Hörimplantate gegen Depression

Hörverlust kann die Lebensqualität nachhaltig beeinträchtigen und Depressionen auslösen, adäquate Hörgeräte oder Hörimplantate können wesentlich gegensteuern. Nun zeigt eine Studie aus Großbritannien bisher unbekannte wirtschaftliche Zusammenhänge auf.

hören gegen depression

Lebensqualität ist multidimensional und umfasst körperliches, materielles, soziales und emotionales Wohlbefinden. Hörprobleme beeinträchtigen über die Kommunikation den sozialen und emotionalen Bereich. Laut einer 2012 publizierten Studie aus Italien sind hörbeeinträchtigte Senioren allgemein unzufriedener mit ihrem Leben; jeder Dritte klagt zudem über nur befriedigende oder gar schwache Gesundheit – im Vergleich zu nicht einmal jedem zehnten normalhörenden Senior. Durch die Auswirkung der Höreinbußen auf Informationsaustausch und -erwerb kann zudem auch die Einkommenssituation als materieller Aspekt der Lebensqualität beeinflusst werden – so konnte 2010 eine Arbeit zu ökonomischen Aspekten der Cochlea Implantation[1] aufzeigen, dass sich das Wiederherstellen des Hörvermögens in vielen Fällen positiv auf die Einkommenssituation auswirkt.

Neue Erkenntnisse aus der English Longitudinal Study of Ageing, kurz: ELSA, ergänzen nun die bekannten Fakten: Eine Auswertung der umfangreichen Datensammlung zeigt, dass die wirtschaftliche Situation der Betroffenen auch umgekehrt die Auswirkung der Hörprobleme auf die Psyche maßgeblich mit beeinflusst.

Alle Studien, welche die Auswirkung von Hörhilfen auf die Lebensqualität untersucht haben, konnten zeigen, dass sich innerhalb des ersten Jahres nach der Anpassung der Hörhilfe die Lebensqualität wieder deutlich verbessert.

Hörprobleme, Geldnot und Depression

Depression ist eine psychische Erkrankung, die sich durch andauernde gedrückte Stimmung, Grübeln, Hoffnungs- und Antriebslosigkeit zeigt; hinzu können körperliche Beschwerden kommen. Depression ist nicht auf eine einzige Ursache oder einen bestimmten Auslöser zurückführbar, kann sich aber aus dem Zusammenspiel unterschiedlicher, begünstigender neurobiologischer und psychosozialer Faktoren entwickeln. Dazu zählen frühe traumatische Erlebnisse, Hormonschwankungen oder Einsamkeit; akute Verlusterlebnisse oder chronische Überlastung gehören ebenso zu den möglichen Auslösern wie akute Ängste oder wirtschaftliche Sorgen.

Schon seit über 20 Jahren ist bekannt, dass auch Hörverlust einer jener Faktoren sein kann, die in weiterer Folge an der Entwicklung von Depressionen beteiligt sind. „Unbehandelter Hörverlust verschlechtert Lebensqualität in Bezug auf Isolation, reduzierte soziale Kontakte, […] und Symptome von Depression“[2], zeigte 2003 ein Überblick über wissenschaftliche Studien, die sich mit den Auswirkungen von Hörverlust auf Alltag und Lebensqualität befassen. Im selben Jahr warnte ein Team der Universität Wisconsin-Madison in den USA davor, Hörverlust als unwichtige oder unausweichliche Begleiterscheinung des Alterns abzutun und fasste zusammen: „Der Schweregrad von Hörverlust steht im Zusammenhang mit dem Grad der Reduktion an Lebensqualität.“[3]

Nun analysierten Wissenschaftler der Universität Manchester anhand der Daten der ELSA-Untersuchung den Zusammenhang zwischen Höreinschränkungen, Depressionen und wirtschaftlicher Situation: Während Schwerhörigkeit bei wohlhabenden Menschen kaum ein Depressionsrisiko darzustellen scheint, sind schwerhörige Personen mit geringem Haushaltseinkommen doppelt so gefährdet, an Depressionen zu erkranken, wie Normalhörende. Da die Verwendung von Hörhilfen dem nachweislich entgegenwirkt, empfehlen die Studienautoren entsprechende Hörtests zur frühen Identifikation und Intervention.

Lebensqualität und Alter studieren

In den letzten Jahrzehnten wurden international mehrere umfangreiche und umfassende Studien zum letzten Lebensabschnitt[4] initiiert. Sie sammeln jeweils Daten unterschiedlicher Lebensbereiche, um die verschiedenen Aspekte des Alterns und deren Zusammenhänge zu untersuchen.

In England wurden bei ELSA seit 2002 über 18.000 Personen älter als 50 Jahre alle zwei Jahre befragt und untersucht: zu körperlicher und geistiger Gesundheit, allgemeinem Wohlbefinden, wirtschaftlicher Situation und ihrer persönlichen Einstellung zum Thema Altern. Die Daten werden von verschiedenen Wissenschaftsgruppen in unterschiedliche Richtungen ausgewertet. Mit der Analyse solcher Datensammlungen ist es möglich, auch ungewöhnliche oder überraschende Zusammenhänge aufzuzeigen.

English Longitudinal Study of Aging, ELSA: https://www.elsa-project.ac.uk


[1] W.-D. Baumgartner (2010), Cochlea Implantation – Eine ökonomische Analyse, Master Thesis MBA, Health Care Management Wien; W.-D. Baumgartner, Cochlea Implantate – eine ökonomische Analyse, Wiener Medizinischen Wochenschrift Skriptum 8/2010, Springer-Verlag

[2] S. Arlinger, Negative consequences of uncorrected hearing loss – a review, International Journal of Audiology 2003; 42:2S17-2S20

[3] D. S. Dalton et al., The impact of Hearing Loss on Quality of Life in Older Adults, The Gerontologist, Vol. 43, No. 5, 2003

[4] U.S. HSS Dep. of Health & Human Services – Longitudinal Studies of Aging www.cdc.gov/nchs/lsoa/index.htm,
Baltimore Longitudinal Study of Aging https://www.nia.nih.gov/research/labs/blsa,
Harvard Study of Adult Development https://www.adultdevelopmentstudy.org/,
Oxford longitudinal studies of ageing https://academic.oup.com/ageing/pages/longitudinal_studies_of_ageing

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