MED-EL präsentierte vor Jahren das erste Knochenleitungssystem, bei dem das Implantat komplett unter der intakten Haut sitzt. Seit Ende letzten Jahres ist mit dem BCI602 ein neues Implantat dazu verfügbar.

Eva Kohl

Bei Menschen mit einem Schallleitungs- und kombiniertem Hörverlust können die Schallwellen das Innenohr nicht im nötigen Ausmaß erreichen. Von Hörsystemen, welche den Schall direkt ans Innenohr übermitteln, profitieren Betroffene optimal. Ihnen standen über Jahrzehnte primär Knochenleitungsbrillen oder -bügel zur Verfügung, den Kindern später auch Stirnbänder. Diese Geräte müssen systembedingt relativ hohen Druck auf die Haut ausüben, was sie unkomfortabel und kosmetisch unvorteilhaft macht. Erste implantierbare Systeme arbeiteten mit einer implantierten Schraube, die den Schall durch die offene Haut in den Knochen führt.

2012 setzte MED-EL mit der BONEBRIDGE einen neuen Standard bei Knochenleitungssystemen. Die BONEBRIDGE ist das weltweit erste aktive transkutane Knochenleitungsimplantat. Fachleute und Nutzer bestätigen damit hervorragende Hörerfolge, wissenschaftliche Studien sowohl Hörerfolge wie auch besondere Zuverlässigkeit. Seit Jahreswechsel steht für das System ein neues Implantat zur Verfügung: das BCI602. Es liefert dieselben exzellenten Hörerlebnisse, ist dabei aber nur halb so dick wie sein Vorgänger. Eine Fixierung mittels selbstbohrender Schrauben ist möglich. Bei der Implantation muss weniger gebohrt werden, Operation und Heilungsprozess sind kürzer.

Schneller, kleiner, besser

„Es macht wirklich Spaß, die neue BONEBRIDGE zu implantieren“, freut sich Univ.-Prof. Dr. Georg Sprinzl, Primar der HNO-Abteilung im Universitätsklinikum St. Pölten, im MED-EL Blog. Prinzipiell handelt es sich bei der BCI602 wieder um ein aktives Knochenleitungsimplantat. OÄ Priv. Doz. Dr. Astrid Magele, MBA, ebenfalls Uniklinik St. Pölten, erklärt: „Was ich am meisten an diesem Implantat mag, ist, dass es sich um ein transkutanes Implantat handelt. Die Haut wird über dem Implantat wieder geschlossen und das ist sehr vorteilhaft für Patienten.“ Der Wandler, der die mechanische Klangenergie überträgt, ist in das Implantat integriert und nicht in den Audioprozessor. Die geschlossene Haut schützt den Implantatbereich gegen den Eintritt von Bakterien.

Prof. Sprinzl sieht einen Vorteil in der kurzen Operationsdauer des BCI602: „Wir haben gerade eben 15 Minuten gebraucht, um das Implantat vom Schnitt bis zur letzten Naht einzubringen. Der Vorteil für die Patienten ist, dass sie eine kleinere Wunde haben, das heißt, die Erholung von der OP geht schneller.“ Weiters führt er die gute Klangqualität an und dass dieses System im Vergleich zu anderen Knochenleitungsimplantaten schon bald nach der Implantation aktiviert werden kann. Dr. Thomas Rasse, Oberarzt am Klinikum Wels-Grieskirchen, sieht den Hauptvorteil darin, „dass es gerade in schwierigen anatomischen Fällen besser zu implantieren ist, zum Beispiel bei Kindern oder bei Patienten, die schon vorher mehrere OPs hatten.“

Das neue Knochenleitungsimplantat BONEBRIDGE BCI602 ist nur halb so dick wie sein Vorgänger, bietet aber dieselben exzellenten Hörerlebnisse. ©MED-EL

Symbiose zum Vorteil der Nutzer

Das neue BCI602 wurde auf Basis der guten Ergebnisse mit dem Vorgängermodell entwickelt, wobei die klinischen Erfahrungen direkt in die Weiterentwicklung einflossen. „Es ist fantastisch zu sehen, wie MED-EL Anregungen und Feedback von Chirurgen berücksichtigt, um das Implantat zu verbessern“, freut sich Dr. Rasse. „Es ist eine symbiotische Beziehung zwischen dem Entwickler und den Chirurgen.“

Knochenleitungshörsysteme sind dann zielführende Option, wenn ein großer Teil des Hörproblems in der Schallleitung liegt: beispielsweise bei Otosklerose-Patienten, bei krankhaften Verengungen des äußeren Gehörgangs, sogenannten Stenosen, bei chronischem Tubenverschluss oder vielen anderen Krankheitsbildern. Für Betroffene stehen neben traditionellen Knochenleitungshörgeräten und dem adhäsiven Hörgerät ADHEAR drei Typen von Knochenleitungsimplantaten zur Verfügung: Beim klassischen BAHA wird eine Metallschraube in den Schädelknochen gebohrt, deren Ende durch die Haut nach außen ragt und als Schnappkupplung zum Audioprozessor dient. Die eigentliche Schallabgabe erfolgt vom Prozessor, die Schnappkupplung übermittelt sie an den Knochen. Beim magnetischen BAHA ist die Schnappkupplung durch eine magnetische Fixierung des Prozessors ersetzt. Die Haut kann geschlossen werden, die Schallabgabe erfolgt aber immer noch vom Prozessor, der Schall muss die dämpfende Haut passieren. Anders bei aktiven Knochenleitungsimplantaten!

Aktiv und direkt

Das aktive Knochenleitungsimplantat wird in den Knochen implantiert, die Haut darüber kann vollständig heilen. Der magnetisch gehaltene Audioprozessor birgt das Mikrofon, doch die Schallabgabe erfolgt direkt im Knochen vom Implantat, nahe dem Innenohr. Das ermöglicht höchste Klangqualität, die örtliche Entkopplung zwischen Mikrofon und Schallabgabe führt überdies zu einer erhöhten Sicherheit gegen Rückkopplungspfeifen. Auch wenn neuerdings Systeme das Prinzip mit anderen Technologien zu imitieren suchen, garantiert die BONEBRIDGE als einziges aktives Knochenleitungsimplantat auf elektromagnetischer Basis unerreichten Klang und führende Leistung. In das neue BCI602 sind die Erfahrungen eines knappen Jahrzehnts mit der BONEBRIDGE eingeflossen, Nutzer profitieren von der Symbiose aus Erfahrung und innovativer Neuentwicklung.

Weitere Infos zum neuen BONEBRIDGE BCI602 hier.

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