Neuer Bachelor für Audiologie und Logopädie in Kenia

Neuer Bachelor für Audiologie und Logopädie in Kenia: Mit dem Start des ersten Studiengangs für Audiologie und Logopädie an der University of Nairobi (UoN) beginnt eine neue Ära. 

Pushpin pointing at Nairobi city in Kenya

Erstmals wird in Kenia und Ostafrika eine strukturierte akademische Ausbildung für Fachkräfte im Bereich Hörgesundheit angeboten; ein Programm, das in enger Zusammenarbeit mit MED-EL und der Austrian Development Agency entwickelt und unterstützt wurde. Die beiden Organisationen engagieren sich im Rahmen der Hearing Healthcare Alliance für den nachhaltigen Ausbau der Hörgesundheit in Ländern des globalen Südens.  

Warum Kenia dringend HörgesundheitsexpertInnen braucht 

Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften im Bereich der Hör- und Sprachgesundheit ist in Kenia nach wie vor hoch. Laut Berichten der Weltgesundheitsorganisation verfügen viele afrikanische Länder über weniger als eine audiologisch oder logopädisch ausgebildete Fachperson pro eine Million EinwohnerInnen (WHO, 2021).  

Gleichzeitig nimmt die Zahl der Menschen mit Hörbeeinträchtigungen kontinuierlich zu. In der afrikanischen WHO-Region leben derzeit rund 40 Millionen Menschen mit relevanter Hörminderung und bis 2030 könnte diese Zahl auf über 54 Millionen ansteigen. Für den nachhaltigen Ausbau von Diagnostik, Therapie und Rehabilitation braucht es daher vor allem eines: gut ausgebildetes Fachpersonal. 

Genau hier setzt der neue Bachelorstudiengang an, der von Serah Ndegwa und Stephanie Unterrieder maßgeblich geprägt wurde. Er schafft erstmals eine strukturierte, akademisch fundierte Ausbildung für Audiologie sowie Logopädie in Ostafrika und legt damit eine zentrale Grundlage für den langfristigen Ausbau der Hörgesundheitsversorgung in der Region. 

Wie der neue Bachelor funktioniert und wer ihn möglich macht 

Der Studiengang Bachelor of Science in Audiology, Speech and Language Pathology (B.ASLP) ist der erste seiner Art in Ost- und Zentralafrika. Der Lehrplan orientiert sich an internationalen Standards und kombiniert theoretische Ausbildung mit klinischen Trainingsphasen und Praktika, um die AbsolventInnen fachlich kompetent und global anschlussfähig auszubilden. 

Unsere Vision ist es, ein regionales Kompetenzzentrum für Audiologie, Sprach- und Sprachpathologie aufzubauen, in dem Ausbildung, Forschung und klinische Versorgung zusammenkommen. Wir sind stolz darauf, mit starken internationalen Partnern zusammenzuarbeiten. Diese Kooperationen gewährleisten nicht nur hohe akademische Standards, sondern schaffen auch langfristige Möglichkeiten für ein nachhaltiges Wachstum in der Region.“  

Serah Ndegwa, Programmleiterin 

Entscheidend für die Realisierung war die öffentlich-private Partnerschaft der Hearing Healthcare Alliance. Diese Kooperation zwischen MED-EL und der Austrian Development Agency fördert dabei nicht nur technische Ausstattung und Infrastruktur, sondern vor allem Aus- und Weiterbildung, Screening-Programme, Awarenessarbeit und nachhaltigen Kapazitätsaufbau im Hörgesundheitsbereich. 

Österreichischer Botschafter, indischer High Commissioner & co: Würdenträger beim Launch des Studiengangs in Kenia ©SonyEnt

Zusätzlich fließt internationale Expertise ein: Lehrinhalte und Curriculum wurden gemeinsam mit dem indischen MERF Institute of Speech and Hearing sowie dem World Hearing Center in Polen entwickelt, um höchste fachliche Standards sicherzustellen. 

Der Studiengang wurde Ende September in Nairobi unter großem medialem Interesse gelauncht. Zahlreiche hochrangige Gäste, darunter der österreichische Botschafter, der indische High Commissioner sowie Vertreterinnen und Vertreter der Universitätsleitung waren anwesend.  

Derzeit sind elf Studierende im neuen Bachelor eingeschrieben und die Universität blickt mit großer Erwartung auf die nächste Studierendengeneration ab Herbst 2026. 

Ruth Ngugi, eine Studentin dieser ersten Kohorte, sagt zum Studiengang: „Die Gesellschaft hat eine große Lücke in Bezug auf Menschen mit Hörverlust und Sprachproblemen, die oft fälschlicherweise für Hexerei oder einen Fluch gehalten werden. Der Stolz, zur ersten Kohorte zu gehören, hat mir die Freude und die Möglichkeit gebracht, eine Antwort auf die Gebete und Bitten der Gesellschaft zu sein. Die Entscheidung für diesen Studiengang war eine Entscheidung für die Weiterentwicklung meiner Fähigkeiten, meiner Ziele und meiner Überzeugung, dass ich mit dem, was ich lerne, etwas Sinnvolles bewirken kann.“   

Bedeutung weit über Klinik und Technik hinaus

Studierende der ersten Kohorte mit Programmleiterin Serah Ndegwa. ©SonyEnt

“Der neue Studiengang ist nicht nur medizinisch ein Meilenstein, sondern auch ein Impuls für sozialen Wandel in Kenia. Früh erkannte und behandelte Hörstörungen verbessern die Bildungs- und Teilhabechancen von Kindern erheblich. Erwachsene gewinnen durch verbesserte Kommunikation neue berufliche Perspektiven und mehr Lebensqualität. Dies alles spiegelt die Mission von MED-EL und der Hearing Healthcare Alliance wider.”, so Sebastian Holler, Global Lead Hearing Healthcare Alliance & Regional Manager Africa MED-EL HQ 

Die Kombination aus akademischer Ausbildung, moderner Hörtechnik und systematischem Kapazitätsaufbau kann dazu beitragen, Gesundheitsversorgung gerechter zu gestalten, auch in Regionen mit eingeschränktem Versorgungszugang. Die Kooperation zwischen Universität, Entwicklungszusammenarbeit, Industrie und internationalen Partnern zeigt: Hörgesundheit ist global, ihre Umsetzung braucht aber starke lokale Strukturen und engagierte Menschen vor Ort.

 

Quellen:  

World Health Organization (WHO). Burden of hearing loss in Africa could rise to 54 million by 2030: WHO report. WHO Regional Office for Africa, 7 Oct 2024, https://www.afro.who.int/news/burden-hearing-loss-africa-could-rise-54-million-2030-who-report 

World Health Organization (WHO). World Report on Hearing 2021. Geneva: World Health Organization; 2021. 

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