„Daheim bleiben, in Österreich Urlaub machen“ lautet im Ausnahmejahr 2020 die Devise. Dass wir gesegneter Weise in einem der schönsten Urlaubsländer der Welt leben, macht diese Einschränkung auch zur Möglichkeit, unsere Heimat einmal ausgiebiger zu erkunden. Das Ausseerland, nicht nur sprichwörtlich mitten in Österreich, wird durch seine Schönheit und Magie die Feriendestination meiner Wahl sein. Wie jedes Jahr.

Birgitt Valenta

„An der freien Stelle des Sees liegt malerisch dahingestreut das Dorf Altaussee mit seinen zahlreichen Herrenhäusern – eines freundlicher als das andere – der allerschönste Punkt der Steiermark, an welchem des Morgens zwei Sonnen glänzen, die vom Osten aufgehende und das Eisfeld des Dachsteins.“

Diesen Eindruck hinterließ die kleine Gemeinde im steirischen Salzkammergut seinerzeit beim heimatverbundenen Poeten Peter Rosegger. Mit ihren knapp 2.000 Einwohnern bezaubert sie auch heute ihre Besucher. Die Geschichte Altaussees geht durch den Salzbergbau wahrscheinlich bis zum 3. Jahrhundert n.Chr. zurück, lange bevor Rosegger dieses Kleinod in der nördlichen Steiermark und ziemlich genau im Mittelpunkt Österreichs entdeckt hatte. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Altaussee – auch durch die Nähe zur Kur- und kaiserlichen Sommerresidenz Bad Ischl – zum Sommerfrische-Ziel für Touristen, vor allem die vornehme Gesellschaft, Künstler, Literaten fanden dort ihren Sehnsuchtsort. Hugo von Hofmannsthal, Arthur Schnitzler, Friedrich Torberg beispielsweise genossen die Idylle dieser herrlichen Berglandschaft, Erzherzog Johann fand dort seine unsterbliche Liebe.

Ganz hinten im Talschluss lässt man auf der Seewiese die Seele baumeln. Am besten mit Menschen, die einem nahe sind oder auch allein zum Krafttanken. ©privat

Filmreife Geschichte

Während des Nationalsozialismus wurde das Salzbergwerk Altaussee als Kunstdepot für österreichische und deutsche Kunstgüter sowie NS-Raubkunst zweckentfremdet, spätestens damit hat der Ort auch international nachhaltigen Bekanntheitsgrad erreicht. Die Rettung der unzähligen Kunstschätze – von Rembrandt, Vermeer bis Michelangelo – gleicht einem wahren Kunstkrimi und ist der großartigen menschlichen Leistung der dortigen Bergleute zu verdanken. Am Ende dieses dunklen Geschichtsabschnittes der Gemeinde Altaussee bleibt ein dankbarer Blick auf diesen selbstlosen Einsatz derer, die für den Erhalt sämtlicher Werke verantwortlich waren: Alle Kunstwerke waren bei der Einlagerung verzeichnet worden, beim Abtransport sollte kein einziges Bild fehlen.

Bis heute ist das traditionsreiche Dorf Altaussee mit der Kunst untrennbar verbunden. Seine Schönheit zieht nach wie vor Schöngeister und Künstler in seinen Bann. Die Ruhe, seine Schönheit und das Gefühl der Geborgenheit machen Altaussee zum Inbegriff der österreichischen Idylle.

In Altaussee mit Cochlea-Implantat „losen“

Doch hält sich dort nicht nur die Kunstszene gerne auf, durch die Initiative eines einheimischen CI-Nutzers fand vor etwa 25 Jahren auch eine kleine Gruppe von CI-Familien erstmals im winterlichen Ambiente des Dorfes zusammen, um sich auszutauschen und voneinander zu lernen.

Damals hatte unser Sohn Max sein erstes CI gerade einmal zwei Jahre, wir waren selig und dankbar über die Möglichkeit, dort weitere versorgte Kinder kennenlernen zu dürfen. Zu dieser Zeit wurden

erst wenige Kinder implantiert, der Austausch und die Erfahrungen der Familien aus dem ganzen Land waren für uns von enormer Bedeutung. Diese jährlichen Zusammentreffen sollten noch 10 Jahre andauern, bis die verantwortlichen Organisatoren dieses Projekt aufgaben und auch die Unterkunft verkauft wurde.

Für meine Familie, Freunde und mich kein Grund, dieser Urlaubsidylle nicht treu zu blieben, auch trug sicher das Gefühl der Dankbarkeit dazu bei, dass Altaussee für meine Familie und mich bis heute ein Ort der Besinnung, der Ruhe, des Glücks geblieben ist. Jedes Jahr, in der kalten wie in der warmen Jahreszeit, verbringen wir an diesem verzauberndem Platz Lebenszeit von unschätzbarem Wert. Oft auch noch immer mit unseren beiden CI-versorgten und mittlerweile erwachsenen Söhnen, die dank ihrer Hörversorgung die dortige Schönheit der Natur nicht nur sehen, sondern sie auch seit vielen Jahren in vollem Umfang hören können.

Apropos: Altaussee liegt am Fuße des Losers, dessen markanter und kastellartiger Gipfelaufbau den Berg zu einem Wahrzeichen des Ausseerlandes macht. Bei meiner Recherche für diesen Artikel fand ich heraus, woher der Name Loser eigentlich stammt: im Mittelalter stiegen die Ausseer auf den Berggipfel, um zu „losen“ – umgangssprachlich für horchen, hören oder lauschen, ob aus dem Ennstal Kampflärm zu hören sei. Meine beiden Kinder „losen“ also schon seit frühester Kindheit dem Geräusch des Schnees unter ihren Schiern oder den sommerlichen Geräuschen beim Wandern auf diesem schönen Berg mit Blick auf das pittoreske Altaussee und den imposanten Dachstein. Welch schöner Zufall.

Frühling, Sommer, Herbst oder Winter – der Blick vom Loser hinab ins Tal und auf das Dachstein-Massiv ist immer bezaubernd. ©Alexander Valenta

Der Kreis schließt sich

Auch heuer werden wir wieder zum schönsten Platz des Salzkammerguts fahren, durch die Corona-Krise vielleicht ein bisschen länger bleiben, statt des Meeres den Altausseer See genießen und unserem Sohn Max beim Planen seiner Hochzeit mit Rat und Tat zur Seite stehen; der, wie kann es anders sein, im malerischen Dorf Altaussee demnächst den Bund fürs Leben schließen möchte.


LESENSWERT

Vieles wurde schon über und in Altaussee geschrieben. Hier nur eine kleine Auswahl, um den Ort für diejenigen bekannt zu machen, die ihn noch nicht entdeckt haben:

· Alfred Komarek. Ausseerland – Die Bühne hinter den Kulissen. Verlag Kremayr & Scheriau. 272 Seiten

· Konrad Kramar. Mission Michelangelo – Wie die Bergleute von Altaussee Hitlers Raubkunst vor der Vernichtung retteten. Residenz Verlag. 200 Seiten

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