Spiele, die Kinder mit und ohne Hörbeeinträchtigung fördern
Gefühle bei sich und anderen zu erkennen, zu benennen und damit umzugehen, müssen Kinder erst erlernen. Spiele können dabei helfen.

Ob Kinder gerade ihren Wortschatz erweitern, eine Zweit- oder Fremdsprache lernen oder mit Hör- oder Sprechbeeinträchtigung lernen: gemeinsames Spiel fördert die Kommunikationsfähigkeit. Wichtig ist dabei, den Spielablauf verbal zu begleiten – das gilt für die Spielleitung und für alle Mitspielenden.
Spielmaterial speziell zur Förderung der Kommunikation sind die Bildkarten zu Heute bin ich. Auf stabilem Hartkarton und in griffiger Größe auch für noch ungeschickte Kinderhände zeigen sie jeweils einen der ausdrucksstarken Fische aus dem kunstvoll illustrierten Bilderbuch von Mies van Hout in drei Kartensets: nur die Fische, Fische und dargestellter Begriff, nur die Begriffe.
- Memory als Sprach- und Gefühlstraining
Aus den drei Kartensets lassen sich 21 Kartenpaare für ein Memory zusammenstellen – je nach Lesefähigkeit mit zwei Bildersets oder mit Bild- und Wortkarten. Beim Aufdecken sollten die dargestellten Gefühle immer benannt werden.
Der Tipp gilt auch für andere Memory-Spiele: Wird das aufgedeckte Tier, der Gegenstand oder ein Beruf genannt, wird beim Memoryspiel ganz nebenbei der Wortschatz erweitert.
Memory lässt sich auch kooperativ spielen. Statt gegeneinander anzutreten, lösen alle gemeinsam das Spiel. So gibt es am Ende nur Sieger und keine Verlierer. Bei jedem Spielzug kann eine andere Person erzählen: „Wann habe ich mich so gefühlt?“
Beim Kooperativen Brettspiel von Das Farbenmonster sind Memo-Aspekte ebenso Teil des Spielablaufs wie das Gespräch über Gefühle. Der beigelegte Spielplan enthält zusätzliche Anregungen für Erwachsene. Dieses Brettspiel basiert auf dem gleichnamigen Bilderbuch der spanischen Autorin, Illustratorin und Kunsttherapeutin Anna Llenas und ist ebenfalls sehr empfehlenswert.
- Domino mit Gefühl
Eine andere Art von Bild-Paarung ist die Grundlage für das populäre Spiel Domino. Das Domino Heute bin ich besteht aus 42 großen Hartkarton-Kärtchen mit jeweils zwei Gefühlsdarstellungen – neu im Angebot kommt es gerade recht für den weihnachtlichen Gabentisch.
- Ratespiel
Die Karten des Legespiels eignen sich auch für Ratespiele. Anna Stenzel, BSc, Logopädin im ZENTRUM HÖREN, rät, zunächst über eigene Erfahrungen zu sprechen: „Warst du schon einmal traurig? Wie verhältst du dich dann?“ Oder „Welches Gefühl kennst du? Kannst du es zeigen?“ Die Kinder können die Gefühle mit Gestik, Mimik und Pantomime darstellen. Dann können die Bildkärtchen ins Spiel eingeführt werden: „Was fühlt der Fisch?“
- Activity
Eine anspruchsvollere Ratespiel-Variante orientiert sich am populären Gesellschaftsspiel Activity: Reihum ziehen die Spielenden eine Karte und beschreiben, zeichnen oder stellen pantomimisch das auf der Karte genannte oder dargestellte Gefühl. Die anderen versuchen, es zu erraten – einzeln oder im Team. Für den Anfang empfiehlt Stenzel, dass nur die Spielleitung rät. So können die spielenden Kinder sich ganz auf das Darstellen der Gefühle konzentrieren.
Vom Spiel in den Familienalltag
Ob Memory, Domino oder Activity: Für die erfahrene CI-Logopädin Stenzel bieten solche Spiele zahlreiche Gesprächsanlässe. „Kannst du dieses Gefühl immer gut erkennen? Geht das in manchen Situationen oder bei manchen Menschen besonders schwer?“
Entscheidend ist, dass der bewusste Umgang mit Gefühlen nicht am Spieltisch endet. Gerade Kinder mit Cochlea-Implantaten profitieren davon, wenn Gefühle auch im Alltag immer wieder benannt werden: „Bist du gerade traurig?“ oder „Ich habe den Eindruck, dass du jetzt richtig wütend bist.“ So lernen sie, eigene Emotionen und die anderer Menschen besser wahrzunehmen und darüber zu sprechen.

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