Der Niederösterreicher Richard Regner hatte lange Zeit keine Hörhilfen. Doch seit er den Unterschied kennt, ist ihm beidseitiges gutes Hören wichtig.

Entspannt sitzt Richard Regner in der Küche seines Hauses unweit Schwechat. Seine zarte Metallbrille spiegelt leicht in der Sonne. Auf dem schwarzen T-Shirt hebt sich ein Adler gen Himmel. Im Garten kann man am Himmel sonst die Flugzeuge hören, die bei Start- oder Landeanflug auf den Wiener Flughafen tief über den Garten des Ehepaars Regner fliegen. Seit Frühling 2018 hört der 58-Jährige auch wieder, aus welcher Richtung die Flugzeuge kommen: „Aber im Moment ist es gespenstisch ruhig.“ Der Flughafen ist in Folge der Corona-Krise nahezu stillgelegt.

Die Corona-Krise und die damit bedingten Dienstfreistellungen eines großen Teils des Bord- und Bodenpersonals im Flugbereich sind auch der Grund, warum Regner um diese Tageszeit zuhause ist. Seit 33 Jahren arbeitet er am Flughafen im Frachtbereich: Früher als Vorarbeiter mit sicherheitsrelevanten Verantwortlichkeiten, jetzt aus gesundheitlichen Gründen nur noch in der Tagschicht als Staplerfahrer. Die Güter, die von den Speditionen zum Flughafen gebracht werden, bringt er mit dem Stapler auf den Lagerplatz und bereitet sie zum Verladen ins Flugzeug vor.

Der Lärm im Ohr

In der Nähe eines startenden Flugzeuges herrschen Lautstärken von bis zu 140 Dezibel Schallpegel, doch der Arbeitsplatz von Richi – wie ihn seine Arbeitskollegen nennen – ist in einer Lagerhalle weit weg des großen Lärms. 1996 wurde es für ihn trotzdem unangenehm laut: Damals entwickelten sich bei ihm beidseits laute Ohrgeräusche. Tinnitus, so der Fachbegriff, bezeichnet akustische Wahrnehmungen, die keiner äußeren Geräuschquelle zugeordnet werden können. Dieser Lärm im Ohr war so unangenehm, dass Regner Hilfe beim Facharzt suchte. Der machte verschiedene Tests und Untersuchungen und entdeckte dabei eine beidseits ausgeprägte Schwerhörigkeit. „Einen leichten Hörfehler könnte ich auch schon seit der Geburt haben“, mutmaßt Regner. Sein HNO-Spezialist vermutete aber, dass ein zusätzlicher Hörsturz die Problematik verschärft und zugleich den Tinnitus ausgelöst haben könnte.

Es folgte die stationäre Aufnahme und eine Behandlung. Der Tinnitus blieb, die Hörbeeinträchtigung auch. Erst 2010 entschloss sich der geborene Burgenländer zu Hörgeräten. „Bei Neuroth hatte ich sehr gute Beratung und die Geräte waren top.“ Am linken Ohr konnte er damit auch gute Erfolge erzielen, doch rechts bereitete das Ohrpassstück zunehmend Schmerzen. Die Ursache war eine Entzündung im Gehörgang, die sich chronisch entwickelte. An die Nutzung des rechten Hörgeräts war nicht mehr zu denken.

Nicht länger richtungslos

„Ich hab‘ nie gewusst, wo ein Geräusch herkommt“, erklärt der Staplerfahrer, wie sich asymmetrisches Hörvermögen auswirkt.  „Bei uns fahren so 50 bis 60 Hubstapler herum mit der jeweiligen Ladung – da sieht man nicht aus. Wenn ich da beim Absteigen einen Schritt verkehrt mache…“, den Satz beendet er nicht, seufzt nur, „beim Staplerfahren war das sehr ungut!“ Es blieb ihm vorerst nur die Alternative, auf beide Hörgeräte zu verzichten. „Dann habe ich zumindest gleichmäßig schlecht gehört“, seufzt er.

Erst rund sieben Jahre später erfuhr er durch Zufall von Hörimplantaten. Er wandte sich an die Spezialisten am Donauspital in Wien, wo ihm Univ.-Prof. Dr. Peter Franz, Primar der HNO-Abteilung und Spezialist für Hörimplantate, eine Vibrant Soundbridge empfahl. Dieses aktive Mittelohrimplantat gibt den verstärkten Schall direkt an die Strukturen des Mittelohrs weiter und umgeht damit den bei Regner so empfindsamen äußeren Gehörgang.

„So einfach ist das natürlich nicht, dass man sagt: Ich lass mir das jetzt in den Kopf rein machen“, erinnert sich Regner an seine damaligen Bedenken. Daher war er sehr froh über die eingehenden Beratungsgespräche, bei denen er auch einen Nutzer einer Vibrant Soundbridge kennen lernte. „Da konnten wir uns auch alles anschauen. Das war super.“

Das aktive Mittelohrimplantat Vibrant Soundbridge gibt den verstärkten Schall direkt an die Strukturen des Mittelohrs weiter. ©MED-EL

„Ich kann das nur weiterempfehlen“

Im März 2018 wurde Regner im Donauspital implantiert, einen Monat später wurde das System aktiviert. „Den Klang kann man gar nicht beschreiben!“, seine Augen strahlen. „Für mich war es ja normal, schlecht zu hören. Aber mit dem Implantat war das auf einmal ganz anders.“ Mit der Kombination, Vibrant Soundbridge rechts und konventionelles Hörgerät links, kann er jetzt nicht nur gut hören – er schaut jetzt auch wieder intuitiv in die richtige Richtung, wenn er ein Geräusch hört. Das hilft ihm nicht nur am Arbeitsplatz, sondern auch bei privaten Treffen im Restaurant: „Da habe ich die anderen vorher zwar gehört, aber jetzt verstehe ich sie auch wieder.“

„Wenn meine Frau und meine Schwiegermutter nicht hinter mir gestanden wären, wäre das alles anders gelaufen“, sagt Regner rückblickend auf die letzten Jahre vor der Operation, und: „Die Überwindung zur Operation war der schwierigste Schritt.“ Für den Eingriff musste er nur eine Nacht in der Klinik übernachten. Er hebt die familiäre Atmosphäre und die einfühlsame Betreuung durch Rainhardt Frühlinger, Logopäde an der Klinik, und Andrea Stacher MSc, Technikerin beim Hersteller MED-EL. Sie hätten den Start mit dem Implantat-System wirklich angenehm gemacht: „Raufgeben und das war´s. Langwierige Gewöhnung war nicht nötig.“

„Ich kann das nur weiterempfehlen“, ist sich Regner sicher, dass sich der mutige Schritt für ihn gelohnt hat, „ich habe so eine Freude, für mich hat ein neuer Lebensabschnitt begonnen!“


WISSENSWERT

Schmuckstück SAMBA

Die Vibrant Soundbridge ist ein aktives Mittelohrimplantat für schwerhörige Menschen, die keinen Nutzen durch Hörgeräte erfahren oder diese aus medizinischen Gründen nicht verwenden können. Das Implantat selbst ist von außen nicht sichtbar, sichtbar ist nur der Audioprozessor SAMBA. Richard Regner hat sich für seinen SAMBA eine braun gemusterte Design-Abdeckung ausgesucht, Intarsie, die nicht nur den Arbeitskollegen auffiel: „Wenn ich unterwegs bin, zum Beispiel beim Einkaufen, fragen manche Leute. Aber ich steh´ gerne Rede und Antwort.“

Die Abdeckung ist eine von 18 Design-Abdeckungen, die MED-EL als Zubehör für den Prozessor anbietet. Zum Zubehör gehören auch verschiedene andere nützliche Teile – wie etwa Befestigungsmöglichkeiten, die dem Prozessor noch mehr Halt gewähren: zum Beispiel der Halteklipp. Kein Zubehör ist hingegen der Ohrring, an dem Richard Regner seinen SAMBA abgesichert hat: „Den habe ich mir extra stechen lassen. Ich habe kurze Haare, an denen kann ich den Klipp nicht festmachen“, lacht er. Mit Design-Abdeckung und Ohrring macht er seinen SAMBA ebenso zu einem sehr persönlichen Outfit, wie seine Halskette und die Perle im Vollbart es sind.

©MED-EL

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