Queen Elisabeth Prize for Engineering für Entwicklung der Cochlea-Implantate

Der renommierte Queen Elisabeth Prize für technische Innovationen ging heuer an ForscherInnen, die am Übergang zwischen Technik und menschlicher Nervenstruktur arbeiten: allen voran an die ErfinderInnen der CochleaImplantate. 

Die GewinnerInnen des Queen Elizabeth Prize 2026 ©2026 Jason Alden

Der Queen Elisabeth Prize for Engineering gilt als weltweit renommierteste Auszeichnung für technische Innovationen. Er würdigt mutige, bahnbrechende Leistungen im Ingenieurwesen, die der Menschheit weltweit zugutekommen. Der Preis richtet sich an lebende WissenschaftlerInnen aus aller Welt. Die Ausgezeichneten sollen als Vorbilder junge Menschen zu einem Technik-Studium inspirieren und bereits aktive TechnikerInnen ermutigen, die Grenzen des Machbaren zu erweitern. 

Seit 2013 wurde der Preis an insgesamt 33 IngenieurInnen verliehen, die mit ihren wegweisenden technischen Innovationen der Menschheit globalen Nutzen schenkten: Von der Wegbereitung für Internet und World-Wide-Web über die Entwicklung von LED-Beleuchtung oder Beiträge für klimaneutrale Technologien zur Energiegewinnung bis zu neuen Entwicklungen für selbstlernende Systeme als Kernbestandteil künstlicher Intelligenz.  

Der am 3. Februar 2026 in London verliehene Preis würdigt neun WissenschaftlerInnen, deren Pionierarbeit an neuronalen Schnittstellen verlorene menschliche Funktionen wiederhergestellt und das Leben von Menschen weltweit nachhaltig verbessert. Vier der Geehrten waren an der Entwicklung von Cochlea-Implantaten maßgebend beteiligt. So auch das Ehepaar Dr. Ingeborg und Prof. Dr. Erwin Hochmair, die das erste mehrkanalige Cochlea-Implantat weltweit entwickelten und den Implantat-Hersteller MED-EL gründeten.

Das Ehepaar Dr. Ingeborg und Prof. Dr. Erwin Hochmair setzten mit ihrer Entwicklung des ersten mehrkanaligen Cochlea-Implantats weltweit Maßstäbe. ©2026 Jason Alden

Etabliert als neurotechnische Schnittstelle: das Cochlea-Implantat 

„Das Gehirn ist unser bemerkenswertestes Organ, doch der Umgang mit dem Verlust bestimmter Hirnfunktionen bleibt eine große Herausforderung“, sagt Professor Viola Vogel, Mitglied der internationalen Jury. Die heurigen PreisträgerInnen nehmen sich dieser Herausforderung an, indem sie mit ihren Arbeiten im Bereich der Neurotechnologie die direkte Interaktion mit dem Nervensystem oder dem Gehirn ermöglichen. So werden Fähigkeiten wie Hören, Bewegung oder Kommunikation für Menschen mit Sinnesbeeinträchtigungen, Lähmungen oder neurologischen Erkrankungen wiederhergestellt.  

„Zu den etabliertesten dieser Technologien zählen Cochlea-Implantate, die Schall in elektrische Signale umwandeln, welche den Hörnerv direkt stimulieren“, schreibt das Preiskomitee in seiner Presseaussendung. Cochlea-Implantate ermöglichen hochgradig schwerhörigen und tauben Menschen das Hören. Für ihre Beiträge zu deren Entwicklung wurden Dr. Ingeborg Hochmair, Professor Erwin Hochmair, Professor Blake Wilson und Professor Graeme Clark AC ausgezeichnet. In der Jury-Begründung heißt es weiter: „Ihre bahnbrechende Arbeit hat Cochlea-Implantate von experimentellen Geräten zu zuverlässigen neuronalen Prothesen gemacht, die von über einer Million Menschen weltweit genutzt werden.“ 

Ebenfalls geehrt wurden:  

  • John Donoghue für die Entwicklung einer Gehirn-Computer-Schnittstelle, die Signale des motorischen Kortex in technischen Geräten umsetzt, sodass gelähmte Menschen ihre Unabhängigkeit zurückgewinnen.  
  • Alim Louis Benabid und Pierre Pollak als Pioniere der modernen Tiefenhirnstimulation zur Symptomlinderung neurologischer Bewegungsstörungen wie Parkinson.  
  • Jocelyne Bloch und Grégoire Courtine für die Entwicklung elektronischer Rückenmarkstimulation, die Menschen mit Rückenmarksverletzungen wieder gezielte Bewegungen ermöglicht.  

Professorin Orla Feely, ebenfalls Jurymitglied, betont die gesellschaftliche Relevanz der heuer ausgezeichneten Arbeiten: „Für die Betroffenen ist die Wirkung dieser Entwicklungen bemerkenswert. Sie ist ein eindrucksvolles Beispiel, was durch interdisziplinäre Zusammenarbeit in Zukunft erreicht werden kann.“ 

„Mich beeindrucken Leidenschaft und Engagement!“ 

„Ingenieurwesen trägt dazu bei, Lösungen für globale Herausforderungen zu finden und das Leben von Milliarden Menschen zu verbessern“, liest man auf der Webseite des Queen Elisabeth Prize. „Mich beeindruckt besonders die Leidenschaft und das Engagement dieser IngenieurInnen“, betont Professor Teck Seng Low, Jurymitglied 2026, zu den heurigen GewinnerInnen. „Das sind zutiefst inklusive Innovationen, die es Menschen ermöglichen, ihren Platz in ihren Gemeinschaften zurückzugewinnen und sich aktiver am gesellschaftlichen Leben zu beteiligen.“ 

Dr. Ingeborg Hochmair: „Ingenieurwesen, geleitet von Mitgefühl und wissenschaftlicher Integrität, kann Leben grundlegend verändern! Cochlea-Implantate galten als unmöglich. Heute zeigen sie, was Ingenieure, Kliniker und Anwender gemeinsam erreichen können.“ ©MED-EL

„Meine Arbeit war unter anderem inspiriert durch die Erfahrungen meiner eigenen Familie“, erinnerte sich Professor Graeme Clark AC an den Beginn seiner Entwicklungen ab 1954. Die erste Operation mit dem von ihm entwickelten System führte er selbst am 1. August 1978 durch. Doch bereits sieben Monate vorher, im Dezember 1977, implantierte Prof. Dr. Kurt Burian an der Universitätsklinik Wien das erste mikroelektronische, mehrkanalige Cochlea-Implantat weltweit! Dieses war in nur zwei Jahren Entwicklungsarbeit des Forscherpaars Ingeborg Desoyer, wie sie damals hieß, und Dr. Erwin Hochmair entwickelt worden. 

Österreichische Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen 

„Diese Auszeichnung würdigt nicht nur eine technologische Errungenschaft, sondern auch eine Überzeugung, die wir von Anfang an vertreten haben“, freut sich Dr. Ingeborg Hochmair: „Ingenieurwesen, geleitet von Mitgefühl und wissenschaftlicher Integrität, kann Leben grundlegend verändern! Cochlea-Implantate galten als unmöglich. Heute zeigen sie, was Ingenieure, Kliniker und Anwender gemeinsam erreichen können.“  

Prof. Erwin Hochmair ergänzt: „Von den ersten Experimenten an war unser Ziel, eine neuronale Schnittstelle zu entwickeln, die ein Leben lang harmonisch mit dem menschlichen Gehör zusammenarbeitet. Diese Auszeichnung bestätigt den Wert langfristigen Denkens, wissenschaftlicher Beharrlichkeit und technischer Lösungen im Dienste der Menschheit.“   

Design trifft auf Wissenschaft 

Die Trophäe des Queen Elisabeth Prize wird jedes Jahr im Rahmen eines Wettbewerbs neu entworfen. Jungen Design-Talenten zwischen 14 und 24 Jahren wird somit ermöglicht, ihre Fähigkeiten zu zeigen. Im Pokal 2026 wurde der Entwurf der indonesischen Studentin der Landschaftsarchitektur Kayla Taqiya umgesetzt. Der Queen Elisabeth Prize ging 2026 erstmals an ÖsterreicherInnen, dass ein österreichischer Entwurf als Preistrophäe realisiert wird, bleibt eine Herausforderung für die kommenden Jahre. 

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