Schwindelig sind viele Menschen schon nach einer ausgelassenen Karussell-Fahrt. Welche Ursachen noch hinter diesem Gefühl stecken können und was das alles mit dem Ohr zu tun hat, hat die Gehört.Gelesenbeim Schwindel-Spezialisten Oberarzt Dr. Wolfgang Schneidinger vom Krankenhaus der Barmherzigen Schwestern in Linz nachgefragt.

„Schwindel ist keine Erkrankung an sich“, erklärt Dr. Schneidinger. Es gäbe schon eigentliche ‚Schwindelerkrankungen‘, doch letztlich müsse man von einem Symptom sprechen. Ähnlich Fieber, das selbst ja auch keine Erkrankung darstellt, doch unterschiedlichste Erkrankungen und Beanspruchungen des Körpers anzeigen kann. Die Tatsache, dass die beiden englischen Ausdrücke vertigo und dizzinessim Deutschen mit Schwindelzusammengefasst werden, verdeutliche die Vielfältigkeit an Schwindelgefühlen. Dizzinessbeschreibt das Gefühl, wenn die Wahrnehmung verschwimmt und der Betreffende das Bewusstsein verliert, während vertigofür Drehschwindel und ähnliche Erscheinungen steht.

Hundert gute Gründe

„Schwindel ist eine Unsicherheit des Körpergefühls im Raum“, so der Kliniker. Um Sicherheit im Raum zu gewinnen, bedient sich der Körper dreier Systeme: der Augen (visuelles System), der Tiefenwahrnehmung durch Muskeln und Hautrezeptoren (propriozeptives System) und des Gleichgewichtsorgans (vestibuläres System im Innenohr), deren Signale im Gehirn miteinander verbunden und verarbeitet werden. Eine Störung in einem der genannten Teile oder im Zusammenspiel der drei Komponenten genügt, um Schwindel auszulösen.

Auch übermäßiger Alkoholgenuss könne Schwindel auslösen, bestätigt Dr. Schneidinger: „Alkohol hat sowohl direkte Wirkung auf die Bogengänge des vestibulären Systems, wie auch eine zentrale Wirkung.“ Wenn der Schwindel am nächsten Tag wieder vorbei ist, sei das soweit unbedenklich. Es gibt aber über 100 verschiedene, leider nicht immer so harmlose Ursachen für Schwindel. „Deswegen ist es wichtig, gegebenenfalls den Hausarzt aufzusuchen.“ Nach dem Anamnesegespräch und wenigen einfachen Untersuchungen sei in 80 Prozent der Fälle eine mögliche Ursache klar eingrenzbar. Dann könne je nach Bedarf die Zuweisung an den jeweils zuständigen Facharzt erfolgen.

Manche Schwindelanfälle sind so heftig, dass die Patienten mit der Rettung ins Spital gebracht werden. Die Ursachen seien aber meist recht harmlos. Einzig Stakkato-artig auftretender Schwindel, gepaart mit heftigem Kopfschmerz und einer Neigung zu fallen, würde die umgehende Konsultation eines Neurologen nahelegen.

Mit Schwindel beim HNO-Arzt

Patienten mit Dreh- oder Schwankschwindel und ähnlichen Empfindungen sind beim Hals-Nasen-Ohren-Spezialisten in versierten Händen.

Häufiger Vertreter HNO-bezogener Schwindelerscheinungen ist der lästige Lagerungsschwindel, bei dem es bei bestimmten Bewegungen, Lagerungsänderungen, zu heftigem, doch sehr kurzfristigem Drehschwindel kommt. Ursache sind einzelne Kristalle, die sich im Innenohr aus dem Übergang zwischen Bogengängen und Schnecke losgelöst haben, in einen Bogengang einwandern und dort stören. Jeder dritte Erwachsene habe bis zum 75. Lebensjahr solche Beschwerden, die sich aber durch gezielte physiotherapeutische Maßnahmen beseitigen ließen.

Auch Neuropathie Vestibularis, ein plötzlicher Gleichgewichtsausfall mit heftiger Übelkeit, tritt häufig auf, ist aber in der Regel heilbar.

Liegt eine Kombination aus Schwindel, Tinnitus und Hörverlust besonders im Tieftonbereich vor, spricht man von einem Menière-Symptom-Komplex. Häufig kommt auch ein Fülle-Gefühl im Ohr dazu. Die Schwindelattacken dauern dabei über mehrere Stunden und werden von Übelkeit und Erbrechen begleitet, die Häufigkeit reicht von jährlich bis mehrmals wöchentlich.

Morbus Menière

Morbus Menière ist eine seltene Erkrankung und seine Ursachen sind noch nicht eindeutig geklärt – Infektionen oder Anlage könnten eine Rolle spielen. Auch eine eindeutige Diagnose ist schwierig. Man kann versuchen, der Menière diagnostisch näher zu kommen, wenn man mittels Audiometrie den Hörverlust im Tieftonbereich nachweist, der aber nur während eines Anfalls nachweisbar ist. Sonst lässt sich Morbus Menière nur über eine kostspielige Magnetresonanztomographie nachweisen.

Wenn der Leidensdruck es rechtfertigt, kann man medikamentös oder chirurgisch eingreifen, aber diese Verfahren sind in der Mehrzahl sehr endgültig. Es gibt sehr verschiedene Verlaufsformen des Morbus Menière. Wenn die Attacken sehr häufig auftreten und ein progredienter Hörverlust mit einher geht, also das Hörvermögen auch zwischen den Schwindelattacken zunehmend verloren geht, muss man das Ausbrennendes Menière befürchten: ein Ertauben, das andererseits von den Schwindel- und Tinnitus-Attacken befreit.

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