Michael Köhlmeier bläst 800 Jahre alten Staub vom Nibelungenlied und erzählt die abenteuerlichen und sagenhaften Geschichten des Heldenepos völlig neu.

Ing. Eva Kohl, Clinical Engineer, MED-EL Wien & Nina Hölzle-Zahradnik (13 Jahre)

Oftmals kann es schwierig sein, sich in Weltliteratur im Original einzulesen. Wir möchten Euch die Nibelungen in der eher knackigen Nacherzählung von Michael Köhlmeier vorstellen.

Die Geschichte spielt im Königreich Worms, wo die Brüder Gunther, Gernot und Giselher als Co-Könige regieren. Unterstützt werden sie dabei von Hagen von Tronje, einem klugen und loyalen Lehensmann, der eigentlich die Geschicke des Königreichs lenkt. Die Könige haben auch eine Schwester, Kriemhilde, die als die schönste Frau ihrer Zeit gilt. Viele Prinzen freien um sie, doch sie ist sehr wählerisch. Noch dazu verheißt ihr ein schlimmer Albtraum ein nur kurzes Eheglück: Daher schwört sie Jungfräulichkeit.

Doch eines Tages kommt der sagenhafte Siegfried an das Schloss und hält um ihre Hand an. Siegfried ist nicht nur Erbe des Königreichs Xanten in den Niederlanden, sondern auch Besitzer des Nibelungenschatzes, des magischen Schwertes Balmung und einer märchenhaften Tarnkappe. Und er macht sich schon bald Hagen zum Feind, weil er erstens stärker und klüger als Hagen ist, weil er zudem den Krieg gegen Dänen und Sachsen für Worms gewinnt und damit mächtiger als Hagen wird und schließlich weil er das Herz von Kriemhild gewinnen kann, was Hagen nicht recht ist. Da beginnen die Intrigen am Hofe zu Worms…

Köhlmeier erzählt die germanischen Sagen nicht ganz so toll, wie unsere Lateinprofessorin die griechischen Sagen und mir fehlen auch die Götter, die in der Antike so wichtig waren. Dafür ist das Buch super gut zu lesen, ab zirka 11 Jahren gut zu verstehen und für Liebhaber von Helden und Mythen sehr interessant. Nur eines ist etwas kompliziert: Die meist fremdartigen Namen der Figuren sind einander oft zum Verwechseln ähnlich, wie zum Beispiel die Könige Lüdegast von Dänemark und Lüdeger von Sachsen – das kann, auch wenn man sehr gut hört, schwierig sein.

Zudem könnt Ihr im Buch die Kapitel zwar vorab lesen, damit Ihr beim Zuhören den Inhalt schon kennt und damit leichter versteht, aber Ihr könnt nicht mitlesen: Bei der Hörbuchversion vom ORF handelt es sich um eine Radioaufnahme. Sie ist dem Buch zwar ähnlich, aber nicht ident. Die andere Version im Audiolino-Verlag wurde zwar wortgetreu, doch gegenüber dem Buch stark gekürzt aufgenommen und auch akustisch untermalt.

Wen diese Probleme nicht stören und wer diese Art der Erzählung unterhaltsam findet, der möchte vielleicht auch andere Werke von Michael Köhlmeier erproben, wie Parzival oder die antiken Sagen. Wem von Euch das aber noch zu schwierig ist, dem können wir vom Verlag HörGut die amüsanten Geschichten über Freiherr von Münchhausen in der Erzählung von Gottfried August Bürger zum Hören und Mitlesen empfehlen: Auf diesem Weg kannst Du ohne Umwege über das Mittelalter gleich in der Renaissance in die Literaturgeschichte einsteigen!


Buch: Michael Köhlmeier, Die Nibelungen – neu erzählt, Piper Verlag GmbH, München, ISBN-10: 3-492-22882-8, ISBN-13: 978-3492228824

Hörbuch: Die Nibelungen, Autor und Sprecher: Michael Köhlmeier, Ö1-Shop, Edition Radio Literatur, ORF-CD 590

Die Nibelungen, Autor: Michael Köhlmeier, Sprecher: Henning Venske, Audiolino, ISBN-10: 3-938-48226-5, ISBN-13: 978-3-938482-26-1

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