CIA war durch Hilde Renner und Dominique Sturz (Usher Kontakt CIA) bei der EDF (European Disability Forum) Veranstaltung 16. November 2018 in vertreten

Dominique Sturz, Patient Advocate for Usher Syndrome & Rare Diseases

Am 16. November 2018, an einem sonnigen Freitagnachmittag, besuchten Hilde und ich die vom European Disability Forum (EDF) gemeinsam mit dem Österreichischen Behindertenrat (ÖBR) organisierte Veranstaltung zu „AI for Accessibility“. Im Wesentlichen ging es um die positiven Beiträge künstlicher Intelligenz (KI) für Menschen mit Behinderungen im Sinne von Barrierefreiheit.

Die Interessen und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen müssen in die EU-Politik zu Barrierefreiheit einfließen. Da Cochlea-Implantat-Träger überwiegend lautsprachlich kommunizieren, unterscheiden sich ihre Erfordernisse wesentlich von jenen der Gehörlosen-Community, die hauptsächlich Gebärdensprache als Kommunikationsform nutzt. CI-Träger hingegen brauchen ebenso wie Schwerhörige, die mit Hörgeräten versorgt sind, – wenn überhaupt – in bestimmten Situationen Untertitel oder Schriftdolmetschung und in manchen Fällen Induktionsschleifen zum besseren Hören und für das Sprachverständnis. EURO-CIU und die European Federation of the Hard of Hearing (EFHOH) vertreten hier dieselben Interessen.

In den einleitenden Worten von EDF-Präsidenten Yannis Vardakastanis und ÖBR Geschäftsführerin Gabriela Sprengseis kam „e-inclusion“ als Möglichkeit, „e-poverty“ zu verhindern zur Sprache, soll doch durch Inklusion bei der Digitalisierung verhindert werden, dass die Kluft zwischen Menschen mit Behinderung und jenen ohne Behinderung größer wird.

Im ersten von Michael Fembeck, Essl Foundation, moderierten Teil führten uns die drei Sprecher von Microsoft, Google und Facebook in die Kernprinzipien von Artificial Intelligence ein: Fairness, Verlässlichkeit und Datensicherheit, Privatsphäre und Datenschutz, sowie Inklusion und Barrierefreiheit. Auch Transparenz und Verantwortungsbewusstsein wurden genannt. Google stellte Lookout für Menschen mit Sehbehinderung vor, Facebook präsentierte seine Tools Automatic All Text – AAT – (Bildbeschreibung), Gesichtserkennung und automatisches Mitlaufen von Untertiteln. Alle drei Unternehmen arbeiten mit interdisziplinären inklusiven Teams, in welchen Menschen mit Behinderungen mitwirken, um ihre Bedürfnisse und Ideen einzubringen.

Der zweite Teil wurde von der EU Behindertensprecherin Immaculada Placencia Porrero geleitet. Microsoft, Amazon, Essl Foundation und die EFHOH präsentierten ihre Sicht auf das Thema Inklusion und ihren jeweiligen Beitrag zu entsprechenden Lösungen dazu: z.B. gehört es zu Microsofts Unternehmenskultur, Mitarbeiter mit Autismus anzustellen. Dies trägt dazu bei, dass Autismus in der Gesellschaft heute ganz anders wahrgenommen wird als das bis vor Kurzem noch der Fall war. Des Weiteren wurden uns automatische Untertitel und Schriftdolmetschung für Menschen mit Schwerhörigkeit oder Bildbeschreibung für Menschen mit Sehbehinderung als inklusive assistive Technologien vorgestellt. Wir erfuhren auch von einem Programm der Essl Foundation: Zero Project ist ein Aus- und Weiterbildungsprogramm für ein Leben in Unabhängigkeit und mit politischer Teilhabe. Pilar und Marcel von der EFHOH sprachen über Bild und Medien, Textzugang in Echtzeit, Trainingsmaterialien für Schriftdolmetscher, Untertitelung, Veloptype -Tools, die Menschen mit Hörverlust – mit oder ohne CI oder Hörgeräte – sehr gut kennen.

Der diesjährige Helen Keller-Preis ging an Amazon, die cloud-basierte persönliche Assistentin Alexa wurde uns vorgeführt, oder besser gesagt, sollte dem Auditorium vorgeführt werden. Aus „plug and

play“ wurde nämlich „plug and pray“, Alexa tat nicht immer, was sie tun sollte, oder eben nur zeitverzögert, da die Internetverbindung nicht perfekt war… Jedenfalls kann sie für Menschen mit Sehbehinderung eine wertvolle Unterstützung bieten. In Entwicklung befindet sich gerade „Alexa to tap“, eine wertvolle Assistentin für Menschen mit Hörbehinderung, die durch Antippen oder Spracheingabe gesteuert werden kann.

Im dritten und letzten Teil der Veranstaltung, deren Vorsitz der Politikkoordinator des EDF Alejandro Moledo führte, erhielten wir einen Überblick der Artificial Intelligence High Level Group der EU über deren jüngste Empfehlungen und Richtlinien zur Sicherstellung von Barrierefreiheit bei der Entwicklung von neuen AI-basierten Technologien.

Zum Abschluss präsentierte Alejandro Moledo eine Umfrage, deren Ergebnis deutlich den positiven Effekt von Artificial Intelligence für Menschen mit Behinderungen aufzeigte, solange ihre Ideen und Ansichten bei Entwicklung und Design berücksichtigt werden.

Zusammenfassend kann man sagen, dass Artificial Intelligence und die neuen Technologien eine Vielzahl an Chancen und Möglichkeiten auch für CI-Träger bieten! Zwischen den höchst interessanten Vorträgen fanden Hilde und ich erfreulicherweise auch die Zeit, mit den Organisatoren und Vortragenden ins Gespräch zu kommen und Awareness für die CI-Community zu schaffen.

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