Temporäres Angebot für kognitives Training im AUDIOVERSUM in Innsbruck
Geistige Fitness ist keine Frage des Alters, sondern der Haltung. Die Ausstellung Brain Gym AI möchte uns das Gehirn als wichtige Ressource bewusst machen.
Eva Kohl

©Audioversum/A. Kaufmann
„Der Kantenstein ist an der falschen Stelle und in der falschen Ebene: Drehe die obere Fläche nach rechts, dann die rechte Fläche nach oben!“ Ich wollte an einem trüben Nachmittag ganz harmlos durch die Exponate im AUDIOVERSUM Science Center in Innsbruck schlendern. Doch wenig später finde ich mich mit einer Anleitung zu jenem Rubik´s Cube wieder, der mich schon in der Pubertät ratlos zurückließ. Der Zauberwürfel, wie wir ihn Anfang der 80er-Jahren nannten, ist Teil der Sonderausstellung Brain Gym AI.
Brain Gym AI lädt ein, das Gehirn auf spielerische und wissenschaftlich fundierte Weise zu testen und zu trainieren. Die Ausstellung verbindet – wie immer im AUDIOVERSUM – aktives Erfahren mit sachlicher Information. Zwischen Rubik´s Cube, Sudoku und Labyrinth Balance Board können BesucherInnen jeden Alters auch an zahlreichen digitalen Exponaten ihre geistigen Fähigkeiten testen: Konzentration, Reaktionsvermögen, logisches Denken, Orientierung und Koordination.

Die Sonderausstellung Brain Gym AI im AUDIOVERSUM lädt ein, das Gehirn auf spielerische und wissenschaftlich fundierte Weise zu testen und zu trainieren. ©Audioversum/A. Kaufmann
Fortschritt durch regelmäßiges Training
Gesicht, Hand und Fuß in vorgegebener Zeit exakt spiegelbildlich vor der Stele mit Bildschirm und Sensoren positionieren. Die AI passt den nächsten Durchgang jeweils an meinen Erfolg – beziehungsweise Misserfolg – an: Eine Übung soll ich gleich mehrfach wiederholen. Ob Jugendliche oder Kinder sich bei dieser Station geschickter anstellen als ich? Die Ausstellung wird für Kinder ab zehn Jahren empfohlen, einzelne Exponate könnten auch mit zehn noch herausfordernd sein – andere sind es dafür für ältere Semester, offenbar angefangen mit Mittfünfzigern wie mich. Doch mit den Wiederholungen verbessert sich meine Erfolgsquote deutlich – Übung macht viel aus, auch bei kognitiv gesteuerten Prozessen.
„In einer Welt, in der wir täglich unsere Schritte zählen, unseren Schlaf überwachen und unsere Ernährung analysieren, bleibt ein entscheidender Bereich oft unbeachtet: die Gesundheit unseres Gehirns“, lese ich im Infoflyer zur Ausstellung. „Dabei ist kognitive Fitness ebenso wichtig wie körperliche Stärke.“ Wie weitreichend sich diese geistige Fitness auf unsere Gesundheit auswirkt, besonders im Alter, erklärt eines der Ausstellungsexponate. Der Flyer versichert über geistige Fähigkeiten: „Sie können gezielt gestärkt und erhalten werden.“ In diesem Sinn bietet sich Brain Gym AI als Fitness-Center fürs Gehirn an.
Personalisierte Übungskarte und 10er-Block
Sogar „Mitgliedskarten“ hat dieses spezielle Fitnesscenter: Am Eingang zur Ausstellung kann jedeR BesucherIn selbst eine scheckkartengroße NFC-Karte mit Namen und Geburtstag personalisieren. Beim Alter zu schummeln ist dabei keine gute Idee: Mit der Karte startet man nicht nur die Übungen an den digitalen Exponaten – sie ermöglicht auch den Vergleich mit den Übungserfolgen der anderen BesucherInnen in der gleichen Altersgruppe.
Beim ersten Versuch bremse ich mich bei manchen Übungen schon bei 70 oder 80 Punkten ein, doch meist lande ich so um die 100 – Durchschnitt eben. „Jugendliche haben es besonders schwer“, schmunzelt Lucia. Die Museumsführerin zeigt mir die Handhabung der Karte. „Bei Jugendlichen haben wir nämlich die meisten Vergleichswerte.“ Zum Glück bin ich schon Mitte 50.
Damit ich wie im Fitnessstudio auch im digitalen Brain Gym AI regelmäßig üben kann, gibt es für die Dauer der Ausstellung bei den Eintrittskarten auch einen 10er-Block. Museumsleiterin Julia Sparber-Ablinger versichert: „Durch das kontinuierliche Training wird der persönliche Fortschritt gezielt begleitet und nachhaltig motiviert.“ Total schade, dass ich nur zu Besuch in Innsbruck bin…

Gesicht, Hand und Fuß in vorgegebener Zeit exakt spiegelbildlich vor der Stele mit Bildschirm und Sensoren positionieren – gar nicht so einfach! ©Audioversum/A. Kaufmann
Was Gehirnjogging mit Hören zu tun hat
LeserInnen der gehört.gelesen wissen längst, dass unser Ohr zwar akustische Signale aufnimmt und als Nervensignal weiterleitet – die eigentliche Verarbeitung und Zuordnung erfolgt im Gehirn, medizinisch: Kortex. Daher gilt auch beim Hören, besonders für NutzerInnen von Hörgeräten und Hörimplantaten: Übung trainiert die fürs Hören zuständigen Hirnareale.
Die Präparate von zwei echten, menschlichen Gehirnen überraschen im hinteren Bereich der Ausstellung. Gleich daneben gehört ein ganzer Raum den Schautafeln, die noch genauer auf die einzelnen Arbeitsbereiche im Kortex eingehen: auch auf Hörrinde und Sprachverarbeitung. Auch so mancher Mythos wird hier relativiert: Zum Beispiel von der Aufgabenteilung zwischen rechter und linker Hirnhälfte, die durchaus nicht so strikt ist, wie manche immer noch glauben. Oder dass wir nur zehn Prozent unserer Gehirnmasse tatsächlich nutzen würden – von wegen!
Wenn unser Hörorgan, das Ohr, nicht ganz nach Wunsch funktioniert – oder wenn wir uns in akustisch anspruchsvollen Räumen befinden – verlangt uns Zuhören und Verstehen ziemlich viel Konzentration ab. Konzentration ist auch bei fast allen Übungsexponaten von Brain Gym AI nötig, auch beim überdimensionalen Kreuzworträtsel beim Ein- und Ausgang. Hier teste ich noch mein Wissen über Hören, Nicht-Hören und Wieder-Hören. Was ich in der Ausstellung dazugelernt habe?
Üben und Lernen sind Geschwister
Dazulernen kann man im Museum immer. In Brain Gym AI gleich im doppelten Sinn – ich erfahre alles Mögliche über das Gehirn und kann zugleich meine geistigen Fähigkeiten üben. Wiederholte Übung ist ein wesentlicher Lernfaktor, Spaß und Motivation sind weitere, die das AUDIOVERSUM bei seinen Ausstellungen immer berücksichtigt.
Wer nach Brain Gym AI noch etwas Zeit hat, sollte sich auch die neue Sonderschau im Nebenraum nicht entgehen lassen: Wie wir lernen und was dabei im Gehirn passiert. Mit aktuellen Erkenntnissen aus Neurologie, Psychologie und Pädagogik. Die Infos kommen für das nächste Schul- und Unijahr gerade recht!
Auch in Wie wir lernen gibt es wieder Hirnpräparate zu sehen, aber es warten auch etliche Tests und Spiele, um die Thematik interaktiv zu erforschen und im wörtlichen Sinn zu begreifen. Nebenbei gesagt ist Lernen als Prävention gegen Demenz und psychische Erkrankungen ein wesentlicher Gesundheitsfaktor. Außerdem steigert es das Wohlbefinden, stärkt das Selbstvertrauen und eröffnet neue Perspektiven. Der Besuch im AUDIOVERSUM lohnt sich also wieder! Er ist für mich auch dieses Mal eine besonders unterhaltsame Art, Neues zu lernen.
Das AUDIOVERSUM Science Center
Das interaktive Museum in Innsbruck rund ums Hören verbindet Medizin, Technik, Bildung und Kunst zu einer einzigartigen Erlebniswelt. Die Hauptausstellung Abenteuer Hören vermittelt Wissen über die vielfältigen Funktionen des Gehörs, die MED-EL World illustriert die Entwicklung von Hörimplantaten.
Beide aktuellen Sonderausstellungen beschäftigen sich mit kognitiven Fähigkeiten: Brain Gym AI eröffnet noch bis September 2026 Einblick in die Welt der geistigen Fähigkeiten und ermöglicht diese zu erproben – mit analogen und digitalen Übungen. Seit 28. Mai 2026 erfahren BesucherInnen im Nebenraum, Wie wir lernen, was dabei im Hirn passiert und wie sich Lernen auf Gesundheit und Lebensqualität auswirkt.
AUDIOVERSUM Science Center
Wilhelm-Greil-Straße 23, 6020 Innsbruck
Geöffnet Dienstag bis Sonntag (auch Feiertage) von 10.00 bis 18.00 Uhr, letzter Einlass 17.30 Uhr.
Eintrittskarten für Haupt- und Sonderausstellungen
- Normalpreis € 14,00
- Ermäßigung € 11,00
- Kinder bis 6 Jahre frei
- Kinder und Jugendliche von 7 bis 15 Jahre € 9,00
- Für Gruppen gibt es Sonderpreise.
- 10er-Block zur Sonderausstellung Brain Gym AI € 70,00
Das AUDIOVERSUM ist barrierefrei zugänglich, bei Führungen auch mit einer induktiven Höranlage. Betroffene werden gebeten, bei der Anmeldung deren Nutzung anzukündigen.

Leben mit hoerverlust.at
Alles auf einen Klick! hoerverlust.at bietet Betroffenen und Angehörigen umfassende Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu allen Bereichen, die Sie auf dem Weg zum Hören benötigen. Mehr zum informativen Wegbegleiter vom ersten Verdacht bis zur optimalen Versorgung finden Sie hier!

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