Cochlea-Implantation an der Universitätsklinik Graz

„Unsere Klinik hat ja schon viele Jahre ein hohes rhinologisches Renommee“, verweist HNO-Chirurg Priv.-Doz. Dr. Dr. Matthias Graupp auf den internationalen Ruf der Universitätsklinik Graz am Bereich der Nasenoperationen. „Aber mittlerweile bieten wir auch eine vollumfassende otologische Versorgung inklusive aller Hörimplantationen an!“

Eine Cochlea-Implantation an der Universitätsklinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde in Graz: Im Operationssaal herrscht entspannte Gelassenheit. Am OP-Tisch steht HNO-Chirurg Priv.-Doz. Dr. Dr. Matthias Graupp. Seine vielfältigen Ausbildungen und Erfahrung sind es, die Patienten und OP-Team während des Eingriffs Sicherheit gewährleistet und Basis für die besonnene Ruhe sind.

Der Mediziner arbeitet an der Grazer Klinik, seit er vor 10 Jahren hier seine Facharztausbildung begann – unterbrochen nur von etlichen Auslands- und Studienaufenthalten: in Kuba, Holland, Singapur und im deutschen Bochum. „Dort durfte ich von Professor Dazert und seinem Team lernen.“

Prof. Dr. Stefan Dazert, Medizinischer Leiter der HNO-Abteilung des Universitätsklinikum der Ruhr-Universität Bochum, zählt zu seinen Arbeitsschwerpunkten auch die Mikrochirurgie des Ohrs und genießt internationales Ansehen für die Implantation von Hörsystemen. Graupp konnte ein Jahr lang dort die verschiedenen Facetten dieser Operation kennen lernen.

Gesammelte Expertensicht

Wieder zurück in Graz, wurde der Südsteirer ab 2014 Teil des CI-Teams am Landeskrankenhaus-Universitätsklinikum. Bald engagierte er sich gemeinsam mit Dr. Andreas Lackner, damals ebenfalls HNO- und CI-Chirurg im Haus, für ein erweitertes Angebot an Hörimplantationen für die Patienten der Klinik.

Im Sinne eines „runden Systems“ der Hörversorgung, wie Graupp es nennt, etablierte er zuletzt eine standardisierte Abklärung bei allen Patienten mit Hörproblemen sowie eine interdisziplinäre Fallbesprechung über alle potenziellen Kandidaten für ein Hörimplantat. In diesem Gremium bringen Logopädin, Psychologin, Chirurg und Radiologe gemeinsam ihre breite fachliche Expertise und ihre unterschiedlichen Blickwinkel ein, was ein optimiertes Lösungsangebot für jeden Patienten ermöglicht. So können am Landekrankenhaus-Universitätsklinikum Graz auch langfristig bestmögliche Ergebnisse rund um die Implantation sichergestellt werden.

Technik und Medizin – eine starke Kombination

Dabei hat es den in Eichfeld geborenen Mittdreißiger ursprünglich in die technische Richtung gezogen: Er absolvierte die HTL, ehe er sein Medizinstudium in Graz begann. Schon während des Studiums begann er seine wissenschaftliche Arbeit – ein Forschungsprojekt im Bereich des sogenannten „Tissue-Engineerings“, wie der englische Begriff für Geweberekonstruktion oder Gewebezüchtung lautet. Gemeint ist die künstliche Herstellung biologischer Gewebe durch Zellkulturen, um damit kranke Gewebe beim Patienten zu ersetzen oder zu regenerieren – in diesem Fall Zellkulturen im Bereich der Stimmlippen – jene Struktur im Kehlkopf, die dem Menschen das Sprechen ermöglicht. Es erscheint also konsequent, dass der Mediziner sich nach seinem Turnus im burgenländischen Oberpullendorf umgehend der Fachausbildung zum HNO-Spezialisten widmete.

Heute ist Graupp stationsführender Oberarzt an der Uniklinik für HNO in Graz und hat sich zum Ziel gesetzt, das Implantat-Programm und den Ohrbereich insgesamt auszubauen „Unsere Klinik hat ja schon viele Jahre ein hohes rhinologisches Renommee. Aber mittlerweile bieten wir auch eine vollumfassende otologische Versorgung inklusive aller Hörimplantationen an!“

„In der HTL haben wir viel Kompetenz im Bereich dreidimensionale Darstellung und Verstellungsvermögen entwickelt. Beim Operieren im Ohr hilft das ungemein“, erklärt Graupp, wie ihm seine HTL-Ausbildung jeden Tag im Operationssaal zugutekommt. „Und auch für den Umgang mit Hörimplantaten ist die technische Vorbildung eine hilfreiche Kombination.“

„Ich sehe meine Arbeit als Privileg!“

Die HNO-Ausbildung spezialisiert junge Mediziner für die Bereiche Hals und Rachen, Nase und Ohren. Graupps erste Forschungsarbeit schon während des Studiums war im Fachgebiet Kehlkopf verortet. „Das Thema Hören hat sich für mich dann im Lauf der Assistentenzeit als interessantes Themengebiet ergeben“, erinnert sich Graupp. In diese Zeit, während der Fachausbildung zum HNO-Spezialisten, fiel auch sein erster Kontakt zur Cochlea-Implantation. „Damals wurden in Graz etwa vier bis fünf CIs pro Jahr implantiert.“

Graupp wandte sich vermehrt der Otologie und dann den Hörimplantaten zu. „Hörimplantate sind ein sehr positiv besetztes Thema, auch im Vergleich zu anderen Gebieten der HNO: Ich kann meinen Patienten dabei das Hören geben.“ Bei seinem Aufenthalt in Bochum lernte er dann auch die Vielfalt verschiedener Hörimplantate in der Praxis kennen und schätzen. „Ich sehe es als Privileg, wenn ich mit einem technischen Gerät einem kleinen Kind den Hörsinn schenken kann.“

Cochlea-Implantation Graz: Priv.-Doz. Dr. Dr. Matthias Graupp © LKH-Univ. Klinikum Graz

Priv.-Doz. Dr. Dr. Matthias Graupp © LKH-Univ. Klinikum Graz

Hören berührt Patienten und Mediziner

Ein Privileg ist es wohl auch, den mittel- und langfristigen Erfolg der eigenen Arbeit so deutlich beobachten zu können. Besonders eindrucksvoll ist dem Mediziner die Reaktion seiner ersten Patientin mit dem aktiven Mittelohrimplantat Vibrant Soundbridge noch gegenwärtig: „Ich habe sie bei der Kontrolle kurze Zeit nach der Systemaktivierung wiedergesehen: Sie war überwältigt, weil sie bei einem Waldspaziergang das Vogelgezwitscher gehört hat. Sie hatte in den Jahren ihrer Schwerhörigkeit schon vergessen, was im Wald zu hören ist. So war sie total überrascht und hat sich gefreut. Das hat ihr viel an Lebensgefühl wiedergegeben.“

Je nach Typ des Hörimplantats sind solche Hörerfolge bald nach der Aktivierung des Systems zu beobachten, oder – wie bei CI-Patienten – nach einer gewissen Zeit der Um- und Eingewöhnung. Auch wenn die Erfahrungen sich von Patient zu Patient in ähnlicher Weise wiederholen: „Es ist jedes Mal sehr berührend, wenn CI-Patienten zur Kontrolle kommen und erzählen, wie sich mit dem Hören die soziale Situation für sie verbessert hat. Zum Beispiel, wenn sie bei Tisch dem Familiengespräch wieder folgen können.“

„Bei Kindern ist das ein eigenes Thema, weil sie ihre Empfindungen nicht so artikulieren können. Aber man sieht an der Reaktion der Kinder, wie mit dem Hören für sie eine ganz neue Welt entsteht“, eine Welt mit den Stimmen der Eltern und Geschwister, Lachen, Weinen, Lärm und Musik, oder eben mit Hundegebell und Vogelzwitschern.

„Meine Arbeit gibt mir so viel zurück!“

Das menschliche Gehör arbeitet 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Ganz so dicht wird es bei Hörexperten Graupp nicht, doch die Arbeit an der Klinik, das Engagement zum Ausbau der Hörimplantation und die Patientenbetreuung in einer eigenständigen HNO-Praxis summieren sich. Entspannen kann sich der Mediziner dann am besten im Grünen: Wenn er laufen geht oder sich der Pflege des heimatlichen Gartens widmet. Dort haben jüngst ein paar besonders großer Vögel Einzug gehalten: „Unsere neueste Anschaffung sind vier Hühner.“ Sie versorgen den Haushalt mit Bio-Eiern. „Wenn ich die Hühner beobachte, sind alle eigenen Anstrengungen vergessen. Das erdet!“

Generell sei das Arbeitsprogramm manchmal schon „ziemlich voll“, gesteht Graupp lachend. Es schwingt aber auch ein großes Maß an Zufriedenheit mit, wenn er wieder ernst wird und ergänzt: „Meine Arbeit für die Patienten gibt mir so viel zurück, dass mein Erholungsbedarf nicht besonders groß ist.“

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