Hitze, Kälte, Feuchtigkeit: Ein CI-Audioprozessor muss vieles aushalten 

CIA-Niederösterreich Obfrau Gertrude Moser hat ungewollt die Robustheit ihres CI-Audio-Prozessor getestet. Was der Audioprozessor eines CI-Systems tatsächlich aushält und wie wir gegen Schäden vorbeugen können.  

Eva Kohl 

©Adobe Stock

„Heute ist mir etwas Unglaubliches passiert“, schreibt Gertrude Moser im Jänner 2026 per E-Mail. „Ich kann gar nicht fassen, was so ein CI-Prozessor aushalten kann!“ Die Obfrau der CIA-Landesgruppe Niederösterreich ist langjährig erfahrene Nutzerin zweier Cochlea-Implantate, kurz: CI.  

In der Blüte ihres Lebens hatte die Niederösterreicherin damals ihr Hörvermögen verloren. Doch es dauerte einige Jahre, ehe sie ihr erstes Cochlea-Implantat bekam. Als Audioprozessor nutzte die pensionierte Grundschullehrerin anfangs noch ein sogenanntes Kästchengerät: Eine rechteckige Box, die über ein langes Kabel mit jenen Systemteilen verbunden war, die am Ohr getragenen wurden: ein HdO-Teil mit dem Mikrofon und die Sendespule. Das nüchterne Kästchen wurde meist in der Brusttasche der Bluse verborgen. Es folgte wenig später das Implantat auf der zweiten Seite und dann auch die ersten richtigen HdO-Prozessoren, ganz ohne zusätzliches Kästchen. Heute nutzt sie beidseits moderne CI-Technologie aktueller Generation. 

Geselligkeit mit und durch Cochlea-Implantat 

Als die Kliniker des damaligen Landesklinikums St. Pölten Trude Moser wenig später animierten, eine Selbsthilfegruppe für CI-NutzerInnen zu gründen, traute sie sich das erst nicht zu: „Ich hatte ja kein Selbstvertrauen mehr.“ Das hatte sie mit dem Hörvermögen gemeinsam verloren. „Mit dem CI hat für mich dann aber ein neues Leben begonnen, auch mit und durch die Gruppe.“ Beim CIA-Treffen klopft sie selbstsicher mit einem Löffel an den Gläserrand, wenn sie sich Gehör verschaffen möchte. Geselligkeiten genießt sie sowieso, sie lädt auch gerne Gäste zu sich nach Hause ein.  

In der Anfangszeit der CIA-Gruppe Niederösterreich hat die Obfrau im Sommer die ganze Gruppe zu sich zur Gartenparty eingeladen. Bis zu 50 Personen waren das damals. „Das war einmal“, lacht sie heute. Jetzt kommt vor allem die Familie zu Besuch. So auch im Jänner dieses Jahres, als das Ehepaar Moser die Familie zum Essen einlud: „Dieses Mal habe ich jede Menge Schnitzeln aller Art produziert: für Veganer, Vegetarier und Fleischesser – also alles, was man panieren kann.“ Gerade während der Panierarbeit begann einer ihrer Audioprozessoren zu piepsen: Die Ladung des Akkus neigte sich dem Ende zu. „Ich habe das Gerät abgenommen und neben das Fensterbrett auf ein sauberes Geschirrtuch gelegt“, erzählt die Gastgeberin. Sie wollte ihre Vorbereitungen nicht länger als nötig unterbrechen. Fürs Plaudern war später Zeit, im Moment schien ihr das Kochen dringender.  

„Mein CI-Prozessor war weg!“ 

Die ersten fertigen Schnitzel legte Trude Moser auf ein Backblech und schob dieses ins Rohr und widmete sich der nächsten Garnitur. Bei 100 Grad im Backrohr sollten die schon fertigen Schnitzel warm und knusprig bleiben. Nach und nach wanderte alles Panierte aufs Blech. Als das Essen fertig war und die Gäste eintrafen, wollte Trude Moser ihr Hörvermögen rasch wieder aktivieren. Doch – oh Schreck – der zuvor abgelegte CI-Prozessor war nicht mehr zu finden! Nicht am Geschirrtuch und sonst auch nirgends! „Erst haben wir die Küche auf den Kopf gestellt, dann auch die anderen Räume.“ Auch der Besuch half mit beim Suchen. „Doch es half alles nichts: Mein CI-Prozessor war weg!“  

CI-Nutzerin Moser blieb ruhig: Die Unterhaltung mit den Gästen würde sie mit dem CI auf der anderen Seite führen und der vermisste Prozessor müsste sich früher oder später ja wiederfinden lassen. Die Gäste begaben sich also zu Tisch. „Und ich nahm das Backblech mit den Schnitzeln aus dem Backrohr: Da klebte der Audioprozessor an der Unterseite des Blechs!“ Als Trude Moser das Blech auf die Arbeitsfläche gelegt hatte, um die erste Garnitur Schnitzel drauf zu legen, war die Spule wohl magnetisch am Blech hängen geblieben und hatte den Prozessor mitgezogen. „Angesichts des heißen Prozessors wurde ich dann doch nervös“, gesteht Trude Moser. 

„Der Backofen ist keine zulässige Betriebsumgebung!“

CI-Nutzerin Gertrude Moser nach ihrem Backofen-Malheur: „Ich kann die Qualität dieses Gerätes nur in den höchsten Maßen loben!“ ©Moser

„Betrachtungen zur grundlegenden Sicherheit für Medizinprodukte sind zum Beispiel in der internationalen Norm IEC festgelegt und fixer Bestandteil der Produktentwicklung“, erklärt der österreichische Hersteller MED-EL auf Anfrage. „Die zulässigen Lager- und Betriebsbedingungen sind in der Bedienungsanleitung dokumentiert. Alles außerhalb dieser Grenzwerte kann dazu führen, dass der Prozessor beschädigt wird.“  

Für die MED-EL CI-Prozessoren RONDO 3 und SONNET 3 zum Beispiel sind im Handbuch 0 bis 50 Grad Celsius Betriebstemperatur angegeben sowie ein zulässiger Temperaturbereich von -29 bis +60 Grad Celsius bei der Aufbewahrung. Da der Prozessor am Körper getragen wird, der rund 37 Grad hat, ist eine Betriebstemperatur 0 Grad auch im Winter im Freien gegeben. Andererseits überschreitet schon ein einfacher Haarföhn schnell die 60 Grad Obergrenze. Deswegen sollten feuchte Systemteile einfach in der Raumluft gelüftet und im Anschluss in einer professionellen Trockenbox getrocknet werden. Im Übrigen sind auch die zulässige Luftfeuchtigkeit mit 15 bis 90 Prozent und der Luftdruck mit 700 bis 1060 Millibar angegeben. Damit ist das Hören mit CI auch bei Bergtouren auf 3000 Meter Seehöhe noch zuverlässig möglich.  

„Es kann schon vorkommen, dass wir hin und wieder manche Komponenten über diese Basissicherheit hinaus testen“, erklärt einer der zuständigen Entwicklungstechniker. Dann schmunzelt er und betont ausdrücklich: „Der Backofen ist aber ganz sicher keine zulässige Betriebsumgebung!“ 

Audioprozessor hält mehr aus als erwartet: „Ich war sehr erleichtert!“ 

„Meine Aufregung war groß!“ Der erfahrenen CI-Nutzerin Trude Moser war natürlich klar, dass das erhitzte Backrohr nicht der ideale Aufbewahrungsort für ihren Audioprozessor sein konnte. „Der Prozessor war noch ganz heiß! Ich setzte einen neuen Akku ein“, der leere Akku war ja Auslöser für das ganze Malheur gewesen. „Und siehe da: Es hat tatsächlich alles funktioniert!“ 

Für die sichere Ablage des Audioprozessors – nicht nur während der Nacht – sind die Aufbewahrungstaschen gedacht: Sie werden mit der Erstausstattung des Audioprozessors ausgeliefert, sind aber auch als Zubehör nachträglich erhältlich. Trude Moser kam dieses Mal mit dem Schrecken davon: „Anfangs hat der Prozessor zwar etwas gekracht, aber auch das war bald weg. Ich war wahnsinnig erleichtert!“, freut sie sich. „Ich kann die Qualität dieses Gerätes nur in den höchsten Maßen loben!“

Audioprozessoren immer auch versichern! 

Österreichs Sozialversicherungen übernehmen zwar grundsätzlich die Kosten für anfallende Reparaturen und Services. Das gilt aber nicht, wenn die Reparatur durch einen Missbrauch verursacht wurde: also durch einen groben Handhabungsfehler, durch ein Versehen wie das hier Beschriebene oder gar durch bewusste Zerstörung. Die Sozialversicherungen ersetzen auch keine verlorenen oder gestohlenen Geräte.  

Deswegen raten erfahrene CI-NutzerInnen – und im Übrigen auch die meisten Herstellerfirmen – eine private Versicherung abzuschließen: Entweder in Form einer geeigneten Klausel in der bestehenden Haushaltsversicherung oder als separate Versicherung für die außen getragenen Teile der Hörsysteme. Hier finden Sie Informationen zu drei verschiedenen Anbietern.   

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