Neuartiges Monitoring bei der Cochlea-Implantation
Am internationalen CI-Symposium 2026 in Warschau/Polen stellte MED-EL die neuartige Software OTOGUIDE vor: ein Monitoring für die Cochlea-Implantation.
Eva Kohl

© MED-EL
Ein Schlag oder Sturz, gefolgt von Schmerz, Schwellung und Einschränkung der Beweglichkeit oder Belastbarkeit: Alle fünf Minuten1 oder öfter bricht sich in Österreich jemand Arm, Bein oder einen anderen Knochen. Von außen ist ein geschlossener Bruch oder Haarriss nicht immer auf den ersten Blick diagnostizierbar. Auch bei manchen anderen Erkrankungen sind Diagnose und Behandlung schwierig, wenn die Situation im Inneren des Körpers nicht sichtbar ist. Kein Wunder, dass schon seit 1892 der Landarzt im Märchen Elektra2 seufzt: „Ach, wenn es doch ein Mittel gäbe, den Menschen durchsichtig zu machen wie eine Qualle!“
Drei Jahre nach Publikation dieses medizinischen Märchens erstellte der Physiker Wilhelm Conrad Röntgen die erste Aufnahme vom Inneren einer menschlichen Hand: mit einer zuvor unbekannten Strahlung, die er „X-Ray“ nannte – noch heute die englischsprachige Bezeichnung für Röntgenaufnahmen. Die Erfindung revolutionierte die Medizin. Heute können wir uns bei vielen medizinischen Fragestellungen nicht mehr vorstellen, auf bildgebende Diagnostik zu verzichten.
Einblick in die Cochlea-Implantation
CI-Chirurg:innen können Cochlea-Implantate zuverlässig setzen, auch wenn sie dabei nicht in die Cochlea hineinsehen. Zigtausende zufriedene CI-Nutzer:innen beweisen das. Doch jede Cochlea-Implantation kommt an den einen entscheidenden Moment, wenn der/die Chirurg:in die Elektrode in die empfindlichen Windungen der Hörschnecke einfädelt. Der Moment, wenn er/sie „im Dunkeln tastet“, weil er/sie während der Operation die Vorgänge im Innenohr nicht beobachten kann.
Seit 2024 ermöglicht robotische Unterstützung von OTODRIVE und OTOARM besonders schonende Insertion. Trotzdem bleiben Chirurg:innen weiterhin auf Erfahrung und Feingefühl angewiesen, um OTODRIVE zu steuern. OTOPLAN bewährt sich schon seit 2018 als 3D-OP-Planung für Cochlea-Implantationen. Darauf aufbauend, ermöglicht die neu vorgestellte Software OTOGUIDE nun Visualisierung und Monitoring für die Implantation selbst.
Präzision, die man sehen kann
OTOGUIDE zeigt während der Operation laufend, welche Elektrode bereits in der Cochlea liegt und wie gut der Übergang jeder einzelnen Elektrode zum menschlichen Gewebe ist. Basierend auf Informationen von OTOPLAN über die individuelle Cochlea bietet OTOGUIDE auch eine dreidimensionale Visualisierung in Echtzeit und welcher Tonhöhenbereich in der Hörschnecke aktuell erreicht wird.
Auch die üblichen, intraoperativen Kontrollmessungen wurden in OTOGUIDE integriert: eine telemetrische Funktionskontrolle, die bereits erwähnte Impedanzmessung des Übergangs vom Implantat zum menschlichen Gewebe und die Messung der Hörreaktionen entweder als Stapediusreflex SRT oder als Antwort des Hörnervs ART. Damit kann OTOGUIDE als allumfassendes Messwerkzeug die CI-Operation begleiten.
Bewährt: Bildgebende Diagnostik bei der Cochlea-Implantation
Eine radiologische Untersuchung ist verbindlicher Teil der OP-Vorbereitung jeder Cochlea-Implantation: Die Aufnahme gewährt dem/der Chirurg:in wesentliche Informationen über Größe, Lage und eventuelle Verknöcherungen des Innenohrs. In Kombination mit OTOPLAN helfen diese Aufnahmen seit 2018 auch, die jeweils optimale Länge der CI-Elektrode schon vor OP-Beginn zu bestimmen.
Postoperativ wird häufig wieder eine radiologische Aufnahme erstellt, um die korrekte Lage der Elektrode zu dokumentieren. Auf Basis dieser Aufnahme kann der/die CI-Techniker:in in OTOPLAN sehen, welchen natürlichen Tonbereich jeder einzelne CI-Kontakt stimuliert. In Kombination mit dem Anatomisch Basierten Fitting ABF kann dann er/sie die Prozessoreinstellung für besonders natürlichen Klangeindruck optimieren.
Neu: Monitoring mit OTOGUIDE beim Einführen der Elektrode

OTOGUIDE zeigt während der Operation laufend, welche Elektrode bereits in der Cochlea liegt. © MED-EL
OTOGUIDE fügt sich in die bestehende Infrastruktur chirurgischer Instrumente ein und erweitert es um die Möglichkeit, die Insertion systematisch in Echtzeit zu überwachen: Telemetrie, wie viele Elektroden im Inneren der Hörschnecke sind, SRT, ART – und sogar die Dauer der Insertion werden festgehalten. Denn langsame Insertion senkt das Risiko, noch vorhandene Hörreste einzubüßen.
„Die Insertion ist einer der entscheidendsten Schritte bei der Cochlea-Implantation – und doch findet sie im Verborgenen statt“, sagt Jennifer Robinson. Die erfahrene Audiologin aus den USA leitet das Produktmanagement für Hörsysteme bei MED-EL in Innsbruck. „OTOGUIDE macht diesen Moment sichtbar und liefert Chirurg:innen sofort nutzbare Informationen sowie eine Dokumentation, auf die sie später zurückgreifen können.“
Zwei Paradigmenwechsel in der Medizin
Röntgenuntersuchungen sind seit weit über 100 Jahren möglich. Welcher Arzt, welche Ärztin würde sich bei der Beurteilung beispielsweise eines Knochenbruchs noch ausnahmslos nur auf Erfahrung und Feingefühl verlässt? Auch für die Cochlea-Implantation ist bildgebende Diagnostik wesentlich.
Monitoring der Elektrodeninsertion bei der Cochlea-Implantation ist noch neu. Es unterstützt CI-Chirurg:innen, zuverlässig die ideale Einführtiefe für die Elektrode zu erreichen und kann den Vorgang zusätzlich dokumentieren. Das Monitoring OTOGUIDE ist wie OTOPLAN, OTODRIVE und OTOARM eine Entwicklung der Firma CASCINATION AG in Bern/Schweiz – optimiert für MED-EL Hörimplantate.
Seit 2015 leitet der Medizintechniker Masoud Zoka Assadi das Team für bildgestützte Chirurgie und chirurgische Instrumente bei MED-EL. Er ist überzeugt: „Die Zukunft der Cochlea-Implantation liegt an der Schnittstelle von Robotik, KI und fortschrittlichen chirurgischen Planungsinstrumenten.“ Damit präzise Gesundheitsversorgung auch in diesem Bereich für alle Patient:innen gleichermaßen frei verfügbar wird!
Die lange Tradition guten Hörens aus Österreich
Die Entwicklung von Cochlea-Implantaten (CI) begann 1975 an der Technischen Universität Wien. Das erste mikroelektronische Mehrkanal-CI wurde 1977 implantiert. Seit die CI-Pioniere Ingeborg und Erwin Hochmair 1990 MED-EL gründeten, hat das Unternehmen kontinuierlich Meilensteine gesetzt:
- CI-Systeme vom frühen Comfort bis zum heutigen SYNCHRONY 2, einschließlich des neuesten Audioprozessors SONNET 3 Micro Akku-Pro.
- Von manuellen, weitgehend experimentellen Eingriffen hin zu Routineoperationen mit optionaler Roboterassistenz, die minimalinvasive Eingriffe und einen besseren Erhalt des Restgehörs ermöglichen.
- Vom monauralen CI für beidseitig gehörlose Erwachsene bis hin zu individualisierten Lösungen für jedes Ohr, jeden Grad des Hörverlusts und jedes Alter.
Seit 1977 sind CIs teilimplantierbare Systeme. Im Jahr 2025 wurden die ersten Ergebnisse einer Machbarkeitsstudie zum vollständig implantierbaren Cochlea-Implantat (TICI) veröffentlicht. Im Sommer 2026 wurde das System zertifiziert und für die Nutzung zugelassen.
„Vollständig implantierbare Cochlea-Implantate sind die Zukunft der Hörtechnologie! Diese Innovation ist ein bedeutender Fortschritt in Bezug auf Benutzerfreundlichkeit, Ästhetik und Patientenzufriedenheit und bekräftigt unsere Mission, Hörverlust als Barriere für Kommunikation und Lebensqualität zu beseitigen“, versichert Dr. Ingeborg Hochmair. „Ich hoffe sehr, dass das TICI UNICO vielen Menschen, die sich bisher aus unterschiedlichen Gründen nicht für ein Cochlea-Implantat entschieden haben, einen neuen Zugang zum Hören eröffnet.“
Weitere Informationen zum TICI UNICO findest du hier.

Leben mit hoerverlust.at
Alles auf einen Klick! hoerverlust.at bietet Betroffenen und Angehörigen umfassende Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu allen Bereichen, die Sie auf dem Weg zum Hören benötigen. Mehr zum informativen Wegbegleiter vom ersten Verdacht bis zur optimalen Versorgung finden Sie hier!

ZENTRUM HÖREN
Beratung, Service & Rehabilitation – für zufriedene Kunden und erfolgreiche Nutzer! Mehr zum umfassenden Angebot und engagierten Team des MED-EL Kundenzentrum finden Sie hier!





