Reha-Zentren für Hörrehabilitation nach Cochlea-Implantation in Österreich 

Die „Folgetherapie bei Cochlea-Implantation“ ist nun in Österreich als eigenständige Rehabilitationsmaßnahme anerkanntEs gibt je eine stationäre CI Reha für Kinder und für Erwachsene, die diese Therapie anbieten. 

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Bereits in der letzten Ausgabe haben wir dargelegt: Hören mit einem Cochlea-Implantat ist gerade zu Beginn anders, deswegen bedarf es über einfache Gewöhnung hinaus der gezielten Übung – und manchmal auch einer Hörrehabilitation.  

Neu war bei Redaktionsschluss die Information, dass diese Hörrehabilitation nach CI-Implantation nun auch verbindlich in den österreichischen Rehabilitationsplan der Sozialversicherung aufgenommen wurde. Eine Aussendung der Privatklinik Laßnitzhöhe spricht in diesem Zusammenhang von einer „historischen Entscheidung“. Was diese Entscheidung für CI-NutzerInnen in Österreich ändert, wird jetzt langsam klarer. 

Ressourcen-orientierte Rehabilitation 

Bereits 2009, 2012, 2026 und 2020 wurden Rehabilitationspläne für Österreich publiziert, deren Erkenntnisse in dem Strukturplänen der Gesundheitsversorgung Niederschlag fanden. Der aktuelle Rehabilitationsplan 2025 soll der Sozialversicherung als Planungsgrundlage dienen, um bedarfsgerechte Strukturen für stationäre und ambulante Rehabilitation für den Zeitraum bis 2030 sicherzustellen.  

Basis für den Bericht ist die neue „Klassifizierung von Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit“ der Weltgesundheitsorganisation WHO: Sie orientiert sich nicht mehr an den Einschränkungen, sondern unter Berücksichtigung der Lebenssituation Betroffener an den jeweiligen Ressourcen. Konkret wird zum Beispiel auch familiäre Unterstützung gezielt in die Maßnahmen eingeplant, das Fehlen solcher Möglichkeiten sollte ausgeglichen werden. Ziel der interdisziplinären Rehabilitationsmaßnahmen ist es, Funktionsstörungen zu beseitigen sowie die Teilhabe zu ermöglichen und zu verbessern.  

Im Rehabilitationsplan festgehalten sind neben exakter Indikation und eventuellen Kontraindikationen für eine stationäre Rehabilitation auch die personellen und räumlichen Voraussetzungen der Reha-Einrichtung; und bei Kindern zusätzlich Forderung nach einer Heilstättenschule, Freizeitangeboten, Betten für und Einbindung von Obsorgeführenden und bei Jugendlichen sogar die Forderung nach Berufsberatung. 

CI im Rehabilitationsplan 2025 

Im neuen Rehabilitationsplan wird erstmals auch der „Erwerb der kommunikativen Kompetenz“ als zentrale Zielsetzung einer „Neurorehabilitation“ als „Folgetherapie bei Cochlea-Implantaten aufgrund hochgradiger Schwerhörigkeit“ genannt – und zwar für Kinder und für Erwachsene. Diese oft salopp als „CI-Reha“ bezeichnete stationäre Therapie wird in Österreich dem sogenannten „Neurologischen Formenkreis“ zugeordnet, weil das neue Hören mit dem Umlernen des zentralen Hörsystems im Gehirn zu tun hat. Es ist eine vierwöchige stationäre Rehabilitation vorgesehen. 

Bisher haben immer wieder erwachsene CI-NutzerInnen aus Österreich Hörrehabilitation an deutschen Reha-Kliniken in Anspruch genommen. CI-NutzerInnen, vertreten durch verschiedene CI- und Schwerhörigen-Vereine und CI-Zentren fordern aber schon lange, derartige Therapieangebote auch in Österreich zu etablieren.  

Während Hörrehabilitation für Kinder mit CI 2023 offiziell in Österreich eingeführt wurde, führten die langjährigen Bemühungen um ein adäquates Angebot für erwachsene CI-NutzerInnen nun endlich zum Erfolg. Ersten Erfahrungsberichten zufolge ist es weiterhin möglich, alternativ auch die Reha-Angebote in Deutschland zu nutzen, doch die weite Anreise dorthin ist für CI-NutzerInnen aus Österreich nun nicht mehr nötig. 

Rechtssicherheit und transparente Abläufe 

Damit wird Rechtssicherheit für Antragstellende und Zuweisende aufgebaut, die einheitliche und transparente Antragstellung werden möglich. Für viele CI-NutzerInnen wesentlich ist, dass sie nun zuverlässig Möglichkeit zur CI-Reha in Österreich haben. Es sind dafür keine Auslandsaufenthalte mit teilweise deutlich weiteren Anfahrtswegen mehr nötig. Für Betroffene wird es voraussichtlich auch einfacher werden, sich über Möglichkeiten zur CI-Reha zu informieren.  

Schließlich gibt der Rehabilitationsplan nun auch den Rehazentren Rechtssicherheit. Das ermöglicht den Kliniken eine bessere Ressourceneinteilung sowie Sicherheit beim Ausbau der Kapazitäten und bei dafür eventuell notwendigen Investitionen. Die Privatklinik Laßnitzhöhe kündigt auch an, die Möglichkeit für die Einführung strukturierter Gruppentherapien nützen zu wollen. 

CI-Reha in Österreich für Erwachsene

Das CI-Team des Reha-Zentrums Laßnitzhöhe bietet intensives Hörtraining, Logopädie, Musiktherapie, klinische Psychologie, Physiotherapie und weitere indikationsspezifische Therapien. ©Harry Schiffer Photodesign

Die Privatklinik Laßnitzhöhe gehört zur österreichischen SANLAS Holding. Sie bietet unter anderem auch im Rahmen der öffentlichen Sozialversicherung neurologische und orthopädische Rehabilitation sowie multimodale stationäre Schmerztherapie. Ein logopädisches Team, wie es für CI-Rehabilitationen grundlegend Voraussetzung ist, ist auch im Bereich der Neurologie im Einsatz.  

2022 starteten Priv.-Doz. DDr. Matthias Koiner-Graupp, damals CI-Chirurg am Landeskrankenhaus Graz, und die damalige Primaria der Priva

tklinik Laßnitzhöhe, Dr. Eva Kronberger-Schaffer, im Rahmen einer Studie ein Projekt zur CI-Rehabilitation an der Privatklinik. Das Team konnte nach eigenen Angaben 80 CI-PatientInnen behandeln. Das Logopädie-Team, unter der Leitung von Projektleiter Thorsten Seifter, hat dabei auch die Therapie – parallel zum neurologischen Klinikbetrieb – kontinuierlich weiterentwickelt.  

Nun kann das Team bei der CI-Reha auf das wissenschaftlich fundierte Konzept zurückgreifen und es individuell für den/die PatientIn abstimmen. Zur Anwendung kommen intensives Hörtraining, Logopädie, Musiktherapie, klinische Psychologie, Physiotherapie und weitere indikationsspezifische Therapien.  

CI-Reha in Österreich für Kinder 

CI-Reha für Kinder gibt es im Kokon Rohrbach-Berg in Oberösterreich. ©kokon

Auch für Kinder wurde die Rehabilitation nach Cochlea-Implantation im Rahmen einer beobachtenden Studie erprobt – ein Projekt der Kinderrehabilitation Kokon in Rohrbach- Berg in Oberösterreich gemeinsam mit dem nahen Kepler Universitätsklinikum in Linz, kurz: KUK. „Das Programm ist mittlerweile vom Sozialversicherungsträger als österreichweite Reha für ein Kind mit Hörimplantat genehmigt, die einmal pro Jahr zusteht“, freute sich Primar Dr. Paul Zwittag, Leiter der HNO-Abteilung am KUK, schon 2023.   

Bei Kokon erklärt man: „Unsere Therapien erfolgen in Form von Einzel- und Gruppentherapien. Der richtige Mix macht es aus, um euer Kind dabei zu unterstützen, die Reha-Ziele zu erreichen.“ „Die CI-Reha hat einen logopädischen Schwerpunkt, beinhaltet aber auch Ergotherapie, Physiotherapie und Musiktherapie, Psychologie und vieles mehr“, beschreibt das KUK die Maßnahme auf seiner Website und bestätigt: „Auch die Eltern profitieren sehr, etwa von den technischen Schulungen für sie und ihr Kind gemeinsam mit dem Hörakustiker. Zudem können sie Kraft sammeln und die Fortschritte ihres Kindes unmittelbar miterleben.“  

So funktioniert der Antrag auf CI-Reha:  

Das Formular für einen Antrag auf Rehabilitation findet man beim österreichischen Reha-Kompass https://rehakompass.goeg.at/ oder bei der Sozialversicherung https://www.sozialversicherung.at/ unter „Leistungen“ – „Leistungen und Service von A bis Z“ – „Gesamtübersicht“ – „Rehabilitation“. Der Antrag wird vom behandelnden Arzt gemeinsam mit dem/der PatientIn beziehungsweise dessen/deren Eltern ausgefüllt.  

Wichtig sind die Angaben „Stationäre Rehabilitation“ im „Neurologischen Formenkreis“. Möchte man diese Reha in Österreich machen, können erwachsene CI-NutzerInnen als Wunschklinik gleich die „Privatklinik Laßnitzhöhe“ nennen, für Kinder und Jugendliche mit CI können die Eltern „Kokon Rohrbach-Berg“ als Wunschklinik eintragen. Als Diagnose ist „Cochlea-Implantation“ anzugeben.  

Der Antrag kann in jeder Dienststelle der Sozialversicherungsträger direkt, postalisch oder per Mail zur Weiterleitung an den zuständigen Sozialversicherungsträger abgegeben werden. 

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