
  • Noch außerhalb des Magnetfeldes in Position legen und langsam ins Magnetfeld rutschen beziehungsweise sich langsam in die Röhre schieben lassen
  • Unangenehme Geräuschempfindungen während der MR-Untersuchung, ein „Zwicken“ oder „Ziehen“? Das kann vorkommen. Bei gravierenden Bedenken oder erheblichem Unwohlsein können Sie mit dem sogenannten „Notfall-Ball“ jederzeit den Radiologietechnologen erreichen und die Untersuchung abbrechen. Doch keine Sorge, Sie und Ihr Implantat sind sicher: Ihr Röntgenspezialist kennt alle relevanten Sicherheitsmaßnahmen und hält diese ein.

Die MR-Garantie von MED-EL!

Seit 27. Jänner 2021 gewährt MED-EL für alle seine Mehrkanal-Cochlea- und Hirnstammimplantate sowie die BONEBRIDGE Implantate und das VIBRANT SOUNDBRIDGE VORP 503 Implantat – zusätzlich zu den lokal gültigen, zwingenden gesetzlichen Gewährleistungsbestimmungen – eine lebenslange, weltweite Garantie gegen

  • Beschädigung des Implantats
  • Dislozierung des Implantatmagneten
  • Demagnetisierung des Implantatmagneten
  • Beschädigung des Implantats während einer ordnungsgemäß durchgeführten Magnetentnahme

als unwahrscheinliche Folge einer MR-Untersuchung. Voraussetzung ist die Einhaltung der Untersuchungsrichtlinien des jeweiligen Implantats. Die Garantie gilt auch für bereits implantierte Systeme – ausgenommen ist einzig der VORP 502, das ist die alte Bauart des Mittelohrimplantats.

MED-EL ist der einzige Hersteller, der eine solche Garantie anbietet. Die Firma beruft sich dabei auf seine jahrzehntelange positive Erfahrung mit solchen Untersuchungen und verweist auf Wichtigkeit und Dringlichkeit solcher Untersuchungen: „Rascher Zugang zu MR-Untersuchungen senkt das Risiko für Fehldiagnosen.“

Details auf go.medel.com/mri-guarantee-terms 

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