Welchen Einfluss Corona auf Kinder mit Hörimplantat in der Schule hat

Schule und Corona. Die Pandemie als Inklusionshindernis? Das heurige Schuljahr ist eine besondere Herausforderungauch ohne Höreinschränkungen. Mit etwas Sorgfalt vermeiden wir, dass sich Schüler mit Hörimplantat unter den neuen Bedingungen im Unterricht verloren fühlen. 

In der Schule mit MNS in Zeiten von Corona

Hörimplantat, Schule und Corona

Schultüten und aufgeregte Sechsjährige – der erste Schultag. Heuer war das im Osten Österreichs der 6. September; im aktuellen Schuljahr auch deswegen ein aufregender Tag, weil das Bildungsministerium kurz zuvor informierte, wie der heurige Schulstart angesichts der aktuellen Corona-Pandemie aussehen soll. Seither wechseln je nach Pandemie-Situation Präsenzunterricht in der Klasse – ohne und mit Mund-Nasen-Schutz – mit Phasen des sogenannten Distance-Learning: Fernunterricht, die Schüler lernen ausschließlich zuhause. Neben den Lehrbüchern bereiten Lehrkräfte je nach Altersgruppe der Schüler Arbeitsblätter vor – erklärend unterstützen können dann nur die Eltern – oder die Lehrkräfte unterrichten online via Videokonferenz und geben – ebenfalls online – Arbeitsaufträge.

Das European Disability Forum EDF stellt in seiner Resolution1 fest, Schüler und Studenten mit Beeinträchtigungen hätten während der Pandemie schwereren Zugang zu hochqualitativer, inklusiver Bildung und daher drohe Exklusion. Bei der Planung und Evaluierung von Unterricht und Leistungsüberprüfungen sei deswegen auf Inklusion besonders zu achten.

Natürlich benötigen hörbeeinträchtigte Schüler jetzt dieselben grundlegenden Unterstützungen wie immer. Wie den pandemiebedingt hinzukommenden Herausforderungen zu begegnen ist, entwickeln Schüler, Eltern und Lehrkräfte gerade im gemeinsamen Tun. gehört.gelesen hat für Sie die besten Tipps gesammelt.

Gerade jetzt braucht es aber auch von allen Seiten Verständnis für die Lernkurve der jeweils anderen. Mit den Lehrkräften in Kontakt zu bleiben, wenn auch telefonisch oder online, hilft auch während der Pandemie, optimale Maßnahmen zu setzen. Ein harmonisches Zusammenspiel aller Beteiligten ist gut für das Arbeitsklima und verbessert direkt und indirekt Freude am Lernen und Erfolg dabei2.

Herausforderung Online in Corona-Zeiten für Kinder mit Hörimplantat

Unterricht online. Die AHS-Professorin müht sich, dass aus dem Online-Vortrag nicht die neue Form des längst überholten Frontalunterrichts wird. Ein schmaler Streifen am Bildschirm zeigt ihr, welcher ihrer Schüler bei der Videokonferenz eingestiegen ist. Wer auch tatsächlich vor dem Computer sitzt, das sieht sie so nicht. Und dann ist es ja auch nicht einfach, lange Zeit konzentriert dem Geschehen am Bildschirm zu folgen.

Gute Audioqualität fördert nicht nur bei hörbeeinträchtigten Kindern die Aufmerksamkeit und den Lernerfolg. Dazu gehören die üblichen Verhaltensregeln bei Videokonferenzen: Nur eine Person spricht, alle anderen drehen ihr Mikrofon ab. Bei Rückfragen helfen die Funktionen „Hand heben“ und „Chat“ – vorab vereinbarte „Spielregeln“ ermutigen die Zuhörer oder Schüler zur aktiven Beteiligung auch online. Für Gespräche in Kleingruppen gibt es die Funktion „Pausenraum“ oder „Outbreak-Room“; sollen alle Schüler ihren Beitrag zum jeweiligen Gespräch leisten, hat sich beispielsweise das „Weiterreichen des Mikrofons“ bewährt: Wenn ein Schüler seine Wortmeldung beendet, nennt er den nächsten Sprecher.

Damit hörbeeinträchtigen Schülern auch online das Lippenlesen möglich ist, sollte die Lehrkraft – und bei längeren Wortmeldungen auch der jeweilige Schüler – das Video einschalten. Ein gut ausgeleuchteter Raum mit einfarbigem Hintergrund, der Blick in die Kamera und die Vermeidung von Schatten sind hilfreich. Alle anderen sollten die Kamera aber deaktivieren, um die Übertragungskapazität zu reduzieren und damit Aussetzer bei Schülern an schwachen Internetanschlüssen zu vermeiden. Ist die Tonqualität bei einzelnen Wortmeldungen trotzdem schlecht, kann die Lehrkraft die Wortmeldung wiederholen und dabei eventuell umformulieren.

Visuelle Hilfestellungen sind online mitunter leichter nutzbar: mittels Videokamera können Anschauungsobjekte über „Bildschirm teilen“ Grafiken, Bilder und Texte gezeigt werden. Dateien, wichtige Daten oder Arbeitsaufträge können auch im Chat hochgeladen werden und bleiben dort dauerhaft verfügbar. Bei Videos gibt es die Möglichkeit zu untertiteln, mit Einwilligung der Lehrkräfte können hörbeeinträchtigte Schüler die Aufnahmefunktion nutzen und so den Vortrag ein zweites Mal ansehen. Wer einen Schriftdolmetscher gewohnt ist, muss auch online nicht darauf verzichten.

In der Schule vor Corona mit Cochlea Implantat

Klassenraum Kinderzimmer statt in der Schule – besonders für Kinder mit Hörimplantat

Das Anfang des Schuljahres von öffentlicher Seite empfohlene Ideal, für jedes Schulkind der Familie für den Online-Unterricht ein eigenes Lernzimmer zu nutzen, das ist wohl nur in wenigen Ausnahmefällen möglich. Trotzdem hilft es, einen möglichst ruhigen Bereich fürs Lernen zu wählen, entweder vom Spielbereich getrennt oder vor Unterrichtsbeginn von Spielmaterialien geräumt. Für eine gute Online-Verbindung empfiehlt sich die Nähe zum WLAN-Router. Andere Familienmitglieder sollten während eines Online-Vortrags das WLAN möglichst meiden. Smartphones haben nur winzige Bildschirme und reduzierte Tonqualität, daher sollten Schüler PC, Laptop oder Tablet verwenden.

Bringen Sie in Erfahrung, welche technischen Möglichkeiten die verwendeten Audioprozessoren bieten, um den Audioausgang des Computers möglichst direkt in das Hörsystem einzukoppeln: je nach Audioprozessor können Audiokabel, Induktionsschleife oder AudioLink zu deutlich verbesserter Tonqualität und damit entspannterem Zuhören und besserem Verstehen führen. Helfen Sie Ihrem Kind auch, sich mit den technischen Möglichkeiten jener Online-Plattform vertraut zu machen, die von der Schule genutzt wird: Wo kann ich das Bild des Lehrers groß machen, um die Lippen gut zu erkennen? Gibt es die Funktion „Untertitel“? Sichere Handhabung der Technik ermöglicht den jungen Leuten, sich auf den Lehrvortrag und dessen Inhalt zu konzentrieren.

Gerade wenn Ihr Kind ein- oder umgeschult wurde oder aus anderen Gründen neue Lehrkräfte hat, ist der Kontakt mit diesen besonders wichtig. Auch Lehrer sind durch neue Technologien und abrupt veränderte Anforderungen im Unterricht gefordert – die besonderen Bedürfnisse eines einzelnen Schülers könnten ohne direkte Information zu leicht übersehen werden.

MNS-Maske in der Schule – schwierig für Hörimplantat-Nutzer

Nicht nur beim Online-Unterricht, auch im Klassenraum sind Schüler im Moment mit zusätzlichen Hörproblemen konfrontiert. Das Klassenzimmer ist zu „Normalzeiten“ schon oft eine akustische Herausforderung. Die aktuell nötigen größeren Abstände und die Masken als Mund-Nasen-Schutz erschweren das Sprachverstehen zusätzlich: Die Maske dämpft die Lautstärke und filtert das Klangbild, zusätzlich fehlt das Lippenbild.

Die üblichen Hinweise, wie deutliche Sprache, Visualisierung von Informationen, nachfragen, ob die Informationen verstanden wurden – all das ist derzeit wichtiger denn je. Dazu gehört auch die bewusste Wahl des Sitzplatzes für Kinder mit Hörimplantat, nahe an der Lehrerin und fern von potentiellen Lärmquellen wie Klimaanlage oder Tür; ebenso die Verwendung von FM-System oder externem Mikrofon – zum Beispiel Roger Pen oder AudioLink. Bitten Sie als Elternteil die Lehrpersonen, gerade bei Verwendung von MNS-Masken, das externe Mikrofon möglichst nahe beim Mund zu platzieren.

MNS-Masken für Nutzer von Hörimplantaten und Hörgeräten

Es gibt verschiedene Designs von MNS-Masken. Häufig verlaufen Befestigungsbänder aus Gummi direkt hinter den Ohrmuscheln. Das ist für ein rasches Auf- oder Absetzen praktisch, kann für Nutzer von HdO-Hörgeräten oder Audioprozessoren auf Dauer aber unangenehm oder schmerzhaft werden. Sogenannte „Maskenbänder“ oder „Ohrenschoner“3 – kurze Bänder, die am Hinterkopf getragen werden, mit einem Knopf an jedem Ende, an denen die Bänder des Mundschutzes eingehängt werden – nehmen den Druck von den Ohren; oder man wählt eine MNS-Maske zum Binden oder mit Gummiband am Hinterkopf. Der Audioprozessor kann zusätzlich befestigt werden, zum Beispiel mit Perücken-Klebeband, damit er beim Auf- und Absetzen der Maske nicht so leicht abgestreift wird.

Ist die Verwendung von hochwertigen FFP2-Masken erforderlich, müssen die Gesprächspartner auf das Lippenbild verzichten. Genügen herkömmliche MNS-Masken, findet man im Handel auch enganliegende Masken mit Sichtfenster oder ganz aus Klarsichtmaterial4. Wenn Mitschüler und Lehrkräfte solche Masken tragen, können hörbeeinträchtigte Schüler weiterhin das Lippenbild nützen. Kleine Klarsichtvisiere sind als MNS-Maske nicht ausreichend. Entsprechend der neuen Verordnung sind in Österreich „in Ausnahmefällen“ auch nicht-enganliegende Klarsichtvisiere zulässig, wenn sie bis zu den Ohren und deutlich unter das Kinn reichen.

Informationen zu Schule und Hörimplantat

Generelle Hinweise zu CI oder Hörimplantat in der Schule bieten die MED-EL Broschüren „Entwickeln und Lernen mit Hörimplantat“ sowie „Aufwachsen mit Hörimplantat“, weitere Tipps – generell und mit Fokus auf die Pandemie-Situation  finden Sie auf blog.medel.com www.hoerverlust.at und auf www.endlich-wieder-hoeren.org, sowie auf https://masseyeandear.org/covid-19/hearing-loss-resources-students-teachers  

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