Wie die MED-EL Fertigung die Zuverlässigkeit von Implantaten beeinflusst
Während die Fertigung in vielen Betrieben vor allem kostengünstig sein soll, versteht MED-EL sie längst als Schlüsselfaktor für Produktqualität: Wir werfen einen Blick hinter die Kulissen der österreichischen Hörimplantat-Fertigung.

© MED-EL
Der lange Gang entlang Fertigungsräume. Arbeiter:innen in einheitlich blauem Gewand kommen uns entgegen. Sie sind am Weg in die Pause. Wenn sie später zurückkommen werden, werden sie eine Schleuse passieren und einen weiteren Arbeitsmantel überziehen. Dazu Mundschutz, Haar- und Bartschutz sowie Überschuhe. Am MediaDay im Mai 2026 hat MED-EL Medienvertreter:innen zu einer Führung durch die Implantat-Fertigung eingeladen, auch mich als Redakteurin der gehört.gelesen.
Bei MED-EL gelten freiwillig strengere Reinheitsvorschriften als gesetzlich für solche Produktionen gefordert. Die Standards liegen über jenen eines gewöhnlichen Operationssaals: Die Luft wird gefiltert, von 80.000 Staubpartikeln dürfen maximal vier durch den Filter gelangen. Zudem wird die Luft 60 Mal pro Stunde vollständig ausgetauscht. Am Gang schneidet der feine Luftzug der ständigen Luftumwälzung an unseren Ohren vorbei.
Was Hobbys mit Präzisionsarbeit zu tun haben

Präzisionsarbeit und höchste Hygiene- und Sicherheitsstandards bei der MED-EL Implantat-Fertigung in Innsbruck © MED-EL
Wir beobachten die Fertigungsvorgänge durch großflächige Glasscheiben. Arbeiter:innen kontaktieren Drähte, die feiner als Haare sind, mit winzigen Kontaktblättchen. Andere kontrollieren die Produkte nach jedem Fertigungsschritt unter dem Mikroskop. Wer direkt an elektronischen Teilen arbeitet, ist über ein Armband an die Erdung des Arbeitsplatzes angebunden. Die Arbeit ist offensichtlich anstrengend. Sie verlangt neben technischem Know-how auch feinmotorische Geschicklichkeit, Geduld und Konzentration.
„Deshalb kommen beim Vorstellungsgespräch manch unerwartete Fragen zu Hobbys: Malen Sie, häkeln Sie oder stricken Sie in Ihrer Freizeit? Lösen Sie gerne Rätsel?“, beschreibt Alexander Mayr, Leiter der Implantat-Herstellung bei MED-EL, in einer Presseinformation. Solche Hobbys können ihm Hinweise auf Fähigkeiten geben, die für millimetergenaue Arbeit entscheidend sind.

Am MediaDay im Mai 2026 hat MED-EL Medienvertreter:innen zu einer Führung durch die Implantat-Fertigung eingeladen. © MED-EL
„Nur wer gerne arbeitet, liefert auch Qualität!“
Gerade bei Präzisionsarbeit sind qualifizierte und auch motivierte Mitarbeiter:innen entscheidend. MED-EL versucht deswegen, für die Mitarbeiter:innen die Bedeutung der Tätigkeit und der dabei notwendigen Genauigkeit erlebbar zu machen. Bei einem „Meet the Implant Maker“ können Endkund:innen jene Fertigungskräfte kennenlernen, die an ihren Implantaten gearbeitet haben. Für Mayr auch eine wichtige Erfahrung für seine Mitarbeiter:innen: „Um die lebensverändernde Wirkung und den Wert ihrer Arbeit noch bewusster zu machen.“
Ich konnte schon im März mit Hannah Hochreiter sprechen. Die Fertigungsmitarbeiterin war da schon zwei Mal bei einem solchen Aktionstag dabei. „Letztes Jahr habe ich CI-Eltern getroffen, heuer war deren Kind auch dabei. Ich freue mich immer, wenn ich meine Arbeit erklären kann“, strahlt sie. „Aber ich habe auch eine richtige Gänsehaut bekommen, als ich gesehen habe, wie zufrieden dieses Kind mit dem CI ist – und wie gut alles damit ist.“
Technologie mit Augenmaß
Beim MediaDay treffen wir Alexander Mayr auch persönlich. Als einer der ersten Mitarbeiter von MED-EL hat er die weltweite Entwicklung der Cochlea-Implantationen miterlebt. Als Leiter der Implantat-Produktion ist er für die Expansion der Fertigung verantwortlich. Automatisierung ist daher ein Thema, verrät er. Doch bei der Fertigung von Medizinprodukten zählen Qualität und Geschick mehr als möglichst hohe Stückzahlen. Jedes Implantat wird während und nach der Produktion mehrfach geprüft. „Aber Qualität muss man produzieren, die kann man nicht hineintesten!“
Genau da haben Fertigungsroboter aber ihre Grenzen: „Sie sind hervorragend für repetitive Aufgaben. Aber sie haben Schwierigkeiten mit Präzisionsarbeit.“ Der erfahrene Fertigungstechniker nennt ein Beispiel: „Wenn zwei Teile nicht perfekt zusammenpassen, greift ein Mensch schnell zu einem neuen Teil. Ein Roboter versucht, die Teile zusammenzusetzen – ob sie korrekt passen oder nicht. Das führt leicht zu Fehlern.“ Deshalb soll die Automatisierung vor allem Routinetätigkeiten übernehmen.
Auch das neue Fertigungsgebäude soll den Ansprüchen der Zukunft entsprechen. Bei Präzision und Problemlösung bleiben Menschen gefragt. Das berücksichtigte die Firmenleitung auch beim neuen Fertigungsgebäude: Die Mitarbeiter:innen wurden in die Gebäudeplanung einbezogen – ihre Erfahrung soll ebenso in die Gestaltung der Arbeitsplätze einfließen wie neue Technologien.
Kurze Wege, schnelle Lösungen

Alexander Mayr, Leiter der Implantat-Produktion bei MED-EL: „Die Frage ist nicht nur, was wir herstellen – sondern wie wir die Welt verändern.“ © MED-EL
Bei seinen Lieferanten setzt MED-EL auf möglichst kurze Wege. Globale Lieferketten anderer Betriebe haben sich in den vergangenen Jahren als störanfällig erwiesen. Mayr sieht darin aber auch ein Qualitätsproblem: „Wenn die Qualität eines Zulieferteils nicht meinen Vorstellungen entspricht, ist es schwierig, das zum Beispiel einem US-amerikanischen Lieferanten per Telefon zu erklären.“
Daher setzt er auf Lieferanten, die im Fall des Falles mit einer einfachen Autofahrt erreichbar sind. „Diese Nähe ermöglicht eine schnelle Lösung von Problemen, kurze und effiziente Kommunikationswege und gemeinsame Innovationen. Mit der lokalen Fertigung bleiben wir flexibel und können umgehend auf Veränderungen reagieren.“ Die Pandemie und andere Krisen des internationalen Transportwesens haben diesen Ansatz bestätigt. „Wir werden diesen eingeschlagenen Weg fortsetzen.“
„Welchen Wert hat es, etwas herzustellen?”
Für den Leiter der Implantat-Fertigung liegt der Wert der Arbeit in der Wirkung der resultierenden Produkte: „Wir streben nach den höchsten Standards, weil wir wissen, dass Menschen auf der ganzen Welt dank unserer Arbeit hören können“, zeigt er sich stolz. „Dieses Wissen prägt nicht nur unsere Produktionsprozesse, sondern ist Sinn und Zweck unserer täglichen Arbeit.“
„Die Zukunft dreht sich nicht nur um Technologie – sie dreht sich um die Menschen, deren Leben wir berühren, und die Gespräche, die wir ermöglichen.“ Mayr zeigt sich überzeugt: „Wenn wir an diesen Idealen festhalten, fertigen wir nicht nur medizintechnische Geräte – sondern gestalten eine neue Welt voller Klang, Musik und der Freude an gemeinsamen Erlebnissen.“
Für jahrzehntelangen Verlass auf Implantate
Neben den technologischen Voraussetzungen sind höchste Produktionsstandards sowie strenge Kontrollen und Produkttests die Garanten für qualitativ hochwertige Implantate. Ein Implantat ist ja kein Lifestyle-Artikel, den man beliebig wechselt, sondern ein Teil, der im Körperinneren sitzt und dessen zuverlässige Funktion zusätzliche chirurgische Eingriffe vermeiden hilft.
Seriöse Implantat-Hersteller zeigen die Informationen zur Zuverlässigkeit ihrer Produkte daher auch nachvollziehbar und transparent. Wie MED-EL auf seiner Webseite zur 360-Grad Sicherheit und Zuverlässigkeit seiner Cochlea-Implantate: https://www.medel.com/de-at/hearing-solutions/cochlear-implants/reliability

Leben mit hoerverlust.at
Alles auf einen Klick! hoerverlust.at bietet Betroffenen und Angehörigen umfassende Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu allen Bereichen, die Sie auf dem Weg zum Hören benötigen. Mehr zum informativen Wegbegleiter vom ersten Verdacht bis zur optimalen Versorgung finden Sie hier!

ZENTRUM HÖREN
Beratung, Service & Rehabilitation – für zufriedene Kunden und erfolgreiche Nutzer! Mehr zum umfassenden Angebot und engagierten Team des MED-EL Kundenzentrum finden Sie hier!





