Mein gutes musikalisches Gehör hat mein Leben verändert. Über Taubheit und ihre Auswirkungen habe ich mir erst viel später Gedanken gemacht.

Peter Rapp, Entertainer & Musiker

Mein musikalisches Gehör ermöglichte mir die Aufnahme in den berühmtesten Knabenchor der Welt, die Wiener Sängerknaben. Das war in den 1950er Jahren und hundert Buben aus ganz Österreich wollten in den Chor. Dabei zu sein versprach ein interessantes Leben und eine fundierte Ausbildung.

Dementsprechend schwierig war die Aufnahmeprüfung. Vor allem der schwierige Test „Singen nach dem Gehör“ ist mir in Erinnerung geblieben. Der Prüfer spielte eine Folge von Tönen auf dem Klavier und der Prüfling musste sie aus dem Gedächtnis nachsingen.

Ich wurde aufgenommen und begann ein neues Leben. Ein Leben, in dem Musik die Hauptrolle spielen sollte – von Klassik bis Rock & Roll, dem ich bis heute treu geblieben bin.

In dieser Zeit gab es viele, die ihr Gehör verloren hatten – durch Explosionen im Krieg, leider auch manchmal durch Ohrfeigen, bei denen ein Trommelfell platzte. Aber es gab so viele mit Verwundungen und anderen Handicaps, dass man sich nur selten Gedanken machte, wie ein Mensch in völliger Stille sein Leben führen konnte.

Das erste Mal, dass ich über Taubheit nachdachte, war, nachdem ich die Lebensgeschichte der Helen Keller gelesen hatte. Helen Keller verlor allerdings mit dem Hörvermögen gemeinsam auch das Augenlicht im Alter von eineinhalb Jahren. Erst ihre brillante Lehrerin Anne Sullivan öffnete ihr das Fenster zur Welt, indem sie die kleine Helen Gegenstände berühren ließ und ihr Worte in die Hand buchstabierte. Helen Keller wurde eine berühmte Schriftstellerin und starb 88-jährig im Jahre 1968.

So allmählich nahmen US-Serien die Besonderheit der Taubheit in ihr Programm auf. Auch in Filmen kam „Lippen lesen“ und Gebärdensprache vor.

Aber es vergingen Jahrzehnte, bis mir an einem 24. Dezember in der Sendung Licht ins Dunkel zwei Kinder vorgestellt wurden, bei denen ich nie vermutet hätte, dass sie einmal taub gewesen waren.

Für mich ein Wunder

Wir hatten damals Vertreter der Großspender zum Gespräch eingeladen und Ewald Thurner von der Firma MED-EL brachte zu dem Gespräch drei Kinder mit: Seine Tochter Barbara und die gleichaltrige Sophie, beide im Volksschulalter, sowie den etwas älteren Max. Sophie und Max, so erklärte man mir, waren taub geboren, doch mit Cochlea-Implantaten versorgt, die ihnen das Hören und damit auch den Spracherwerb ermöglichten.

Thurner erzählte über die einzigartige Technologie, die hinter der österreichischen Entwicklung der Implantate steht, und wie die Firma mit ihrer Spende die Betroffenen auch nach einer Implantation unterstützen möchte. Die Sensation aber waren die drei Kinder, die gleichermaßen ungezwungen miteinander und mit mir plauderten. Für mich jedenfalls war es ein Wunder, dass man einen

lebensnotwendigen Sinn zurückgeben kann. Das gibt Hoffnung für das höhere Alter, wenn plötzlich die Ohren nicht mehr mitspielen wollen.

Nicht auszudenken, was der Welt noch hätte geschenkt werden können, wenn es diese Erfindung und Technik schon zu Lebzeiten von Beethoven gegeben hätte.

Apropos Beethoven: Alles rund um den großen österreichischen Komponisten gab es Haus der Musik in der Wiener Innenstadt zu sehen, wo ich anlässlich des MED-EL Publikumstages HÖREN BEWEGT am 13. März als Moderator durch das Vortragsprogramm führen durfte. Wieder eine schöne Gelegenheit, Menschen zu treffen, die mit ihrem Hörsystem gut versorgt und glücklich sind und Musikhören (wieder) zum fixen Bestandteil ihres Lebens gehören darf.

Kategorien

Aktuelle Ausgaben

Werden Sie jetzt Mitglied!

Werden Sie Teil einer großen Gemeinschaft und nutzen Sie viele Vorteile!