Das erste vollständig implantierte Cochlea-Implantat ist da!
MED-EL stellte Ende September das weltweit erste und einzige unsichtbare vollimplantierbare Cochlea-Implantat TICI UNICO vor. Knapp fünfzig Jahre CI-Erfahrung und sechs Jahre TICI-Erfahrung aus und in Österreich.

©Daniel Zangerl/MED-EL
„Das TICI, auf das wir so lange gewartet haben“, freut sich Prof. Dr. Christoph Arnoldner, MBA, Primar der HNO-Universitätsklinik Wien – AKH, als er beim Österreichischen HNO-Kongress die Hörerfolge seiner ersten TICI-Patient:innen vorstellte. Dr. Ingeborg Hochmair, CEO und Gründerin von MED-EL, ist überzeugt: „Das TICI UNICO ist eine völlig neue Kategorie von Cochlea-Implantaten. Für mich ist ein Traum wahr geworden, den ich seit Beginn unserer Arbeit gehabt habe.“
Cochlea-Implantate, kurz: CI, der österreichischen Firma MED-EL schenken weltweit schon hunderttausenden ertaubten Menschen und taub geborenen Kindern das Hörvermögen. Doch bisher war bei allen CI-Systemen ein außen getragener Audioprozessor nötig, der Mikrofon, Schallverarbeitung und Energieversorgung beinhaltet. Beim TICI UNICO sind auch diese Teile in das Implantat integriert. „Zum ersten Mal wird unsichtbares Hören mit einem Cochlea-Implantat möglich“, so MED-EL CEO Hochmair. Prof. Arnoldner zitiert einen seiner fünf bisherigen TICI-Patient:innen: „Niemand sieht, dass ich ein Implantat trage.“
Die ersten Exemplare dieses vollständig implantierbaren Cochlea-Implantats – englisch: Totally Implantable Cochlear Implant (TICI) – wurden ab September 2020 im Rahmen einer internationalen Machbarkeitsstudie eingesetzt, unter anderen an der Universitätsklinik Wien. Die Ergebnisse belegen die Zuverlässigkeit des Systems und zeigen, dass Klang und Sprachverstehen kompromisslos gut wie mit herkömmlichen CI-Systemen sind – beim TICI aber ohne externen Audioprozessor. Seit August 2026 ist TICI UNICO zugelassen, am 29. September fanden die ersten regulären Implantationen in Österreich statt.

Mit dem GoPod ist TICI ganz einfach und in etwa einer Stunde für die nächsten 40 Stunden aufgeladen. ©Daniel Zangerl/MED-EL
Sechs Jahre Erfahrung mit TICI UNICO
Der externe Audioprozessor eines Cochlea-Implantat (CI) Systems kann verloren gehen oder beschädigt werden. Er erfordert Reinigung und Wartung. Er kann Aktivitäten wie Baden oder Schwimmen, vor allem in offenen Gewässern (Verlustgefahr), beeinträchtigen. Er macht die unsichtbare Hörbeeinträchtigung für andere sichtbar. In der Regel wird er beim Schlafen abgenommen. CI-Experte Prof Arnoldner weiß: „Dass man das Gerät abnehmen muss, hat viele Patient:innen gestört.“
Der Wiener Primar hält das TICI UNICO für: „eine Jahrhundertentwicklung – nicht nur aus kosmetischer Sicht: Es ermöglicht Hören rund um die Uhr!“ Patientin Dragana Petrovic erzählt, dass sie vor der Operation einen Feueralarm überhört hat. Jetzt freut sie sich über: „die Vorstellung, dass ich mit dem TICI wieder beim Schlafen hören kann. Man hat mir keine Wunder versprochen, aber für mich ist es wunderbar!“
Tatsächlich ist die Ästhetik nur ein Teil der Innovation, das pausenlose Hörvermögen der vielleicht wesentlichere: Eine TICI-Nutzerin aus Deutschland sagt: „Mit dem TICI UNICO kann ich meine kleine Tochter auch nachts hören und mich sofort um sie kümmern. Es gibt mir die Freiheit und Sicherheit, mein Leben selbständig zu leben, ohne auf andere angewiesen zu sein.“
Die neue Freiheit des Hörens
Das TICI UNICO ist die erste Cochlea-Implantat-Lösung, bei der alle Komponenten zur Gänze unter der Haut sitzen. Das integrierte Mikrofon nimmt Schall durch die Haut auf. Anschließend werden die Signale vom Mikrofon in elektrische Impulse umgewandelt und an die Elektrode in der Cochlea weitergeleitet. Dort stimuliert das TICI den Hörnerv, wodurch das Gehirn die Signale als Klang interpretiert.
Die Schallaufnahme durch die Haut galt lange als die größte Herausforderung in der Entwicklung eines vollimplantierbaren Cochlea-Implantats. MED-EL entwickelte ein implantiertes Mikrofon, das vollständig unter der Haut verbleibt. Es wird im Knochen über dem Gehörgang positioniert: Körpereigene Signale werden an dieser Position nur in geringem Maß aufgenommen und von den UNICO-Nutzer:innen nur in der ersten Zeit bewusst wahrgenommen. Dafür fallen die bei Hörgeräten unangenehmen Geräusche von Wind oder reibender Kleidung am Prozessor völlig weg. Gleichzeitig können die Nutzer:innen die Audiosignale von außen aber deutlich und klar hören.
Die andere Herausforderung vollimplantierbarer Systeme ist die Energieversorgung. Prof. Arnoldner weiß: „Im Vergleich zum Herzschrittmacher zum Beispiel brauchen Cochlea-Implantate viel mehr Energie.“ Beim TICI UNICO kommt diese aus dem integrierten Akku, der nach nur etwa einer Stunde Ladezeit 40 Stunden TICI-Hören ermöglicht. Das Aufladen erfolgt mit dem sogenannten GoPod, der in Form und Größe einem Single-Unit Prozessor ähnelt. Der:die Nutzer:in kann auch während des Aufladens hören.
MED-EL CEO Hochmair erzählt: „Am meisten hat mich beeindruckt, wie oft die Nutzer:innen über Freiheit sprechen.“ Wie einer der österreichischen TICI UNICO-Nutzer: „Das TICI hat mir nicht nur das Hören ermöglicht, sondern mir ein Stück Freiheit und Unbeschwertheit zurückgegeben.“ „Manchmal vergesse ich, dass ich taub bin“, veranschaulicht es Diana Grosser, TICI-Nutzerin aus Deutschland.

Mit dem GoPod ist TICI ganz einfach und in etwa einer Stunde für die nächsten 40 Stunden aufgeladen. ©Daniel Zangerl/MED-EL
Unsichtbares Hören rund um die Uhr
Natürlich sind Ästhetik und pausenloses Hören nur sinnvoll, wenn dabei keine Abstriche bei der Hörqualität gemacht werden müssen: Die Daten der klinischen Studie belegen, dass die Nutzer:innen mit dem TICI UNICO ebenso gut hören und verstehen wie mit einem vergleichbaren klassischen CI-System. Im Umkehrschluss ist der Wechsel von einem funktionsfähigen CI auf ein TICI audiologisch und medizinisch nicht zu argumentieren. Auch wenn TICI-Nutzer:innen zusätzlich von den Vorteilen des vollständig implantierten Designs profitieren: Sie können in jeder Situation und ohne Unterbrechung hören, auch beim Schlafen, beim Sport, im Wasser und während des Ladevorgangs. Sollte ein:e Nutzer:in tatsächlich eine Hörpause wünschen, kann TICI UNICO über den GoPod abgedreht werden. Doch grundsätzlich ist mit TICI UNICO Hören rund um die Uhr möglich.
TICI oder CI, die Frage stellt sich nun manchen Kandidaten. „Nicht jedes Cochlea-Implantat passt zu jedem Kandidaten“, erklärt dazu Prof. Dr. Joachim Müller, Leiter der Otologie und CI-Implantologie an der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Er war ebenfalls als CI-Chirurg an der Machbarkeitsstudie beteiligt. In den meisten Ländern – auch in Österreich – sind derzeit Verhandlungen mit dem öffentlichen Gesundheitssystem über die Finanzierung des TICI UNICO im Laufen. Bisher wird es auch nur an einzelnen CI-Kliniken implantiert.
Prof. Müller gab deswegen schon vor der Zulassung des TICI UNICO zu bedenken: „Bei Cochlea-Implantaten profitieren alle, die sich für die zum jeweiligen Zeitpunkt verfügbare Technologie entscheiden, mehr als jene, die warten.“ Mit anderen Worten: Wo das TICI noch nicht verfügbar ist, dort sollten CI-Kandidaten unbedingt zeitnah ein konventionelles CI mit externem Audioprozessor wählen. Prof. Arnoldner ist sich anlässlich der ersten regulären TICI-Implantationen in Österreich am 29. September 2026 aber sicher: „Das heutige Datum werden wir uns merken. Dass man das Gerät abnehmen muss, hat tatsächlich viele CI-Kandidat:innen gestört.“ Mit TICI UNICO gehört das der Vergangenheit an.
Die lange Tradition guten Hörens aus Österreich
Die Entwicklung von Cochlea-Implantaten (CI) begann 1975 an der Technischen Universität Wien. Das erste mikroelektronische Mehrkanal-CI wurde 1977 implantiert. Seit die CI-Pioniere Ingeborg und Erwin Hochmair 1990 MED-EL gründeten, hat das Unternehmen kontinuierlich Meilensteine gesetzt:
- CI-Systeme vom frühen Comfort bis zum heutigen SYNCHRONY 2, einschließlich des neuesten Audioprozessors SONNET 3 Micro Akku-Pro.
- Von manuellen, weitgehend experimentellen Eingriffen hin zu Routineoperationen mit optionaler Roboterassistenz, die minimalinvasive Eingriffe und einen besseren Erhalt des Restgehörs ermöglichen.
- Vom monauralen CI für beidseitig gehörlose Erwachsene bis hin zu individualisierten Lösungen für jedes Ohr, jeden Grad des Hörverlusts und jedes Alter.
Seit 1977 sind CIs teilimplantierbare Systeme. Im Jahr 2025 wurden die ersten Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum vollständig implantierbaren Cochlea-Implantat (TICI) veröffentlicht. Im Sommer 2026 wurde das System zertifiziert und für die Nutzung zugelassen.
„Vollständig implantierbare Cochlea-Implantate sind die Zukunft der Hörtechnologie! Diese Innovation ist ein bedeutender Fortschritt in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit, Ästhetik und Patientenzufriedenheit und bekräftigt unsere Mission, Hörverlust als Barriere für Kommunikation und Lebensqualität zu beseitigen“, versichert Dr. Ingeborg Hochmair. „Ich hoffe sehr, dass das TICI UNICO vielen Menschen, die sich bisher aus unterschiedlichen Gründen nicht für ein Cochlea-Implantat entschieden haben, einen neuen Zugang zum Hören eröffnet.“
Weitere Informationen zum TICI UNICO findest du hier.

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