Scheinbar harmlose Kinderkrankheiten können Höreinschränkungen und Ertaubung nach sich ziehen. Rechtzeitiges Impfen vermeidet manche Krankheiten, die dem Hörvermögen gefährlich werden könnten.

Die MMR-Impfung ist eine Kombinationsimpfung gegen Masern, Mumps und Röteln. Seit sie in Österreich eingeführt wurde, ist mit der Reduktion der Rötelerkrankung schwangerer Frauen auch der häufigste Auslöser für angeborene Schallempfindungsschwerhörigkeit selten geworden. Auch Masern und Mumps und manch andere Viruserkrankung, sowie einige bakteriell verursachte Erkrankungen können Hörverlust verursachen – nicht nur bei Ungeborenen, sondern auch bei Kindern und Erwachsenen. In manchen Fällen verursacht die Erkrankung selbst zwar keine Hörschäden, führt aber zu einer Folgeerkrankung, die ihrerseits das Hörvermögen schädigt: Typisches Beispiel dafür ist Hirnhautentzündung, Meningitis, als typische Komplikation einiger Kinderkrankheiten.

Impfungen schützten nicht nur den Geimpften selbst gegen die jeweiligen Erkrankungen, sondern bei ansteckenden Krankheiten auch jene Mitmenschen, die zwar nicht geimpft werden können, sich nun aber auch nicht beim Geimpften anstecken können: Säuglinge, die für die Impfung noch zu jung sind, oder kranke und alte Menschen, deren Immunsystem für eine Impfung zu schwach ist. Das gilt in erster Linie für nahe Angehörige. Wenn durchschnittlich zumindest 19 von 20 Personen geimpft sind, ist damit sogar die gesamte Bevölkerung geschützt. Kinderlähmung ist ein Beispiel für eine Erkrankung, die durch diese sogenannte Herdenimmunität in Österreich als ausgerottet gilt.

Die vielen Gesichter des Varizella-Zoster-Virus

Windpocken, Feuchtblattern, Schafblattern, Wasserpocken, Spitzblattern oder Wilde Blattern – der Volksmund hat viele Namen für Varizella. Typisch ist ein bläschenförmiger Hautausschlag, der heftig jucken kann. Ausgelöst wird die Krankheit durch das Varizella-Zoster-Virus VZV, auch Humanes Herpesvirus 3 – HHV-3 genannt. Sie ist hochansteckend, und das schon bis zu zwei Tage vor Auftreten der ersten Symptome. Das Virus kann über direkten Kontakt, Tröpfcheninfektion oder sogar mehrere Meter durch die Luft übertragen werden.

Hörminderungen durch Feuchtblattern direkt sind nicht bekannt. Bei Erwachsenen gehören aber entzündliche Erkrankungen zu den möglichen Komplikationen, darunter auch Gehirnhautentzündung, Meningitis, die ihrerseits Hörschäden verursachen kann. Nach Abklingen der Symptome zieht sich das Virus ins Rückenmark zurück. Betroffene sind zwar gegen eine zweite Feuchtblattern-Erkrankung immun, das Virus kann aber später als sogenannte Gürtelrose wieder ausbrechen.

Die kostenpflichtige Impfung gegen Windpocken wird ab dem zweiten Lebensjahr empfohlen. Besonders Frauen im gebärfähigen Alter sollten ihre Immunität sicherstellen, da eine Infektion während der Schwangerschaft häufiger zu Komplikationen führt und auch für das Ungeborene gefährlich ist.

Zehn bis zwanzig Prozent der Windpocken-Erkrankten erleiden später die bereits oben genannte Gürtelrose, auch Herpes Zoster genannt. In rund der Hälfte der Fälle tritt sie im Bereich des Brustkorbs auf, möglich sind aber auch andere Bereiche, je nach befallener Nervenstruktur: Zoster oticus bezeichnet den Befall von Gehörgang, Ohrmuschel und Hörnerv mit der Folge von bis zu mittelgradiger, teilweise bleibender Hörbeeinträchtigung. Eine regelmäßige Impfung gegen Herpes Zoster wird für die zweite Lebenshälfte empfohlen.

MMR-Impfung auch gegen Hörverlust

Typische Symptome für Röteln, auch Rubeola, sind schnupfenartige Beschwerden und ein spezieller Hautauschlag. In unserer Gesellschaft wurden Röteln lange als harmlos eingeschätzt, da sie weniger ansteckend als Feuchtblattern oder Masern sind und meist leicht verlaufen. Rötelinfektionen während der Schwangerschaft waren jedoch vor Einführung der Impfung die häufigste Ursache für angeborene Innenohrschwerhörigkeit, die manchmal erst in der zweiten Hälfte des ersten Lebensjahrs bemerkbar wurde. Auch bei späterer Infektion können Röteln noch zu Hörverlust führen.

Auch die hochansteckenden Masern, Morbilli, beginnen mit grippeartigen Symptomen. Hohes Fieber, ein gedunsenes Gesicht, Überempfindlichkeit gegen Licht und Bindehautentzündung gehen oft mit einher. Erst danach wird ein typischer Hautausschlag erkennbar. Früher eine übliche Kinderkrankheit, ist Masern in Österreich stark zurückgegangen. Im Jahr 2019 gab es allerdings doppelt so viele Masern-Fälle wie im Vorjahr – ein Trend, der europaweit zu beobachten ist. Zu den typischen Komplikationen gehören Mittelohrentzündungen, bis zu jeder 30. Betroffene bildet hochgradige, meist bilaterale Hörschäden aus. Obwohl bei den österreichischen CI-Nutzern nicht einmal halb so oft Masern als Ursache für die Ertaubung vermutet wird, wie Röteln oder Mumps, sind allein von den in den letzten 30 Monaten erstimplantierten CI-Nutzern fünf in Folge von Masern ertaubt.

Ziegenpeter, auch Mumps genannt, ist geprägt von Schluck- und Kaubeschwerden aufgrund geschwollener Ohrspeicheldrüsen. Zu den zahlreichen möglichen Komplikationen gehören die Entzündung der Gehirnhaut, Meningitis oder des Hörnervs. Höreinbußen durch Mumps sind möglich, am häufigsten eine plötzliche, unilaterale, aber auch bilaterale Ertaubung kommt vor – spontane Rückbildungen des Hörvermögens nach Abklingen der Erkrankung treten auf, sind aber nicht zwingend: Bei den CI-Nutzern wird die Ertaubung fast drei Mal so häufig auf Mumps zurückgeführt wie auf Masern.

In Österreich wird eine Kombinationsimpfung gegen Mumps, Masern und Röteln, MMR, ab dem 10. Lebensmonat empfohlen, jedenfalls aber vor Eintritt in Krabbelstube, Kindergarten oder Vorschule. Die Impfung kann in jedem Alter kostenfrei nachgeholt werden. Besonders bei Frauen im gebärfähigen Alter ist die Immunität sicherzustellen!

Meningitis – ein dringender Fall!

Die Hirnhautentzündung, Meningitis, kann viele Ursachen haben: FSME oder Borreliose nach einem Zeckenbiss oder Insektenstich, als Komplikation verschiedener Viruserkrankungen oder durch Bakterien; Bakterielle Meningitis wird auch als Komplikation bei manchen Operationen genannt.

Besonders bakterielle Meningitis kann sich sogar lebensbedrohlich entwickeln. Zu den möglichen Folgeschäden einer Meningitis gehören Hörminderungen bis hin zur Ertaubung: Knapp zwei Prozent aller Nutzer von Hörimplantaten sind an einer Form von Gehirnhautentzündung ertaubt. Damit ist Meningitis der häufigste Auslöser einer Ertaubung, gegen die eine Impfung vorbeugen könnte.

Bei Ertaubung durch Meningitis ist rasche Reaktion wichtig, da es fallweise nach der Erkrankung zur Verknöcherung der Hörschnecke kommt. Das macht eine spätere Cochlea-Implantation schwierig bis unmöglich – daher ist die Entscheidung für ein CI in diesem Fall besonders drängend.

Gegen einige der Viruserkrankungen, zu deren mögliche Komplikationen die Meningitis zählt, können durch Impfungen vermieden werden. Aber auch gegen drei direkte Auslöser von Meningitis gibt es Impfungen: Gegen FSME, Meningokokken und Pneumokokken.

Die Zeckenkrankheit und ihre Impfung

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis FSME, im Volksmund: Zeckenkrankheit, wird durch Zeckenstiche oder nicht pasteurisierte Milch von infizierten Tieren übertragen. Im Verlauf der Erkrankung, die mit Grippe-Symptomen und Übelkeit beginnt, kann sich eine Hirnhautentzündung bis hin zur Gehirnentzündung entwickeln, die sogar zum Tod führen kann. Etwa ein Drittel der Patienten zeigt bleibende Folgeschäden, darunter Hörbeeinträchtigungen.

Die FSME-Impfung ist zwar nicht kostenfrei, wird aber für Erwachsene und Kinder in Österreich empfohlen. Die kassenabhängigen Zuschüsse bei den früher üblichen Impfaktionen jeweils im Frühling und Frühsommer sind 2019 einem bundesweiten Impfkostenzuschuss von vier Euro gewichen, der nachträglich bei der Krankenkasse beantragt werden kann. Trotz Empfehlungen und Impfaktion kommt es immer wieder zu teils schweren FSME-Erkrankungen: 2018 erkrankten 171 Patienten, ein Drittel davon in Oberösterreich. Für fünf Patienten verlief die Erkrankung tödlich. 2019 ist die Zahl der Erkrankungen leicht rückläufig.

Meningokokken und Pneumokokken

Meningokokken-Erreger gibt es gleich mehrere, wobei in Österreich vorwiegend zwei dieser Erreger auftreten. Je nach Typ sind unterschiedliche Alters- und Personengruppen besonders anfällig. Die Impfung wird in verschiedenen Kombinationen für fünf international häufige Erreger angeboten und je nach Impfung ab dem Säuglingsalter empfohlen; bei Erwachsenen nur für bestimmte Risikogruppen. Im kostenfreien Impfprogramm ist eine Kombinationsimpfung für Schulkinder gegen einen Teil der Erreger enthalten.

Gerade im Zusammenhang mit Cochlea-Implantaten wurden in der Vergangenheit oft auch Pneumokokken als Auslöser für Meningitis genannt. Eine Impfung gegen diese Erreger ist im kostenfreien Kinderimpfprogramm enthalten, bei Erwachsenen ist sie unter anderem für CI-Nutzer und für alle Personen ab 50 Jahren empfohlen. Atraumatische CI-Elektroden, wie sie bei MED-EL verwendet werden, reduzieren ein potentielles Risiko drastisch. Die Apotheken bieten bis 31. März 2020 eine Preis-Aktion für den Impfstoff an.

Quellen: www.sozialministerium.at; www.gesundheit.gv.at; Hausarzt – Fachmagazin für Niedergelassene Ärzte, Ausgabe Mai 2019; Impfplan Österreich 2019, herausgegeben vom Bundesministerium für Gesundheit; Epidemiologisches Bulletin, Robert Koch-Institut; www.netdoctor.at; www.wikipedia.at

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