Ein besseres Leben mit Hörimplantat

Nach gesundheitlichen Problemen hat Mentales Training den pensionierten Sportlehrer Mag. Peter Kmetyko nicht nur am Rad zurück an die Spitze geführt; es hat ihm auch geholfen, mit seinem Hörproblem und mit dem BONEBRIDGE-Implantat besser umzugehen.

Mentales Training mit Hörimplantat

„Wenn du da oben stehst, dann kommt alles wieder.“ Mag. Peter Kmetyko betrachtet nachdenklich das Foto der Siegerehrung bei der Österreichischen Radmeisterschaft im August 2021: Beim Zeitfahren der Master Klasse V erreichte er den dritten Platz.

Master nennt man im Radsport jene Bewerbe für Teilnehmer im Alter ab 35 Jahren; Klasse V umfasst Teilnehmer von 65 Jahren und mehr, die höchste Klasse VI folgt für Teilnehmer ab 70 Jahren. Bei der Österreichischen Meisterschaft im Zeitfahren nahmen in diesen beiden Klassen vier beziehungsweise sechs Fahrer teil, in Klasse I ab 35 Jahren waren es 16 Teilnehmer.

Für den 66-jährigen Nutzer einer BONEBRIDGE war das ein völlig unvermuteter Erfolg: „Das war nur möglich, weil mich gleich drei Spitzenmediziner so kompetent und einfühlsam behandelt haben!“

„Sport war immer meine Leidenschaft!“

Seit der Kindheit leidenschaftlicher Sportler, studierte Kmetyko Sport und Geschichte und unterrichtete dann 40 Jahre lang an einem Gymnasium in Wien. In seiner Freizeit betätigte er sich als „Allroundsportler“, besonders als Läufer. Zum Radfahren stieß der „Spätberufene“, wie er es formuliert, erst mit rund 40 Jahren. Er kam auf den Geschmack und startete bei seinen ersten Radmarathons. „Dann wollte ich wissen, wie das im Leistungssport aussieht.“ Er beschäftigte sich mit Material, Ernährung und Trainingsplänen. Auch „Mentales Training“ lernte er erstmals kennen.

Mentales Training kommt aus der Sportpsychologie, wird aber mittlerweile breit angewendet – auch in der Rehabilitation. Verbunden mit Entspannungsübungen stellt sich der Trainierende Bewegungsabläufe vor, ohne die Handlung aktiv auszuüben. Um die realen Bewegungsabläufe tatsächlich zu verbessern, ist ein Wechsel zwischen mentalem Training und realem Training wichtig. Zur erweiterten Methodik gehört auch die „Regulation von Selbstgesprächen“ – eine Art Gedankensteuerung und Selbstsuggestion, um das Vertrauen in die eigene Leistungsfähigkeit zu stärken und ziel- und lösungsorientiertes Handeln zu fördern.

Diese Fähigkeiten brauchte der Leistungssportler dann auch für die Bewältigung von drei gesundheitlichen Rückschlägen – jeder für sich geeignet, seine sportliche Karriere vorzeitig zu beenden. Monate lang war es ungewiss, ob es ihm jemals wieder möglich sein würde, Rad zu fahren, geschweige denn erfolgreich an Rennen teilzunehmen. Seine eigene Ausdauer, die Kunst von drei Spitzenmedizinern unterschiedlicher Fachbereiche und die Unterstützung von seiner Frau haben das Unwahrscheinliche möglich gemacht, sagt er: „Vor meinen Verletzungen war ich zwar schon besser. Aber ohne diese drei Ärzte, die mich dermaßen aufgebaut haben, hätte ich das nicht mehr geschafft.“

„Das ist immer peinlicher geworden…“

„Ich habe gerade ziemlich intensiv trainiert, als ich am linken Ohr heftige Schmerzen bekommen habe, dann Kopfscherzen, Schwindel, Höreinbußen – es war die Hölle.“ Wie das Radfahren hat auch das Thema Hören erst in den letzten Jahren für Peter Kmetyko an Relevanz gewonnen. Er handelte sich eine Ohrenentzündung ein, die chronisch wurde. Sie entwickelte sich bald zu jenem Gesundheitsproblem, das als erstes auch seine sportlichen Aktivitäten bedrohte. Als die erhoffte Besserung auch nach fünf Operationen noch nicht eintrat, wechselte der leidgeprüfte Patient einer privaten Empfehlung folgend zu Prof. Dr. Wolf-Dieter Baumgartner an die Universitätsklinik Wien.

Prof. Baumgartner gelang es, die Entzündung in den Griff zu bekommen. Das Mittelohr war aber schon so zerstört, dass der Chirurg die Gehörknöchelchen entfernen musste: Eine Beeinträchtigung der Schallleitung mit den entsprechenden Höreinbußen am linken Ohr waren die Folge. „Wenn in der Klasse ein Kind sprach, wusste ich nicht mehr, woher das kommt“, erzählt der pensionierte AHS-Professor, wie sich der einseitige Verlust des Hörvermögens auf das räumliche Hören auswirkte. Im Unterricht wurde die fehlende Zuordnung zum Problem: „Es wurde immer peinlicher.“

Mit Audioprozessor räumliches Hören und weniger Hörstress

Kmetyko zog sich auf den Sportunterricht zurück und dabei auf eine Position an der Türschwelle zum Turnsaal. Dort konnte er mit den Augen optisch ausgleichen, was ihm an akustischer Orientierung verlorengegangen war. Auch seine gesteigerte Lärmempfindung war dort erträglicher: „Ich hatte die Schüler ja gut im Griff – aber du kannst Kinder nicht ständig maßregeln, nur weil du selbst Probleme hast.“

Neben der Schulsituation machte sich das Hörproblem auch in Gesellschaft bemerkbar: „Ich musste mich plötzlich so auf das Gesagte konzentrieren, dass ich mich nur noch wenig aktiv am Gespräch beteiligen konnte.“ Die eigene Lautstärke zu regulieren kostete zusätzliche Anstrengung. Bald vermisste er das Hörvermögen am linken Ohr auch beim Radfahren: Wenn ein Auto zum Überholen ansetzt, hört ein normalhörender Radfahrer das, noch bevor er das Auto im Augenwinkel ausmachen kann. Nicht Kmetyko, der lernen musste, mit der Schrecksekunde zu leben, wenn plötzlich ein Auto knapp neben ihm auftaucht.

Naheliegend also, mittels Hörimplantat das Hörvermögen wieder herzustellen. „Die Operation hat mich schmerzfrei gemacht und das Implantat hat mir einen wesentlichen Teil meines vorherigen Hörvermögens zurückgebracht.“ Die BONEBRIDGE wandelt den Schall in Vibrationen um, die sie über den Schädelknochen direkt an das funktionsfähige Innenohr sendet. Damit umgeht sie das geschädigte linke Mittelohr. Heute fehlt dem Sportler zu seiner vollen Zufriedenheit nur noch ein Radhelm, der besser über den Audioprozessor passt. Gespräche in großen Gruppen sind zwar noch anstrengend, aber: „Das räumliche Hören habe ich mit dem Hörimplantat zurückgewonnen und ich habe wieder weniger Hörstress.“

„Die psychische Belastung war ein Problem!“

Hörtraining absolvierte Peter Kmetyko keines, dafür beschäftigte ihn ein anderes Thema lange – auch noch nach der Implantation: „Mit den Problemen beim Ohr ist mir zum ersten Mal bewusst geworden, dass ich jetzt in gewisser Weise behindert bin.“

Erst nach der Implantation erzählte der ehemalige Gymnasialprofessor seinen Schülern von den Hörproblemen und erklärte sein Implantat-System. „Das ist bei den Klassen aber nicht gut angekommen“, seufzt er. „Ich habe mich dabei nicht wohlgefühlt“, und: „Danach bin ich von den Schülern ständig auf den Prozessor angesprochen worden.“

Aus dem Sporttraining kannte der Rennfahrer das Prinzip des Mentalen Trainings. Das hatte ihm auch bei der Bewältigung seiner Schwindelprobleme vor der Implantation geholfen. Angeleitet von geeigneter Fachliteratur nutzte er es auch noch nach der Implantation, um an einer positiven Grundstimmung zu arbeiten: „Heute sind Hörproblem und Implantat für mich kein Makel mehr, sondern die gehören jetzt zu mir. Ich bin damit genauso wertvoll wie vorher!“ Mittlerweile trägt er seinen Sprachprozessor selbstbewusst im auffallenden Piraten-Design. „Der hat mir gefallen“, sagt er und schmunzelt: „Mit dem schwarzen Hintergrund passt der doch auch überall dazu.“

Lebensqualität: „Tun dürfen, was zufrieden macht und Freude bereitet.“

Das Schicksal wartete Kmetyko noch mit weiteren gesundheitlichen Rückschlägen auf: Herzprobleme machten einen Stent nötig und bei einem Sturz beim Mountainbiken zog sich der Pensionist einen Trümmerbruch am Knöchel zu, der mit zwei Metallplatten und 21 Schrauben fixiert werden musste. Um sich bei dieser und ähnlichen Behandlungen auch in Zukunft problemlos einer MR-Untersuchung unterziehen zu können, wechselte der Implantat-Nutzer von seinem ursprünglichen Implantat auf die MR-feste BONEBRIDGE.

Seit 2020 ist er in allen Belangen wieder so fit, dass er bedenkenlos trainieren kann. „Aber ich hätte nicht gedacht, dass ich wieder so eine Spitzenleistung bringen kann“, freut er sich über die jüngsten Erfolge. „Ein paar Jahre möchte ich noch bei den Rennen mitfahren.“ Gemeinsam mit seiner Frau, ebenfalls eine erfolgreiche Rennfahrerin, ist er aber auch im Urlaub mit dem Rad unterwegs: „Schöne Landschaften mit dem Rad befahren“ – zum Beispiel in sieben Tagen von Genf ans Mittelmeer. „Wenn wir keine Rennen mehr fahren, werden wir dann vielleicht öfter solche Etappenfahrten mitmachen.“

„Mein Fall ist ja nicht so dramatisch, zumindest jetzt nicht mehr“, relativiert er. Aus seiner eigenen Erfahrung weiß er aber, wie wichtig die Unterstützung der Familie bei Hörproblemen ist. Er wünscht auch anderen Betroffenen die nötige Unterstützung: „Damit sie nicht den Mut verlieren und eine Beschäftigung finden, mit der sie Erfolge erleben und Zufriedenheit gewinnen.“

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Richard Czvitkovits ist ein Spätberufener – beim Sport und beim beidseitigen Hören. Doch jetzt ist er in beiden Bereichen topfit, und kann viel darüber erzählen.

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