Was Affy uns über das Zuhören lehrt

Es ist einer der ersten Schritte in der Hörentwicklung: Zuhören. In ihren Bilderbüchern thematisiert Mies van Hout das Zuhören und die Vielfalt kindlicher Gefühle. 

Eva Kohl 

Affy hat etwas besonders Schönes erlebt. Das möchte sie allen erzählen. Doch niemand hört ihr zu. Erdmännchen bewundert nur Affys neuen Roller. Und Eule schimpft, weil Affy schon wieder ohne ihre Mama unterwegs ist. Fast gibt Affy auf – bis sie endlich auf Elefant trifft: Er hört ihr wirklich zu.  

Gerade Erwachsene halten ihre eigenen Themen oft für wichtiger: Kinder ergreifen zwar das Wort, können sich aber kein Gehör verschaffen. In ihrem Bilderbuch Affy und die große Neuigkeit verleiht Mies van Hout in großflächigen Bildern und kurzen Textpassagen Affys Gefühlen Ausdruck und macht Affy zum Sprachrohr manch anderer Kinder. Unterschwellig mahnt sie auch Erwachsene, das eigene Gesprächsverhalten zu reflektieren.  

In den Niederlanden wurde Kleines Äffchen, wie die empathische Erzählung im Original heißt, zum Bilderbuch des Jahres 2026 gewählt: „Das Buch regt Kinder an, über das Geheimnis und die Bedeutung von Zusammenhalt, Zuhören und Mitteilen nachzudenken“, begründete die Jury. „Die für Mies van Hout typischen, ausdrucksstarken und farbenfrohen Illustrationen fangen die Emotionen des kleinen Affen wunderbar ein und ziehen die junge Leserschaft in ihren Bann.“ 

Warum Zuhören Kinder stark macht  

Aufmerksamkeit und Zuhören bilden die Grundlage jeder Hör- und Sprachentwicklung. Kinder mit Höreinschränkung stehen dabei vor besonderen Herausforderungen. Für sie ist es besonders wichtig, dass wir ihnen richtig zuhören und mit ihnen über das Gehörte ins Gespräch kommen. Damit stärken wir Kinder nicht nur in ihrem Selbstbewusstsein, sondern fördern sie in der Entwicklung ihrer Sprech- und Kommunikationsfähigkeit. 

Mit ihrem neuen Buch lädt die populäre Kinderbuchautorin Mies van Hout uns ein, gemeinsam mit unseren Kindern zu reflektieren: Wann haben sie sich wie Affy überhört gefühlt? Wie ist es dazu gekommen? Wie haben sie sich dabei gefühlt? Wie können wir einander in Zukunft besser zuhören?  

Dabei lernen Kinder zweierlei: die eigenen Bedürfnisse einzufordern und selbst aufmerksam zuzuhören. Denn echtes Zuhören signalisiert Wertschätzung und zeigt das Interesse an den Gefühlen und Gedanken des Gegenübers.  

Für CI-Kinder besonders wichtig: Über Gedanken und Gefühle sprechen! 

Eigene Gefühle und Gedanken und die anderer zu erkennen, zu benennen und einzuordnen – und damit umzugehen, das alles müssen Kinder erst lernen. Studien zeigen, dass hörbeeinträchtigte Kinder diese Fähigkeiten selbst bei altersgemäßer Sprachenwicklung meist verzögert erlernen.1 Deswegen sollten wir gerade Kinder mit Hörgeräten oder Cochlea-Implantaten gezielt darin fördern: Indem wir unsere und ihre Gefühle ansprechen und sie in Begriffe fassen: „Bist du jetzt traurig?“, oder: „Ich habe das Gefühl, dass du jetzt richtig wütend bist.“ 

Auch gemeinsames Lesen kann helfen, wenn wir dabei auch über die Gefühle der einzelnen Akteure sprechen. So wie bei Affy, die sich so lange ignoriert und ungehört fühlt. Manche Bilderbücher widmen sich direkt der Gefühlswelt. Wie Heute bin ich, ein weiteres Buch aus der Feder von Mies van Hout. 

In Bildern über Gefühle sprechen  

Ein Wort, ein Bild – in Heute bin ich kommt die Bilderbuch-Autorin und -Illustratorin mit minimaler Ausdrucksweise aus. Stumm, wie Fische eben sind, drücken die markanten, großformatigen Kreidezeichnungen in kräftigen Farben die Stimmung des jeweiligen Protagonisten aus.  

Der jeweilige Begriff auf der gegenüberliegenden Seite hilft beim Einordnen. Wer kann schon auf Anhieb sagen, wie ein neugieriger Fisch dreinschaut? Fröhlich, so der Originaltitel, wurde 2015 mit dem Deutschen Jugendbuchpreis ausgezeichnet. Es regt zum Gespräch an: Woran erkennst du, dass der Fisch traurig ist? Wie siehst du aus, wenn du ängstlich bist? Hast du Mama oder Papa auch schon einmal so nervös erlebt? Die Autorin, selbst Pädagogin, gibt auf ihrer Webseite2 Tipps, wie Kinder über Gefühle erzählen und sie zeichnerisch darstellen können.  

Im gleichen Stil erschienen zwei weitere Bilderbücher der Niederländerin: In Freunde begleiten wir einige tierisch anmutende Fantasiegeschöpfe im Auf und Ab ihrer Freundschaften. Bei Überraschung geht es – van Hout beobachtet eine Vogelfamilie bei der Geburt eines Babys – um ein Thema, das besonders für ältere Geschwisterkinder wichtig ist. Wieder stellen die markanten Zeichnungen die Geschehnisse und die damit verbundene Gefühle in prägnanter Bildsprache dar und bieten damit vielfach Anlass für weitere Gespräche.  

Bilderbücher von Mies van Hout 

Affy und die große Neuigkeit ab 4 Jahren, ISBN 978-3-907114-37-7 

Heute bin ich ab 3 Jahren, ISBN 978-3-905945-30-0 

Überraschung ab 3 Jahren, ISBN 978-3-905945-47-8 

Freunde ab 3 Jahren, ISBN 978-3-905945-36-2 

Alle Bücher großformatig und gebunden im aracari-Verlag erschienen;
Heute bin ich und Überraschung gibt es dort auch als Miniausgabe,
Heute bin ich auch in Kurzversion für Kinder ab 1 Jahr als Pappbuch oder Badebuch. 

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