Die CI-Ambulanz am Ordensklinikum Linz soll mehr Raum bekommen 

Seit 1. April 2026 leitet Dr. Andreas Strobl die HNO-Abteilung am Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern Linz. Das Programm zur Cochlea-Implantation soll sich weiter entwickeln.

©Ordensklinikum Linz

Der weitläufige Haupteingang des Ordensspitals Barmherzige Schwestern Linz in der Seilerstätte verschwindet seit 2025 hinter Bauplanken. Die Folgen reichen bis ins Hochparterre: Die Logopädie mit ihren sensiblen Hörmessungen und -therapien ist von dort vorübergehend in den sechsten Stock übersiedelt, abgeschirmt vom Baulärm. Nach Bauende in voraussichtlich zwei Jahren soll sie zurückkehren – mit mehr Raum und wieder räumlicher Anbindung an die HNO-Ambulanz.  

Mitten in dieser Umbauphase hat Kopf- und Halschirurgie-Spezialist Dr. Andreas Strobl die Leitung der HNO-Abteilung von seinem Vorgänger Prof. Dr. Martin Burian übernommen. Primar Strobl kam schon im Jahr 1998 an die Klinik: Erst als Turnusarzt, 1992 wurde er Assistenzarzt an der HNO-Abteilung. „Der damalige Primar Dr. Meindl hat darauf geachtet, dass er auch neue Entwicklungen aufgreift“, erinnert sich der frisch gebackene Abteilungsleiter und schmunzelt: „Ich durfte 2002 sogar bei der ersten Cochlea-Implantation im Haus dem Chirurgen über die Schulter schauen.“  

Heute setzt der neue Primar auf drei Eckpfeiler: spitzenmedizinische, ganzheitliche und individuelle Versorgung von PatientInnen mit komplexen HNO-Erkrankungen, Förderung angewandter Forschung und multiprofessioneller Ausbildung sowie kooperative Arbeitsweise. 

Das Cochlea-Implantat im onkologischen Leitspital Oberösterreichs 

Prim. Dr. Andreas Strobl, neuer Leiter der HNO-Abteilung am Ordensklinikum der Barmherzigen Schwestern Linz, setzt auf spitzenmedizinische, ganzheitliche und individuelle Versorgung seiner PatientInnen. ©Ordensklinikum Linz

Mit über 10.000 HNO-Operationen gilt Primar Dr. Strobl als ausgewiesener Experte für Schädelbasis-Chirurgie und Onkologie. Viele Jahre leitete er das Kopf-Hals Tumorzentrum, ehe er die Leitung der gesamten HNO-Klinik übernahm. Schmunzelnd gesteht er: „Auch wenn ich über fundierte Kenntnisse in allen Bereichen der HNO verfüge, verlasse ich mich bei der Ohrimplantologie auf mein eingespieltes Ohrchirurgie-Team.“   

„An Nachwuchs mangelt es bei uns nicht!“, freut sich der Primar. Neben OA Dr. Christoph Balber betreuen OA Dr. Matej Salak und OÄ Dr. Katharina Etmajer die CI-KandidatInnen und CI-PatientInnen der Klinik im HNO-Bereich sowie die Logopädin Anke Krug, MSc. und ihr Team bei logopädisch-therapeutischen Aspekten. „Die Ohrchirurgie hat im Ordensklinikum eine lange Tradition,“ betont Oberarzt Balber und nennt eine Stärke des örtlichen CI-Teams: „Wir sind auch abseits offizieller Termine fast immer ansprechbar.“ 

Ganzheitliche, interdisziplinäre Betreuung als Konzept  

„Ich schätze den konfessionellen Geist, die eingespielten Abläufe und die gute Zusammenarbeit über alle Berufsgruppen hinweg“, sagt Pirmar Strobl. „Wir agieren als breit aufgestelltes, interdisziplinäres Team.“ Das ist nicht nur Teil der Kultur eines Ordensspitals, sondern auch Voraussetzung für eine erfolgreiche Betreuung der Tumor-PatientInnen – und ebenso der PatientInnen mit Hörproblemen. Die Zusammenarbeit zwischen Logopädie und Ärzteschaft sei gut eingespielt, betont der Primar.  

 „Die Betreuung der HörpatientInnen erfolgt traditionellerweise auch in Zusammenarbeit mit dem Institut für Sinnes- und Sprachneurologie der Barmherzigen Brüder. Wir besprechen uns zu den gemeinsamen PatientInnen, zu Indikationen und möglichen Interventionen,“ ergänzt CI-Chirurg Dr. Balber. Dabei verfolge das Institut einen ganzheitlichen Zugang inklusive allgemeiner Entwicklungsabklärung, einem Blick auf das familiäre Umfeld, einer Sozialberatung sowie Hilfe zu schulischen Aspekten. „Die Abklärung der Hörstörung ist und bleibt aber ein Thema der HNO, also unser Bereich.“ Bei der Hörintervention müssen all diese Aspekte berücksichtigt werden. 

„Wir sollten früher an eine CI-Versorgung denken!“ 

Als apparative Unterstützung stehen neben konventionellen Hörgeräten bei den Barmherzigen Schwestern verschiedene Hörimplantate zur Verfügung, über das CI hinaus. „In manchen Fällen sollte die Indikation zum CI aber früher gestellt werden“, rät Dr. Balber. „Bei starkem Hörverlust bietet eine andere Versorgung zwar noch die nötige Verstärkung, aber oft zu wenig Dynamik. Die PatientInnen können laut und leise dann nicht mehr unterscheiden.“ Das beeinträchtigt auch das Sprachverstehen – ein CI wäre für diese PatientInnen hilfreicher. 

Kinder mit leichter bis mittelgradiger Schwerhörigkeit seien mit konventionellen Hörgeräten gut versorgbar, ebenso Kinder mit eindeutiger CI-Indikation mit CIs. Als Herausforderung sieht der CI-Experte aber den Übergangsbereich: „Behandelnde oder Eltern versuchen oft, die vermeintlich große Hürde einer Cochlea-Implantation zu vermeiden.“ Bei kleinen Kindern sei der Hörerfolg dann schwer zu beurteilen. „Für diese Kinder sollten wir früher an eine CI-Versorgung denken!“ Denn häufig zeige sich erst nach ein bis zwei Jahren, dass eine solche doch besser gewesen wäre.  

Eingespieltes Team: v.li: Anke Krug, MSc, OÄ Dr. Katharina Etmajer, OA Dr. Christoph Balber, OA Dr. Matej Salak und Prim. Andreas Strobl ©Ordensklinikum Linz

Individualität ist in der HNO in vielen Bereichen wichtig! 

„Zur Tumorbehandlung gibt es Leitlinien, dennoch geht der Trend der letzten Jahre auch immer mehr in Richtung personalisierte Behandlungen“, erklärt Tumor-Spezialist Strobl. „Einerseits bringt jedeR seine oder ihre Vorgeschichte mit und hat ein individuelles Umfeld. Andererseits steigen laufend die Kenntnisse über die unterschiedlichen Tumor-Biologien. Aus diesem Grund ist für jedeN PatientIn ein individuelles Therapiekonzept zu erstellen.“  

Ähnlich verhält es sich mit der Entscheidung zu einer bestimmten Hörintervention. „Die Indikation hängt auch von der individuellen Lebenssituation des oder der PatientIn ab“, pflichtet CI-Spezialist Balber bei. „Bei der Implantation selbst ist es sehr wahrscheinlich, dass der spätere Hörerfolg mit einer individuellen Anpassung der Elektrodenlänge steigt.“ Deswegen vermisst der Chirurg vor jeder Implantation eines MED-EL CIs die individuelle Hörschnecke mittels Planungssoftware OTOPLAN und wählt die optimale Elektrode.  Auch bei der Aktivierung des CI werden zunehmend Verfahren zur anatomisch basierten Anpassung eingesetzt. Bei präoperativ vorhandenen Hörresten werden die verfügbaren Möglichkeiten zum Erhalt dieser ergriffen. 

Vollversorgung erhalten, Kompetenzen schärfen 

Über 200 ohrchirurgische Eingriffe verzeichnet die Klinik pro Jahr, davon etwa 25 Cochlea-Implantationen. „Als größte HNO-Abteilung des Bundeslandes – gemessen an Operationen, ambulanten Behandlungen und der Größe des Teams – haben wir das Selbstverständnis, das gesamte Spektrum der HNO so weit wie möglich abzudecken“, versichert Primar Strobl. „Als onkologisches Leitspital liefern wir beste Qualität in der Tumortherapie, dennoch bieten wir hohe Kompetenz in allen Bereichen der HNO!“, so auch Oberarzt und CI-Spezialist Dr. Balber.  

Der Primar möchte in Zukunft sogar die einzelnen Tätigkeitsfelder der HNO weiter schärfen: „Wir denken an Spezialambulanzen und spezielle Operationstage, um noch bessere Strukturen zu schaffen.“ Das soll den PatientInnen ebenso zugutekommen wie der Ausbildung des Ärztenachwuchses: Damit auch in weiterer Zukunft kompetente und hoch-spezialisierte klinische Betreuung für alle sichergestellt ist.  

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