Seit 3. Juli 2019 ist der neue CI-Audioprozessor SONNET 2 verfügbar! Er baut auf die bewährte Technologie des SONNET auf und bietet zahlreiche zusätzliche Features, wie etwa den AudioKey für Smartphones.

“Früher bin ich in einen Ferrari eingestiegen, mit dem SONNET 2 klingt er aber wie ein Renault“, seufzte CIA Obmann Hans Horak, als er den SONNET 2 testete. Er ergänzte zwinkernd: „Anfangs war ich sauer, aber letztlich muss ich zugeben: Ich fahre tatsächlich einen Renault.“

Für erfahrene Nutzer von MED-EL Cochlea-Implantat-Systemen ist die erweiterte Bearbeitung des Schalls am Eingang die deutlichste Veränderung beim neuen Prozessor: Neben den bereits bewährten Systemen für optimierte Eingangsdynamik, richtungsabhängige Signalaufnahme und Rauschunterdrückung ist nun auch intelligente Schallverarbeitung für vordefinierte Hörsituationen mit zwei Arten der Reduktion von Störschall verfügbar.

Was alles stören könnte

Eine Störschallunterdrückung des SONNET 2 reduziert jene Störgeräusche, die sich rasch und deutlich ändern, wie etwa das Klappern von Geschirr. Die andere Störgeräuschunterdrückung dämpft stetigen Lärm, damit beispielsweise das Gebläse eines Föns oder besagte Motorengeräusche weniger aufdringlich klingen.

Gerade progredienter Hörverlust beginnt oft schleichend. Vielen Betroffenen ist anfangs nicht bewusst, was sie alles nicht mehr hören: Die Kühlung am PC, die Autos vor dem Fenster, die Vögel im Garten. Mit dem CI werden – neben Sprache und Musik – auch diese Nebengeräusche wieder wahrgenommen. Auch wenn die Freude über die schnurrende Hauskatze groß ist: Andere Nebengeräusche werden oft als störend empfunden, und erweisen sich als hinderlich für das Sprachverstehen – besonders für Betroffene, die längere Zeit ohne diesen ständigen „Geräuschteppich“ gelebt haben. Werden progredient ertaubte Personen zu CI-Nutzern, kann ihnen das Filtern dieser Geräusche helfen.

„Der SONNET 2 verwendet eine ganz Elektronikplattform und hat dadurch fast doppelt so viel Rechenpower wie die Vorgänger-Modelle“, erklärt Mag. Alexander Burtscher aus der MED-EL Zentrale in Innsbruck. Diese Rechenleistung ermöglicht eine rasch arbeitende Adaptive Intelligenz, die wahlweise aktiviert werden kann. Sie passt die Einstellung des Audio-Prozessors SONNET 2 automatisch an die aktuelle Hörumgebung an: Sprache, Musik, Lärm, Ruhe oder Sprache bei lauten Hintergrundgeräuschen. Sprache wird dabei gegenüber anderen Geräuschen bevorzugt.

Adaptive Einstellung hilft beim Verstehen

„Beim Heurigen konnte ich ungehindert plaudern, obwohl neben uns ein Akkordeonspieler musiziert hat“, freute sich eine Testerin des SONNET 2, eine andere beklagte: „Wenn jemand spricht, verschwindet die Hintergrundmusik total – das mag ich gar nicht.“ Manchmal mag es sinnvoll sein, die Automatik zu deaktivieren, im Alltag ist sie aber meist hilfreich. So erklärte einer der Tester: „Beim Ausräumen des Geschirrspülers oder beim Staubsaugen habe ich den Audioprozessor früher abgenommen. Das ist mit dem neuen SONNET 2 hinfällig, denn damit höre ich diese Geräusche deutlich angenehmer.“ Und weiter: „Auch beim Zufallen einer Tür oder wenn ein LKW fährt, mildert der SONNET 2 diese Geräusche. Dadurch bin ich im Alltag entspannter.“ Weil individuelle Hörgewohnheiten unterschiedlich sind, kann die automatische Anpassung wahlweise aktiviert oder deaktiviert werden.

Wie gezielt die adaptive Einstellung das Verstehen von Sprache bei Hintergrundgeräuschen unterstützen kann, durfte CIA Obmann Hans Horak erleben: „Zu viert im Auto war trotz Autoradio sogar die Unterhaltung in der Gruppe möglich.“1 Auch der siebenjährige Florian hat den SONNET 2 ausprobiert. Seine Mutter ist begeistert: „Auf der Heimfahrt habe ich im Auto mit ihm gesprochen und er hat mich verstanden, ohne dass ich mich umgedreht habe. Das war völlig neu und ein echter Wow-Moment für mich!“

Smart hören mit dem Smartphone

Ein anderes Merkmal macht den neuen SONNET 2 besonders für junge Nutzer attraktiv. Denn viele davon haben ihr Smartphone immer dabei: zur Kommunikation über Telefon und Soziale Medien, als Abspielgerät für Musik – und mit der entsprechenden Applikation ausgestattet nun auch als eigenständige Fernbedienung für den SONNET 2.

Über die Applikation AudioKey kann das Smartphone den SONNET 2 direkt steuern: Lautstärke und Programm, aber auch die gewünschte Audioquelle – das eingebaute Mikrofon, Induktion, oder ein Zusatzgerät – kann über das Smartphone angewählt werden. Ein einzelner Prozessor kann von bis zu 15 Smartphones angesteuert werden. Bei CI-Kindern können damit auch mehrere Betreuungspersonen auf einfachstem Weg die Funktion der Audioprozessoren kontrollieren und unterstützen. Unterschiedlichen Betreuungspersonen können unterschiedliche Rechte in der Steuerung zugeordnet werden können: Die komplette Steuerung des Prozessors oder nur einzelne Funktionen. Und umgekehrt kann eine Betreuungsperson bis zu 15 Prozessoren kontrollieren, beispielsweise Pädagogen in einer Kindergartengruppe oder Schulklasse.

App Audiokey ortet einen Prozessor

Die Applikation AudioKey kann den SONNET 2 umschalten und auslesen und sogar den verlorenen Prozessor orten. ©Daniel Zangerl

Mehr als eine Fernbedienung

Wenn Sie Ihren SONNET 2 über die App steuern, können Sie die Fernbedienung also getrost zuhause lassen. Aber natürlich steht auch weiterhin eine unabhängige Fernbedienung zur Verfügung: Der bewährte FineTuner wurde in seiner Funktion erweitert und steht nun als FineTuner Echo zur Verfügung. Mit FineTuner Echo haben beidseits implantierte Nutzer beide Prozessoren gleichzeitig voll im Blick und voll im Griff. Mit jeweils einem einzigen Knopf können Programm, Lautstärke, Empfindlichkeit des Mikrofons oder die Eingangsquelle gewählt werden. Neben dem Mikrofon für auditiven Schall oder dem Eingang für Induktion steht nun auch ein Mute-Modus zur Verfügung, sowie der Eingang über das Zubehör AudioLink.

Ebenfalls mit nur einem Tastendruck ist die Tastensperre aktivierbar. Alexander Burtscher hat die Produkttests betreut: „Besonders das Display am FineTuner Echo wurde oft gelobt.“ Die spezielle Anzeige sorgt für gute Lesbarkeit, unabhängig von Lichteinfall und Umgebung – vergleichbar mit dem E-Book Reader von Kindle.

Sei dein eigener Troubleshooter!

Mehr als eine einfache Fernbedienung, bietet FineTuner Echo auch die Möglichkeit, die ordnungsgemäße Funktion des Prozessors zu überprüfen. Bisher stand Nutzern von MED-EL CI-Systemen oder deren Eltern und Betreuern das graue Test-Blättchen zur Verfügung, um die Funktion des Mikrofons am Prozessor zu überprüfen. Dieses Prüfwerkzeug wurde nun in den FineTuner Echo implementiert.

Zusätzlich bietet FineTuner Echo Information über den Ladestatus der Prozessor-Batterien. Das vereinfacht nicht nur die Fehlersuche bei eventuellen Fehlfunktionen, es macht auch die Planung für Batterie- und Akkuwechsel einfacher. Damit bietet der FineTuner Echo besonders Eltern kleinerer CI-Kinder zusätzlichen Komfort in der Handhabung. Sollte der Prozessor gar verloren gehen, unterstützt die Suchfunktion im AudioKey das Wiederfinden – mit Range Finder sogar auf 30 Zentimeter genau.

Der FineTuner Echo kann auch mit dem Vorgängermodell SONNET arbeiten, mit der implementierten Testfunktion können alle aktuell verwendeten Prozessoren auf ihre Funktion überprüft werden!

Das automatische Hörtagebuch

Der SONNET 2 kann, wie schon das Vorgängermodell, die Verwendung der einzelnen Programme und Lautstärken aufzeichnen. Darüber hinaus kann im DataLogging auch das verwendete Zubehör oder die Häufigkeit der Hörsituation gespeichert werden, wie sie mittels Adaptiver Intelligenz klassifiziert wird.

„Manchmal schalten Nutzer irrtümlich auf ein anderes Programm und wundern sich dann über unerwartete, teils nicht zufriedenstellende Höreindrücke. DataLogging hilft, solche Probleme nachzuvollziehen und zukünftig zu vermeiden“, erzählt Bashar Hindo, MSc, Senior Clinical Engineer bei MED-EL. „Diese Statistik über die individuelle Nutzung hilft mir als Techniker, die CI-Nutzer besser und zielgerichteter zu beraten und die Anpass-Strategie entsprechend anzupassen. Viele Nutzer kommen auch mit konkreten Daten zur Nutzung besser zurecht als mit verbalen Formulierungen.“ Solche konkreten Daten aus dem DataLogging können in der Smartphone-Applikation AudioKey mobil und vom Nutzer selbst eingesehen werden.

Die Zukunft beginnt jetzt!

MED-EL erfüllt seine Versprechen! Mit dem neuen AudioLink wird auch kabelfreies Hören mittels Bluetooth Low Energy möglich!2 Der kleine Zusatzteil findet bequem in der Hosentasche oder Handtasche Platz und macht den SONNET 2 zu einer vollwertigen, kabelfreien Freisprechanlage für das Smartphone, zum kabelfreien Kopfhörer für diverse Audiogeräte oder sogar zum Funkmikrofon. Das ist auch für jene Nutzer interessant, die mit der Klangqualität ihres bisherigen Prozessors zufrieden sind – wie Max Valenta, der sich freut: „Das Streaming über den AudioLink wird sicher spannend!“

Da der AudioLink auch mit dem SONNET kompatibel ist, werden auch für SONNET Audioübertragungen mittels Bluetooth nun Realität. Damit löst MED-EL wieder ein Versprechen ein, das es seinen Nutzern bei Einführung der drahtlosen 2,4 GHz-Technologie für die Zukunft gegeben hat.

Bestes Hören – für alle MED-EL CI-Nutzer

Natürlich sind auch die bisher gewohnten und beliebten Anschlussmöglichkeiten über Induktion oder den direkten Audioanschluss in der FM-Hülse weiterhin möglich, sowie die Einbindung in Roger-Kommunikationssysteme mittels Roger 21.

Damit die Vielfalt der Möglichkeiten nicht verwirrt, kann man den Prozessor natürlich auch ohne Zusatzteile und vollautomatisch nutzen. Verwendung findet nur, was vom Nutzer erwünscht wird: Ein Prozessor, auf die individuellen Bedürfnisse des jeweiligen Nutzers zugeschnitten.

Bei MED-EL eigentlich selbstverständlich, aber doch ein bemerkenswertes Alleinstellungsmerkmal im Vergleich mit mancher Konkurrenz: Der neue SONNET 2 ist ab sofort mit allen MED-EL Cochlea-Implantaten kompatibel – auch mit den allerersten digitalen CIs, den CI 40. Damit ist der SONNET 2 der neueste Audioprozessor für alle MED-EL CI-Nutzer, die seit 1994 implantiert wurden! MED-EL ist der einzige CI-Hersteller, der auch seinen ersten Kunden immer auch aktuellste Prozessor-Technologie verfügbar macht. Alexander Burtscher weiß von den Produkttests: „Die überwiegende Mehrheit der Tester hätte den neuen Prozessor gerne gleich behalten.“

Weitere Infos zum Thema: auf http://blog.medel.com

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