Hurra, Mellie hat einen Bruder bekommen!

Die Freude über das Neugeborene ist groß, doch die Unsicherheit bald auch: Ein oder beide Ohren des Babys sind auffällig klein. Was das bedeutet, und was helfen kann – einfühlsam und verständlich erklärt. 

©MED-EL

CI-Elefant Mellie kann ihr Glück kaum fassen. Vorsichtig streicht sie ihrem Babybruder Milo über die Wange. Der Vater flüstert: „Er hat deine wunderschönen Augen und einen kräftigen Rüssel.“ „Aber ein ganz kleines Ohr“, staunt Schwester Mellie.  

Was Mellie im Kinderbuch „Milo – Der kleine Pirat mit der BONEBRIDGE“ bei ihrem Babybruder staunend entdeckt, nennen Mediziner:innen Mikrotie: Eine untypisch kleine Ohrmuschel. Das kann von einer leicht verkleinerten Muschel bis zum kleinen, bohnenförmigen Muschelrest gehen. Von Akrotie spricht man, wenn die Ohrmuschel gänzlich fehlt. Meist ist wie bei Milo nur ein Ohr betroffen, in seltenen Fällen beide.   

Wie Mikrotie entsteht und was sie für Betroffene bedeutet 

Mikrotie entsteht meist während der Entwicklung des Ohrs in den ersten drei Monaten der Schwangerschaft. Zu den möglichen Auslösern zählen auch genetisch bedingte Faktoren, doch ist Mikrotie in den meisten Fällen nicht erblich. Sie kann aber mit Syndromen wie dem Goldenhar–Syndrom oder dem Treacher-Collins-Syndrom verbunden sein.  

Ein ungewöhnlich geformtes Ohr kann neugierige Blicke auf sich ziehen. Die können verletzen, selbst wenn sie nicht böse gemeint sind. Die Funktion des Ohrs muss Mikrotie aber nicht immer einschränken. Doch häufig liegt zusätzlich eine sogenannte aurale Atresie vor: Die Verengung, der Verschluss oder das gänzliche Fehlen des Gehörgangs. Wird Schall so am Weg zum Innenohr behindert, entsteht Schallleitungsschwerhörigkeit. Nur selten liegt zusätzlich eine Schwerhörigkeit des Innenohrs vor. 

Was bei Mikrotie und auraler Atresie hilft 

Der kosmetischen Beeinträchtigung können erfahrene Chirurg:innen bei betroffenen Kindern ab dem Volksschulalter mit der operativen Rekonstruktion einer Ohrmuschel abhelfen. Alternativ gibt es individuell angefertigte Ohrprothesen.  

Die diagnostische Abklärung einer Mikrotie sollte aber schon lang vor der Schulreife erfolgen, möglichst bald nach der Geburt: Einerseits, um eventuelle syndromale Erkrankungen nicht zu übersehen; andererseits, um potenziellen Höreinschränkungen möglichst früh entgegenzuwirken – besonders, wenn beide Ohren betroffen sind. Gutes Hörvermögen von Anfang an ist nämlich wichtig, um altersgemäßen Spracherwerb und die damit verbundenen Entwicklungen sicherzustellen.  

Das Hören mit nur einem guthörenden Ohr beschreibt das Bilderbuch als: „Anstrengend. Wenn es irgendwo laut ist, versteht man die anderen Kinder nicht gut. Und man hört nicht, ob ein Geräusch von links, rechts, vorne oder hinten kommt. Das kann sehr unangenehm sein, wenn man Ball spielt und nicht hört, aus welcher Richtung der Ball kommt. Und im Straßenverkehr kann es gefährlich sein, wenn man nicht hört, aus welcher Richtung ein Auto kommt.“ Auch diese Kinder brauchen frühzeitige Hörintervention.  

Als Hörversorgung bei ein- und beidseitig betroffenen Kindern eignen sich besonders Knochenleitungssysteme. 

Knochenleitung und Knochenleitungssysteme

Milo will einmal ein echter Pirat werden!

Bei reiner Schallleitungsschwerhörigkeit – wie bei Atresie – arbeitet das Innenohr zwar tadellos, doch der Schall kann nicht ungehindert dorthin gelangen. Mit einem speziellen Hörsystem kann man den blockierten Gehörgang und das Mittelohr umgehen. Der Schall wird direkt vom Schädelknochen in das Innenohr geleitet – und dort gehört. Diese Hörsysteme nennt man Knochenleitungssysteme – ein Wort, „länger als ein Elefantenrüssel“, wie Mellie konstatiert.  

Das Büchlein begleitet Milo und seine Familie bei deren Erfahrungen mit zwei verschiedenen Knochenleitungssystemen: mit einem, das ohne Implantation auskommt, und mit einem Knochenleitungsimplantat.  

Das Besondere an Milos Geschichte ist aber nicht nur die verständliche Erklärung. Im Mittelpunkt stehen mögliche Gefühle und Sorgen, um kleinen und großen Leser:innen so Mut zu machen. Wie Milo selbst, der sich während der Operation im Traum seine Zukunft ausmalt: als echter Pirat, der dank Implantat den Wind in den Segeln hören kann. Und die Möwen. Und das Meeresrauschen. 

„Milo – der kleine Pirat mit der BONEBRIDGE“ gibt es kostenfrei bei MED-EL über den/die betreuendeN CI-Techniker:in oder im ZENTRUM HÖREN. 

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